Unter Freunden – Komm, lass uns spielen | Filmkritik

04. Oktober 2014

Unter Freunden

Die Tatsache, dass unter den veränderten technischen Bedingungen heute so ziemlich jeder einen Film drehen kann, der nicht notwendigerweise wie ein Homevideo aussehen muss, hat eine Menge Schattenseiten. Dazu zählt das unüberschaubare Überangebot an völligem Schrott, der sich auf den einschlägigen Videoportalen tummelt und es der bloßen Masse wegen immens erschwert, die Spreu vom Weizen zu trennen (bzw. letzteren überhaupt erst entdecken zu lassen). Gut also, wenn man bei seinem eigenen Microbudget-Projekt ein paar prominente Namen aufweisen kann – oder selber einen solchen trägt. Ob das im Fall von „Unter Freunden“ ein erfreulicher Umstand ist, muss jeder für sich selber entscheiden.

Die Story ist rasch erzählt: Sieben Freunde treffen sich zu einem Spieleabend in einem (Gähn!) abgelegenen Landhaus. Gastgeberin Bernadette vergibt die Regeln und schickt die anderen auf fiktive Mörderjagd. Doch als sich die Truppe zum gemeinsamen Essen am Tisch versammelt, wird aus der leidlich unterhaltsamen Cluedo-Variante plötzlich bitterer Ernst: Eine Substanz in ihren Drinks lähmt alle von der Hüfte abwärts – mit Ausnahme der Spielleiterin. Diese nämlich hat einen Plan geschmiedet, der ihre Gäste auf perfide Weise mit den eigenen Verfehlungen konfrontiert.

Im Wesentlichen auf eine Location beschränkt, bewegt sich das Regiedebüt von – sparen wir uns die abgehalfterte Bezeichnung „Screamqueen“ – Danielle Harris („Halloween 2“, „Hatchet 2“ und demnächst „See no Evil 2“) inhaltlich irgendwo zwischen „Saw“, „The Loved Ones“ und weniger bekannten, aber im Sujet sehr ähnlichen Genre-Beispielen wie „Would you rather“. Sonderlich originell ist die Grundidee nicht, aber das hat zunächst einmal nichts zu bedeuten. Dass die Umsetzung hingegen manchmal an Laientheater erinnert, fällt da schon eher ins Gewicht.

Die ersten 20 Minuten geschieht mehr oder weniger gar nichts. Theoretisch werden die Figuren und ihre Konstellationen untereinander vorgestellt, doch da keiner von ihnen mehr ist als eine bloße Schablone, deren späteres Schicksal einen herzlich wenig interessiert, lässt sich dieser Teil eigentlich verlustfrei ignorieren. Erst mit der Wende am Esstisch lohnt aufmerksameres Hinschauen. Jedenfalls für eine Weile.

Unter Freunden

Bald hat sich aber auch hier der Reiz erledigt, denn das Prinzip ist immer dasselbe: Mithilfe heimlicher Videoaufzeichnungen führt Bernadette allen Anwesenden das mal mehr, mal weniger inakzeptable Verhalten eines der Beteiligten vor und fordert dann eine Bestrafung ein. Hinzu kommen ein paar Spielregeln, die aber auch nur dann eingehalten werden, wenn die Gastgeberin (oder das Drehbuch) sie nicht gerade übersehen hat.

Das ist alles ganz unterhaltsam, im Grunde aber nicht viel mehr als eine Nummernrevue, deren Spannung sich in Grenzen hält. Technisch besteht für Neu-Regisseurin Danielle Harris vor allem in Sachen Timing und Montage noch eine Menge Luft nach oben. Manches gelingt ihr ganz gut, anderes eher weniger. Ein Cameo verschafft sie sich im Umfeld einer Halluzinationssequenz, die das ganze Geschehen an ein Filmset verlagert, an dem Xavier Gens („Hitman“) Regie führt.

Hauptproblem ist das wenig ausgereifte Drehbuch von Bernadette-Darstellerin Alyssa Lobit mit Dialogen, die allesamt klingen, als seien sie mittelmäßig improvisiert (was wahrscheinlich auch der Fall ist). Auf jede Gemeinheit ihrer Peinigerin reagieren die sechs unfreiwilligen Spielteilnehmer in aller Regel wahlweise mit „Fick dich!“, „Fick dich, du Miststück!“ oder gar „Fick dich, du geistesgestörtes Miststück!“ – weitere Varianten bleiben eher aus.

„Unter Freunden“ ist letztlich nicht nur der Titel des Films, sondern auch die Beschreibung seiner Umstände. Viele der Beteiligten kennt Harris aus früheren gemeinsamen Projekten, und so war es vermutlich nicht schwierig, sie für ihren Erstling zu gewinnen: Mit Alyssa Lobit, Brianne Davis, Dana Daurey, Jennifer Blanc und Michael Biehn (hat einen Kurzauftritt) stand sie bereits für die Blanc/Biehn-Produktion „The Victim“ gemeinsam vor der Kamera; mit AJ Bowen und Kane Hodder hingegen bei „Hatchet 2“. Und Xavier Gens kennen Blanc und Biehn aus „The Divide“.

Vielleicht muss man diesen Film auch genau vor diesem Hintergrund betrachten. Gedreht mit rund 10.000 Dollar Crowdfunding-Zuschuss ist „Unter Freunden“ ein halbprivates Spaßprojekt für Fans der Beteiligten und jeden, der nichts gegen ein bisschen belanglose Genrekost einzuwenden hat, die zu clean ist für den Underground, zugleich aber auch zu drastisch für den Mainstream. [LZ]

Unter Freunden

OT: Among Friends (USA 2012) REGIE: Danielle Harris. BUCH: Alyssa Lobit. MUSIK: Cody Westheimer. KAMERA: John Orphan. DARSTELLER: Alyssa Lobit, Jennifer Blanc, Kamala Jones, AJ Bowen, Brianne Davis, Christopher Backus, Dana Daurey, Chris Meyer, Kane Hodder, Michael Biehn, Xavier Gens. LAUFZEIT: 77 Min (DVD), 80 Min (Blu-ray). VÖ: 02.10.2014.

Unter Freunden

[Abbildungen: Tiberius Film]

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