UNDER THE BED | Filmkritik

02. Mai 2013

Under the Bed

Warum ausgerechnet unter den Betten der Kinder grausige Kreaturen hausen sollen, die nur bei Nacht aktiv werden und klammheimlich nach ihren schlafenden Opfern greifen, das will so manchen Eltern einfach nicht einleuchten. Der Grund für derartig offensichtliche Ignoranz ist ziemlich simpel: Sie haben schlicht ihre eigenen Kindheitsängste verdrängt. Und selbst gesetzt den Fall, dass sie mit einer Form von früh ausgebildeter Rationalität aufgewachsen sein sollten, die alle Monsterfantasien bereits im Keim erstickt hat, so weiß doch jeder halbwegs brauchbare Pädagoge, dass man hinsichtlich der Ängste seiner Kinder keinen größeren Fehler begehen kann, als sie zu blankem Unsinn zu erklären. Steven C. Millers ebenso gemeiner wie einfühlsamer Teenage-Horror „Under the Bed“ bietet hierzu passendes Anschauungsmaterial.

Zwei Jahre sind vergangen, seit Neal sein Elternhaus nach einem schrecklichen Ereignis verlassen hat, und als er zurückkehrt, ist nichts mehr wie früher. Die Mutter lebt nicht mehr, der Vater ist neu liiert. Wirklich uneingeschränkt glücklich über Neals Rückkehr ist nur sein kleiner Bruder Paulie, und das hat auch damit zu tun, dass beide ein Geheimnis teilen, von dem sie niemandem erzählen können. Unter dem Bett des Jungen lauert eine grausame Kreatur, die nur bei Nacht aktiv wird und sich nach Neals Verschwinden ganz auf Paulie konzentriert hat. Doch wie ist einer lebensgefährlichen Bedrohung zu entkommen, wenn einem die Erwachsenen nicht glauben?

Under the Bed

Nur wenige Wochen vor dem ganz anders gearteten Thriller „The Aggression Scale“ hat Steven C. Miller diesen sehenswerten Monsterfilm fertiggestellt, der nicht zufällig an einschlägige Kids-vs-Creature-Filme aus den 80ern erinnert. Vor allem „The Gate“ mag einem einfallen, aber auch „Poltergeist“, „Gremlins“ oder „Monster Busters“. Zuletzt hatte Joe Dante mit „The Hole“ einen schönen Retro-Beitrag ähnlicher Machart abgeliefert, dabei aber auch eine dunkle Saite angeschlagen, die in früheren Beispielen des Subgenres eher außen vor geblieben wäre. „Under the Bed“ geht einen ähnlichen Weg, und das verleiht dem Film eine moderne Note.

Doch wo Dante behutsam eine Andeutung von Kindesmissbrauch mitschwingen lässt, handelt Millers Geschichte vor allem von Verlust und Schuld – ein schmerzhaftes emotionales Geflecht, das die Brüder Neal und Paulie eng zusammenschweißt. Beiden Filmen gemein ist auch, dass sie die Beziehung der jungen Hauptfiguren ins Zentrum stellen und die Rolle der Kreaturen auf ein Minimum reduzieren. Für den Zuschauer ist das ein Geschenk, denn die Identifikation mit den Charakteren gelingt rasch und hält sich den gesamten Film über aufrecht. Große Sympathiewerte fahren zudem die beiden jugendlichen Hauptdarsteller Jonny Weston und Gattlin Griffith ein.

Alles in allem ist „Under the Bed“ trotz seines Sujets kein Kinderfilm. Die Gewalt hält sich zwar in Grenzen, doch Drehbuch und Regie treffen einige Entscheidungen, die für jüngere Zuschauer schwer zu verkraften sein dürften. Miller beweist erneut, dass er packend erzählen und aus einem knapp bemessenen Budget das äußerst Mögliche herausholen kann. Vor allem für Freunde von (im besten Sinne) altmodischem Horror uneingeschränkt empfehlenswert. [LZ]

OT: Under the Bed (USA 2012) REGIE: Steven C. Miller. BUCH: Eric Stolze. MUSIK: Ryan Dodson. KAMERA: Joseph White. DARSTELLER: Jonny Weston, Gattlin Griffith, Peter Holden, Musetta Vander, Kelcie Stranahan, Bryan Rasmussen, Nikki Griffin. LAUFZEIT: 87 Min. VÖ: 02.05.2013 auf DVD und Blu-ray.

Under the Bed

Steven C. Miller

Under the Bed

[Abbildungen: Sunfilm/Tiberius]

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