Soska Sisters: Vendetta, Kane und Painkiller Jane

28. Juli 2014

Twisted Twins

Der Aufstieg von Jen und Sylvia Soska – besser bekannt als „Twisted Twins“ – scheint unaufhaltsam. Nachdem zwischen ihrem selbstfinanzierten, unter allerlei Mühen fertiggestellten und im Resultat ziemlich wüsten Erstling „Dead Hooker in a Trunk“ (bis heute ohne deutschen Verleih) und dem Festivalliebling „American Mary“ noch ganze drei Jahre lagen, absolvierten die Zwillingsschwestern jetzt innerhalb weniger Monate gleich zwei Auftragsarbeiten für die Filmabteilung von WWE und machen sich in Kürze an die Verfilmung der Comic-Reihe „Painkiller Jane“. Kein Wunder, dass die beiden ihre Tweets längst mit einem eigenen Hashtag garnieren: #twinning.

Als Medienphänomen funktionieren die Soskas mittlerweile so gut, dass sie im Hinblick auf die Vermarktung der eigenen Person(en) sogar einem hemmungslosen Selbstdarsteller wie Quentin Tarantino noch das eine oder andere beibringen könnten. Ob das immense Tempo, das die beiden derzeit auf dem Regiestuhl hinlegen, ihrem fleißig erarbeitetem Ruf eher nützt oder schadet, wird sich noch zu zeigen haben. Am vergangenen Wochenende stellten sie auf der San Diego Comic Con den ersten Trailer zu ihrem aktuellen Film vor und verkündeten direkt mal ihr nächstes Projekt. Doch der Reihe nach.

Der beachtliche Erfolg von „American Mary“, einem orginellen Crossover aus den Subgenres Rape/Revenge und Mad Scientist mit opernhaftem Finale, bescherte den Schwestern einen Zwei-Filme-Vertrag mit den WWE Studios und den Auftrag zu einem Sequel des 2006er Slashers „See no Evil“ – einem eher lauwarmen Starvehikel für den in Spanien geborenen Wrestler Glenn Jacobs (Kampfname „Kane“). Acht Jahre nach dem Original hielt man es im Hause WWE offenbar für eine reizvolle Idee, die Hauptfigur wiederzubeleben (auch wörtlich) und damit den Versuch zu starten, eine neue Slasherikone im Stil von Michael Myers, Jason Voorhees oder zuletzt Victor Crowley zu etablieren.

Auf den ersten Blick kein dankbares Projekt für die Zwillingsschwestern, zumal es ihr erster Film sein sollte, bei dem sie nicht am Drehbuch beteiligt waren. Mit Katharine Isabelle („American Mary“), Danielle Harris („Hatchet“ Teil 2 und 3) und Michael Eklund („Bates Motel“) im Cast war jedoch zumindest die Befürchtung entkräftet, dass hier aus der zweiten oder dar dritten Reihe produziert werden würde – auch wenn eine Auswertung ausschließlich per Home Entertainment und VOD geplant ist. Ein echtes Urteil erlaubt der Trailer noch nicht, auch wenn hier und da Spuren des typischen Soska-Humors aufflackern.

See no Evil 2

Herzlich wenig ist bislang über „Vendetta“ bekannt, das zweite WWE-Projekt der Schwestern. Es sei ihr erster reiner Action-Film, geben sie bekannt – einer von insgesamt sechs, die das Studio zusammen mit Lionsgate produziert. Auf der Besetzungsliste findet sich mit Dean Cain immerhin ein ehemaliger Superman-Darsteller (aus der TV-Serie „Die Abenteuer von Lois & Clark“) sowie erneut Michael Eklund. Zugpferd aber ist vermutlich Paul Wight, der Wrestling-Fans eher unter dem Namen „Big Show“ bekannt sein dürfte.

Die Story – ein Ermittler begeht bewusst ein Verbrechen, um sich im Gefängnis am Mörder seiner Frau rächen zu können – erinnert bemerkenswert deutlich an „Offender (dt. Payback – Tag der Rache)“, eine UK-Produktion von 2012. Allzu viel Soska-Autorenschaft darf man wohl auch hier nicht erwarten, denn erneut müssen die Schwestern mit einem fremden Drehbuch arbeiten. Was da eher nach künstlerischem Ausverkauf klingt, könnte zugleich aber auch ein Befreiungsschlag werden, denn offenbar ermöglichte der WWE-Deal den Schritt zum nächsten, wesentlich vielversprechenderen Projekt: Einer Comic-Verfilmung.

Das Projekt ist – und man mag hinzufügen: zum Glück – kein Sprung in die Blockbuster-Liga bei Marvel oder DC, sondern der erneute Versuch, die 1995 von Jimmy Palmiotti und Joe Quesada erdachte Serienheldin „Painkiller Jane“ angemessen zu adaptieren. Zweimal hatte sich der SyFy-Channel an der Figur versucht und 2005 einen völlig unbeachteten TV-Film produziert, dem zwei Jahre später eine (immerhin mit Kristanna Loken in der Titelrolle besetzte) Serie nachgeschoben, die nach der ersten Staffel aber auch bereits wieder abgesetzt wurde.

In beiden Fällen war vom Geist der Vorlage eher wenig übrig geblieben. Das soll in der Version der Soskas anders werden. In ersten Statements versprechen sie eine originalgetreue Orientierung an den Comics. Wer die mit außergewöhnlichen Selbstheilungskräften ausgestattete, aber von permanenten Schmerzen heimgesuchte Rachegöttin verkörpern soll, ist bislang noch nicht bekannt. Auf der Wunschliste der Fans steht Katharine Isabelle jedenfalls ganz oben.

Painkiller Jane

[Abbildungen: Twisted Twins Productions (Porträt) | Event Comics / Icon Comics (Painkiller Jane)]

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