Rejected & Resurrected: WOLFMAN-Soundtrack von Danny Elfman

18. Februar 2010

Wolfman: Soundtrack von Danny Elfman

Spätromantik statt Elektronik: Nach produktionstechnischem Hin und Her entschloss man sich bei Universal in letzter Minute dazu, die Wiederbelebung des „Wolfman“ nun doch mit Danny Elfmans orchestralem Großangriff auf die Leinwand zu schicken. Zuvor war man nach zahlreichen Nachdrehs und Kürzungen zu dem Schluss gekommen, dass ein temporeicherer, elektroniklastiger Score dem Film besser zu Gesicht stehen würde und vergab den Kompositionsauftrag vorübergehend an Paul Haslinger, dessen Arbeit es nun vermutlich nie zu hören geben wird. Aber auch die jetzt verwendete Partitur ist mit Elfmans ursprünglicher Musik nicht wirklich identisch.

Eigentlich hätte die Konstellation Elfman / Wolfman auch unabhängig vom gleichen Wortklang eine echte filmmusikalische Liebesheirat sein müssen. Hörbar beeinflusst von Wojciech Kilars Score für Coppolas „Dracula“-Version, hatte Tim Burtons Hauskomponist auf ein ebenso dunkles wie schwermütiges Klangbild gesetzt und damit die Schicksalslastigkeit der Geschichte in den Vordergrund gerückt. Als allerdings etliche Passagen des Films der Arbeit am Schneidetisch zum Opfer gefallen waren, verlor man seitens der Macher das Vertrauen in die Musik.

Elfman selber befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits mitten in der Arbeit zu Burtons „Alice in Wonderland“ und war für eine Revision seiner Partitur nicht mehr greifbar. Notgedrungen beschloss man, den ursprünglichen Score vollständig duch eine neue Komposition des Österreichers Paul Haslinger (ehemals Tangerine Dream) zu ersetzen – eine Entscheidung, die weniger auf Weisheit und untrüglichem Gespür beruhte als vielmehr Ausdruck panischen Typecastings war. Haslinger nämlich hatte zuvor den ersten und dritten Teil der „Underworld“-Trilogie, sowie die Musik zur Videospielversion von „X-Men Origins: Wolverine“ betreut und galt damit bei Universal offenbar als werwolftauglich. Das Ergebnis überzeugte jedoch auch nicht, und der elektronische Score Haslingers landete (ungeachtet seiner Qualitäten) unmittelbar im Giftschrank des Studios.

Dem Zeitdruck des näherrückenden und ohnehin bereits mehrfach verschobenen Starttermins ist es vermutlich zu verdanken, dass man sich nun schließlich doch auf Elfmans ursprüngliche Musik besonnen hat. Um das Originalmaterial allerdings an die neu geschnittene Filmfassung anzupassen, wurden ganze drei Komponisten mit der Überarbeitung der Partitur beauftragt (darunter Ed Shearmur). Wieviel von Elfmans Arbeit also in der aktuellen Version steckt, ist schwer auszumachen. Eine weitere Variante mag zukünftig die DVD-Fassung des Films bieten, denn laut Aussage von Regisseur Joe Johnston (übrigens ebenfalls ein Ersatzmann am Set) werden dort 17 zusätzliche Minuten Material zu sehen sein.

Wolfman

Künstlerisch gibt es für einen etablierten Filmkomponisten vermutlich kaum etwas Frustrierenderes als die nachträgliche Ablehnung eines bereits fertig gestellten Scores. Legendär etwa der Fall von Bernard Herrmanns Partitur für Hitchcocks „Torn Curtain“, mit der die langjährige Zusammenarbeit zweier Filmschaffender endete, die beiderseits nicht gerade für ihre große Komprimissbereitschaft bekannt waren. Geradezu tragisch hingegen geriet die Ersetzung von Jerry Goldsmiths Soundtrack zu „Timeline“ – es wurde die letzte fertiggestellte Filmmusik des Altmeisters.

Doch auch wenn eine Ablehnung für den Komponisten bitter ist, muss sie für den Film selber nicht immer negativ ausfallen. Stanley Kubrick etwa verzichtete für „2001 – A Space Odyssey“ einst gänzlich auf die Originalmusik von Alex North und hielt stattdessen an seinem Temptracking aus Strauss und Ligeti fest. Dass er damit nicht unwesentlich zum historischen Status seines Weltraumtrips beitrug und zudem eine ganze Generation von Filmemachern beeinflusste, die ihre eigene Musikauswahl als zusätzliche Erzählkomponente begriffen (Scorsese und Tarantino sind nur die bekanntesten Beispiele), lässt sich kaum bestreiten.

Elfmans Soundtrack wurde mittlerweile in einstündiger Fassung bei Varése Sarabande verlegt. Über eine Veröffentlichung von Haslingers Musik ist derzeit nichts bekannt.

[Abbildungen © Universal Pictures International Germany]

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Eine Antwort zu “Rejected & Resurrected: WOLFMAN-Soundtrack von Danny Elfman”

  1. Filmmusik sagt:

    Großartige Filmmusik! Ich mag den Film und Score total!

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