Werner Herzog spielt neben Tom Cruise in ONE SHOT | Thriller nach Vorlage von Lee Child

04. Oktober 2011

Werner Herzog

Man mag es zunächst für einen Scherz halten, doch dieser Besetzungscoup ist real: Kein Geringerer spielt demnächst an der Seite von Tom Cruise als Autorenfilmer, Grenzgänger und mittlerweile auch 3D-Dokupionier Werner Herzog. In „One Shot (dt. Sniper)“, einer Adaption des gleichnamigen Romans des britischen Autors Lee Child, wird der allzeit risikowillige deutsche Filmemacher die Rolle eines mysteriösen Russen und Gegenspielers der Hauptfigur übernehmen. Weitere hochkarätige Namen auf der Besetzungsliste sind Robert Duvall, Rosamunde Pike und Richard Jenkins. Die Regie des von Cruise und Paula Wagner produzierten Thrillers übernimmt Christopher McQuarrie.

Herzog ist bislang als Schauspieler praktisch nicht in Erscheinung getreten. Bekannt wurde er vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski, dem er 1999 die Dokumentation „Mein liebster Feind“ widmete. In den vergangenen Jahren festigte er seinen Ruf unter anderem mit Filmen wie „Grizzly Man“, „Rescue Dawn“ oder dem von David Lynch produzierten Drama „My son, my son, what have ye done“. Als erster Regisseur überhaupt realisierte er 2009 mit „Die Höhle der vergessenen Träume“ einen Dokumentarfilm in zeitgemäßer 3D-Technik. Gerade erst hat er in Toronto seinen aktuellen Film „Into the Abyss“ vorgestellt.

Längst ist Herzog aber auch selber eine echte Marke geworden, zu der in einer geschickten Balance aus Skurrilität und Genie auch eine eigenwillige Sprachmelodie und (im Englischen) ein unverkennbarer deutscher Akzent gehört. Als Voiceover gab es ihn sogar schon einmal bei den „Simpsons“ zu hören, Roger Ebert ließ ihn Filmkritiken vorlesen, und in einem Kurzfilm mit dem Titel „Plastic Bag“ gibt er den Erzähler – und zwar als Plastiktüte. Umso mehr lässt sein Auftritt in einer Hollywood-Großproduktion Ungewöhnliches erwarten.

Plastic Bag

Die Vorlage des Films gehört zu Lee Childs Romanserie um den ehemaligen Militärpolizisten Jack Reacher, einen aufrechten Aussteiger, der ohne gültigen Pass und festen Wohnsitz umherzieht und sich dabei immer wieder in Konstellationen wiederfindet, bei denen sein Leben auf dem Spiel steht. Bislang sind sechzehn Bücher um den schweigsamen Veteranen erschienen. „One Shot“ ist die erste Filmversion und zugleich der offensichtliche Versuch, ein neues Franchise-Modell für Hauptdarsteller und Produzent Tom Cruise zu etablieren.

Doch gerade an diesem scheiden sich die Geister. Denn körperlich könnten die Romanfigur und sein Alter Ego kaum weiter voneinander entfernt sein. Child beschreibt Reacher als zwei-Meter-Hünen mit einem Körpergewicht von etwa 110 kg und muskulöser Statur. Hinzu kommen blaue Augen und dunkelblondes Haar – Tom Cruise ist nichts davon. Konsequenterweise wurde das Projekt bislang überaus kritisch betrachtet. Der Autor selber sieht die Angelegenheit jedoch ganz anders: „In den Büchern ist Reachers Körperlichkeit eine Metapher für eine unaufhaltbare Kraft, die Tom Cruise auf seine eigene Weise zum Ausdruck bringt.“ (Zitat: Deadline)

Wie ernst man derartige Aussagen nehmen darf, sei einmal dahingestellt. Nicht selten werden Autoren vertraglich dazu verpflichten, negative Aussagen zur Verfilmung ihrer Stoffe zu unterlassen, und so ist auch Childs (ohnehin sehr diplomatische formuliertes) Statement durchaus mit Vorsicht zu genießen. Im übrigen mag die Diskussion mag so manchen an eine frühere Besetzungskontroverse erinnern, die ebenfalls Tom Cruise betraf. Damals gingen die Fans auf die Barrikaden, als er die Rolle des dekadenten Blutsaugers Lestat in Neil Jordans Verfilmung von „Interview mit einem Vampir“ übernahm. Autorin Anne Rice hatte sich zunächst distanziert, war aber später nicht nur zurückgerudert, sondern wurde gar zum begeisterten Fürsprecher des Schauspielers.

Für Regisseur Christopher McQuarrie ist der Thriller bereits die dritte Zusammenarbeit mit Cruise. Zuvor hatte er 2008 dessen Stauffenberg-Drama „Operation Walküre“ geschrieben und produziert, aktuell lieferte er das Drehbuch für „Mission Impossible – Phantom Protokoll“. Bekannt wurde McQuarrie vor allem als Autor für den Gangsterfilm „Die üblichen Verdächtigen“, der ihm einen Oscar einbrachte. Weniger begeistert zeigte sich die Kritik im vergangenen Jahr hingegen von der an den Kinokassen verunglückten Hitchcock-Reminiszenz „The Tourist“. Das Drehbuch zu „One Shot“ verfasste er zusammen mit Josh Olson.

[Abbildung: Werner Herzog Presseservice]

follow @screenread on twitter


Hinterlasse eine Antwort