Let there be fright: AMPAS ehrt William Castle

14. September 2014

William Castle

Nein, einen postumen Ehren-Oscar bekommt Gimmick-Meister William Castle nicht. Doch immerhin widmet ihm die Academy of Motion Picture Arts and Sciences diesen Monat eine offizielle Retrospektive und verpasst ihm damit eine Art Ritterschlag. Unter dem Titel „Let there be fright“ werden im Los Angeles County Museum of Art bis zum 26. September einige seiner bekanntesten Filme gezeigt. Bekennender Castle-Fan Joe Dante nutzte die Gelegenheit und präsentierte die Aufführung von „House on Haunted Hill [dt. Das Haus auf dem Geisterhügel]“ (1969) gleich persönlich.

1993 hatte er mit „Matinee“ eine Art Hommage an Castle vorgelegt und den allzeit trickreichen Filmemacher in Gestalt des von John Goodman verkörperten Regisseurs Lawrence Woolsey einige seiner legendären Spielereien vorführen lassen. Angebliche Elektroschocks unter den Sitzen gefällig? Ein Gespenst, das im Kinosaal sein Unwesen treibt? Immer her damit. Denn Castle war vor allem ein echtes Marketing-Genie, das der Konkurrenz durch die zunehmende Verbreitung des TV-Bildschirms mit jeder Menge effektvollem Nonsens begegnete.

„Illusion-O“, „Percepto“ oder „Emergo“ nannte Castle die Techniken, die angeblich hinter seinen Filmen steckten und in erster Linie den Zuschauer dazu ermutigen sollten, in bestimmter Weise mit dem Geschehen auf der Leinwand zu interagieren – zum Beispiel, indem sie laut schrien, um tanzende Skelette zu vertreiben, die sich sonst an ihrer Wirbelsäule festklammern würden. Oder einen Blick durch speziell gefärbtes Cellophan zu werfen, um auf der Leinwand Geister zu entdecken, die sonst kaum zu sehen waren. Im Grunde also eine Frühform von Augmented Reality.

Begonnen hatte der verkaufsfördernde Schabernack 1958 mit „Macabre“ (einem Film, den die hiesige BPjM immer noch für jugendgefährdend hält). Castle war auf die absurde Idee gekommen, jedem Kinogänger eine Lebensversicherung über 1000 Dollar in die Hand zu drücken, die in Kraft treten würde, sollte man während des Films vor lauter Angst das Zeitliche segnen. In der Lobby warteten zudem einige hübsch anzusehende Krankenschwestern, die im Fall des Falles zum Einsatz kommen sollten. Niemand starb, doch die Kassen klingelten.

In seinem sehr unterhaltsamen Buch „Crackpot“ (1986), einem Sammelsurium skurriler Phänomene, wirft John Waters – der selber schon einige Gimmicks im Geiste des Meisters zum Einsatz brachte – einen detaillierten Blick auf Castles absurdeste Tricks und ihre Wirkung. Was unter „Percepto“ zu verstehen ist und wie die Technik im Fall von „The Tingler (dt. Schrei wenn der Tingler kommt]“ zum Einsatz kam, erläutert Joe Dante in einem Beitrag für seine Online-Filmschule Trailers from Hell.

The Tingler

[Abbildungen: Screencapture | trailersfromhell.com]

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