Unlocked | Filmkritik: Kein Franchise für Noomi Rapace

12. November 2017

Unlocked

[Lesedauer: ca. 2:15 Minuten]

Es gibt Gründe, warum Filme wie dieser nach und nach vollständig aus den Kinos verschwunden sein werden: Sie haben kein Zielpublikum mehr. Für Blockbuster zu klein, für Arthouse zu Mainstream. Wer da bereit ist, sein hart verdientes Geld in ein Ticket zu investieren, gehört zu einer Minderheit. Die 90er, als das Sterben der mittelgroßen Leinwände noch unvorstellbar schien und CGI-freie Thriller wie „Class Action“ oder „The Pelican Brief“ ihre Kosten mithilfe prominenter Hauptdarsteller problemlos wieder reinholen konnten, sind lange vorbei. Heute gehören Produktionen wie „Unlocked“ den Streaming-Diensten. In seiner britischen Heimat spielte Michael Apteds aus der Zeit gefallenes Spionage-Allerlei gerade einmal rund 250.000 Pfund ein. In Deutschland reichte es lediglich für eine DVD-Premiere.

Das Drehbuch von Newcomer Peter O’Brien stand eine Weile ganz oben auf der Blacklist, jener inoffiziellen Hitparade unverfilmter Stoffe, die allem Anschein nach dringend umgesetzt gehören. Doch angesichts des fertigen Films fragt man sich mit einiger Berechtigung, warum eigentlich? Rückblickend bleibt ein wenig explosiver Cocktail aus bekannten Zutaten des Spionagekinos: ein bisschen Paranoia, weil sich einfach jeder urplötzlich als Verräter erweisen kann (ein Topos aus den 70ern); ein Agent auf verlorenem Posten, der alle Anweisungen über Bord kippt (wie zuletzt erst Ethan Hunt); und schließlich eine Prise Dschihad (hallo „Homeland“), die als McGuffin herhalten muss. Das ist einigermaßen unterhaltsam anzusehen, insgesamt aber eher unspektakulär.

Unlocked | John Malkovich

Noomi Rapace tut ihr Bestes, um ihre Figur – eine Verhörspezialistin des CIA, die sich mit Schuldgefühlen aus dem Drehbuchseminar herumschlagen muss – gegen so manche Schwäche der Geschichte zu verteidigen (warum etwa eine weibliche Heldin aufbauen, die an entscheidender Stelle wiederholt von Männern gerettet und/oder überwältigt wird?). Orlando Bloom stellt seine Tätowierungen aus und will uns ernsthaft weismachen, dass er als Kriegsheld im Irak gekämpft hat. Toni Colette, die immer mehr aussieht wie Annie Lennox, verbringt den Großteil ihrer Zeit am Telefon, bis sie unerwartet zum Maschinengewehr greift. John Malkovich scheint überhaupt nur besetzt worden zu sein, um dem Film eine Handvoll typischer John-Malkovich-Momente zu liefern. Und Michael Douglas kann seine Rolle problemlos auf Autopilot herunterspulen.

Das wirkt alles ein bisschen albern und nicht wirklich rund. Die prominente Besetzung ist vor allem Selbstzweck und lenkt vom manchmal etwas arg komplizierten Geschehen ab (wer hintergeht da genau wen?). Und weil der Zuschauer mit den Hintergründen aus Anschlagsplänen und gegenseitigem Verrat schon genug gefordert ist, beschließt die Regie, bei totgeglaubten Figuren auf Nummer Sicher zu gehen: Wird jemand vermeintlich erschossen und steht kurz darauf doch wieder auf, muss er sich wahlweise unbedingt nochmal die Löcher in der schusssicheren Weste anschauen oder den Blutbeutel, der seine Verletzung erst glaubwürdig gemacht hat, sichtbar in die Kamera halten.

Michael Apted, der immer ein verlässlicher Handwerker war, hat in seiner langen Karriere schon besseres Arbeitsmaterial in den Fingern gehabt – aber sicher auch schon schlechteres. An seinen einzigen Ausflug ins Bond-Territorium („Die Welt ist nicht genug“) mag man sich im absurden Finale erinnert fühlen, aber da ist sowieso schon alles egal. Dass in den End Credits eine Danksagung an Veronica Ferres zu lesen ist (kein Witz), darf wohl als die einzige überraschende Wende dieses Films gelten, die man den Beteiligten eher nicht verzeihen kann. [LZ]

OT: Unlocked (UK/USA/CZ/CH 2017). REGIE: Michael Apted. BUCH: Peter O’Brien. MUSIK: Stephen Barton. KAMERA: George Richmond. DARSTELLER: Noomi Rapace, Orlando Bloom, Toni Collette, John Malkovich, Michael Douglas, Matthew Marsh, Makram Khoury, Brian Caspe. LAUFZEIT: 99 Min. VÖ: 20.10.2017.

Unlocked | DVD-Cover

[Abbildungen: Universum]

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