Waxwork Records: Blut auf dem Plattenteller, Horror auf Vinyl

15. März 2017

Friday the 13th | Waxwork Records

Dass ein technisch völlig überholtes Medium wie die Schallplatte nicht nur nie ganz vom Markt verschwunden ist, sondern sich seit einer Weile sogar wieder zunehmender Beliebtheit erfreut, wundert Sammler, Händler und Liebhaber nicht im Geringsten: Streaming sei Hintergrundbeschallung, Vinyl hingegen echtes Musikhören. Da ist sicher etwas dran. Denn wer mit den schwarzen Scheiben aufgewachsen ist, kennt den ritalisiert anmutenden Abspielprozess mit all seinen multisensullen Komponenten nur zu gut. Hier gilt: Je hochwertiger, desto besser. Kein Wunder also, dass sich spezialisierte Labels heute eine eigene Fanbase aufbauen können. Ein schönes Beispiel dafür bieten Kevin Bergeron und Suzy Soto von Waxwork Records aus New Orleans.

Anfang 2013 gründeten die Galeristin und der Musikunternehmer ihr auf Filmmusik abonniertes Label und setzten gleich mit ihrem ersten Release ein klares Zeichen: Richard Bands Soundtrack zu Stuart Gordons Lovecraft-Adaption “Re-Animator” leuchtete im Dunkeln. Vier Jahre später haben Waxwork Records 28 Alben veröffentlicht und jedes einzelne davon legt hohen Wert auf edles Design, hochwertiges Packaging und nicht selten gimmikartige Zusatzeffekte. Besonders auffällig: eine mit roter Flüssigkeit gefüllte Vinyl-Version von Harry Manfredinis “Friday the 13th”. Was zunächst skurril klingen mag, setzte schon bald einen Trend in Gang. “Liquid Vinyl” ist heute fast schon Standard.

Krampus | Waxwork Records

Inhaltlich liegt der Fokus fast ausschließlich auf Horror-Scores. Dabei sind Klassiker wie “Rosemary’s Baby” oder “Day of the Dead” ebenso im Programm wie B-Filme (etwa Jim Wynorskis “Chopping Mall”) und neuere Produktionen (“Starry Eyes“, “Krampus“). Größter Seller bislang: “Creepshow” von John Harrison. Der Soundtrack zu George A. Romeros Episodenfilm nach Stephen King erfuhr einen so großen Widerhall, dass die limitierte Erstauflage rasch nachgepresst werden musste.

Die beiden Label-Betreiber ergänzen sich perfekt. Während Bergeron die musikalische Seite betreut, kümmert sich Soto um das Design. Künstler wie Gary Pullin und Francesco Francavilla gehören zum Team. Für die kürzliche erschienene Doppel-LP von Bernard Herrmanns “Taxi Driver” lieferte Martin Scorsese himself umfangreiche Liner Notes. Ein gewisser Stolz ist also durchaus angemessen. Zudem sei ein Anstieg der Verkaufszahlen um 46% pro Jahr zu verzeichnen.

Auch eine Erweiterung des Produktportfolios ist in Arbeit: Noch für dieses Jahr versprechen Waxworks eigene Comics mit begleitenden Soundtracks – selbstverständlich auf Vinyl.

[Aktuell in Deutschland erhältliche Veröffentlichungen von Waxwork Records finden sich hier.]

Kevin Bergeron, Suzy Soto | Waxwork Records

Creepshow | Waxwork Records

[Abbildungen: Waxwork Records | Rami Sharkey (Porträt)]

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