Valerian: Die Comic-Vorlage zum Film von Luc Besson in neuer Edition

28. Juli 2017

Valerian | Comic-Verlage | Filmausgabe

[Lesedauer: ca. 1:50 Minuten]

Luc Besson ruht in sich. Die katastrophalen Einspielergebnisse, die „Valerian“ in den USA am Startwochenende hinlegte, sind nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Tatsache, dass der Film nach all den Jahren der Vorarbeit überhaupt existiert und daran niemand mehr etwas ändern kann – so sein Statement kürzlich in einem Interview mit BBC Radio 5 [1]. Schon als 10-Jähriger sei er den Comics aus der Feder von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières verfallen gewesen, doch erst letzterer (und zwar anlässlich seiner Designarbeiten für „Das fünfte Element“) habe ihn auf die Idee einer Verfilmung gebracht. Was aus dem Leseerlebnis aus Kindheitstagen geworden ist, lässt sich nun zwar auf der Großleinwand begutachten, doch erst ein Blick auf die Vorlagen komplettiert das Bild. Eine Sonderausgabe zum Kinostart macht es einem da leicht.

Den Titelzusatz hat Besson zwar dem zweiten Band „Das Reich der 1000 Planeten“ entnommen, inhaltliche Elemente entstammen jedoch hauptsächlich dem dritten („Botschafter der Schatten“, 1975). Bei Carlsen Comics, wo die Reihe seit 1978 in deutscher Übersetzung erscheint, hat man deshalb beide Abenteuer zusammengelegt und jetzt als Sonderedition neu herausgegeben. Erstmals trägt die weibliche Hauptfigur dabei den aus dem französischen Original übernommenen Namen Laureline, der in der hiesigen Version seltsamerweise durch „Veronique“ ersetzt wurde (was den damaligen Herausgebern vermutlich französischer erschien). Um die Sorgfalt des Endlektorats war es allem Anschein nach jedoch nicht allzu gut bestellt, denn so ganz ist Veronique auch aus dieser Ausgabe nicht verschwunden. Vielleicht war man auch schlichtweg in Eile.

Doch wir wollen nicht spitzfindig sein. Neueinsteiger bekommen jedenfalls einen guten ersten Eindruck von der Reihe, die – genau wie der Film – im Original tatsächlich nur „Valerian“ heißt (bzw. „Valérian, agent spatio-temporel“) und Laureline außen vor lässt. Umso bezeichnender, dass sich Besson mit seinem Faible für Badass-Heroinen ausgerechnet an einem Band orientiert, der von der weiblichen Weltraumagentin quasi im Alleingang gestemmt wird. Das ist neben einigen Gimmicks und Motiven aber auch das einzige, was er für seinen Film von der Vorlage übernimmt, denn sein „Valerian“ ist weniger Adaption als lose inspirierte Neuschöpfung.

Valerian | Filmausgabe (Carlsen)

Puristen mag das wenig gefallen, zumal schon die Hauptdarsteller Dane DeHaan („A Cure for Wellness“) und Cara Delevingne („Die Augen des Engels“) herzlich wenig Ähnlichkeit mit den Comichelden aufweisen (nicht einmal Laurelines charakteristische rote Haare sind geblieben). Und selbst Besson scheint seinem eigenen Ansatz zunächst nicht über den Weg getraut zu haben, sei er doch zu Beginn erst einmal ehrfürchtig mit allen Ideen und Entwürfen bei den beiden Vätern der Reihe vorstellig geworden. Doch Christin habe ihm praktisch einen Freifahrtschein erteilt. Den Respekt solle er vergessen und die Autoren stattdessen mit seiner eigenen Vision überraschen. Eine bemerkenswert entspannte Haltung für einen fast 80-Jährigen, von dem man eigentlich eher erwarten würde, dass er schützend die Hand über sein Lebenswerk hält.

Umso offener muss man vielleicht gerade deshalb mit Bessons Film umgehen, auch wenn das (besonders im direkten Vergleich) nicht allzu leicht fällt. Vom trippigen 70er-Jahre-Charme der Comics ist jedenfalls wenig übrig geblieben. „Valerian“ ist 2017 absolut ein Kind seiner Zeit, das mit allem konkurrieren muss, was seit Veröffentlichung der Vorlagen an Scifi auf der Leinwand zu sehen war. Der immer wieder gern behauptete große Einfluss, den die Reihe angeblich auf „Star Wars“, „Star Trek“ und andere schulemachende Genre-Beiträge gehabt haben soll, schlägt da in gewissem Sinn zurück. Besson hat nach Kräften versucht, das Universum der beiden Space-Agents in die Gegenwart des Kinos zu übersetzen. Ob einem das auch gefallen muss, steht auf einem anderen Blatt. [LZ]

Pierre Christin, Jean-Claude Mézières:
Valerian & Veronique. Filmausgabe
(Das Reich der 1000 Planeten, Botschafter der Schatten)
Carlsen Verlag | 96 Seiten | ISBN 978-3-551-73430-3

Valerian | Filmausgabe (Carlsen)

[Abbildungen: Carlsen Verlag]

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