Licht und Schatten: The Twilight Zone (1985) | Staffel 1 erstmals im deutschen Heimkino

09. Mai 2016

The Twilight Zone (1985)

Zweimal ist Rod Serlings legendäre Anthologie-Serie bislang wiederbelebt worden, beide Male mit eher mäßigem Erfolg (nicht, dass die Originalshow ein Riesenrenner gewesen wäre). Aber Kult gilt nun einmal als kassenträchtig, und da übernatürliche Themen Mitte der 80er das Mainstream-Kino erobert hatten, sprach eine Menge dafür, die alte Marke wiederaufleben zu lassen. Steven Spielbergs Breitwand-Remake einiger klassischer „Twilight Zone“-Episoden war zwar weit unter den Erwartungen geblieben, aber das mochte durchaus am Medium liegen. Serling selber jedenfalls hatte seine Anteile noch zu Lebzeiten an den produzierenden Sender CBS verkauft und so stand einem Reboot – wie man heute sagen würde – eigentlich nichts mehr im Wege.

Das Ergebnis waren drei Staffeln mit insgesamt 110 Episoden von unterschiedlicher Länge und Qualität. Staffel 1 erscheint nun erstmals in Deutschland auf DVD, verteilt auf zwei Boxen. Erfreulich ist das sicher, sensationell nicht unbedingt, denn im Vergleich zu den USA und UK hat Koch Media hierzulande mehr als ein ganzes Jahrzehnt gebraucht, um nachzuziehen. Für die eher bescheidene Bildqualität kann allerdings niemand was: Die Serie startete damals den Trend, zwar noch auf Film zu drehen (in diesem Fall 35mm), beim Schnitt jedoch ausschließlich mit Video zu arbeiten – eine Sparmaßnahme, die sich 30 Jahre später als echtes Ärgernis erweist, denn der Look gleicht tatsächlich einer alten VHS-Kassette.

Andererseits wiederum macht gerade das einen Teil des durchgängigen Nostalgie-Charmes aus, der so manchem möglicherweise mehr Vergnügen bereitet als ein Großteil der Episoden selbst. Die nämlich zünden nicht immer und wirken in Einzelfällen gar wie Fremdkörper. Unentschlossenheit und Unsicherheit mögen bestimmende Faktoren gewesen sein, vielleicht wollte man hier und da auch einfach ein bisschen mehr Scifi („Examination Day“ nach einer Vorlage von Henry Slesar ist so ein Beispiel, das bei „Outer Limits“ besser aufgehoben wäre). „Nightcrawlers“ hingegen, eine der besten Episoden der ersten Staffelhälfte, ist lupenreiner Horror (Regie: William Friedkin).

Vor und hinter der Kamera tummelt sich eine Reihe bis heute bekannter, wieder vergessener oder damals noch völlig namenloser Talente, darunter Bruce Willis, Helen Mirren, Morgen Freeman, Piper Laurie, Terry O’Quinn (John Locke aus „Lost“), Jeffrey DeMunn (Dale Horvath aus „The Walking Dead“), John Milius, Joe Dante, Peter Medak, Tommy Lee Wallace, Robert Downey Sr. (tatsächlich der Vater von Tony Stark) und andere mehr. Dass der kürzlich verstorbene Wes Craven gleich fünf Episoden zu verantworten hat, verleiht dem (Wieder)Entdecken dieser Staffel eine ganz eigene bittersüße Note.

Für Insider gibt es das eine oder andere Kuriosum zu entdecken. Dass etwa ausgerechnet Harlan Ellison als Creative Consultant gelistet ist, muss angesichts seiner bis dato öffentlich lautstark vor sich hergetragenen Haltung zum Medium Fernsehen mehr als wundern. Die einzige Episode, zu der er selber das Drehbuch verfasst hat, ist zugleich auch die einzige, bei der es offenbar genügend Auseinandersetzungen gab, um das bekannte Regie-Pseudonym Alan Smithee zu bemühen. In diesem Fall versteckte sich dahinter TV- und Oscarshow-Produzent Gilbert Cates. „Paladin of the Lost Hour” sollte zudem der vorletzte Auftritt als Schauspieler für Hollywood-Veteran Danny Kaye („White Christmas“) werden.

Man muss sich seine eigenen Lieblingsepisoden schon selber suchen, denn wirklich herausragend sind nur wenige. Sehr gewitzt etwa „Dealer’s Choice“: Eine eingespielte Pokerrunde erkennt in einem Neuankömmling plötzlich den Teufel – Kunststück, denn der Leibhaftige hat immer dasselbe Blatt (drei Sechsen). Einen der Anwesenden wird er in die Hölle mitnehmen. Doch die wenig beeindruckten Herren wollen lieber diskutieren und die Karten entscheiden lassen. Wes Craven inszeniert den von Donald Todd („Alf“, „Samantha Who?“, „Hart of Dixie“) clever und pointiert geschriebenen Schlagabtausch wie eine Sitcom. – Unheimlich hingegen „The Shadow Man“, ein Schulbuchbeispiel für jenes Subgenre der 80er, bei dem Heranwachsende ganz alleine mit dem Übernatürlichen klarkommen müssen. Joe Dante war eine offensichtliche Wahl für diese von Rockne S. O’Bannon („Seaquest“, „Defiance“) verfasste Episode (Steven C. Miller drehte 2012 mit „Under the Bed“ in gewissem Sinne eine Variation des zugrundeliegenden Topos).

„Dead Man’s Shoes“ gehört zu den visuell interessantesten Beiträgen, denn im Vergleich zu der Mehrzahl seiner Kollegen setzt Regisseur Peter Medak in erster Linie auf genuin filmische Erzähltechniken. Zugleich ist diese Episode eines von insgesamt zwei Remakes (hier mit gespiegelten Geschlechterrollen im Vergleich zur Fassung von 1962). Ansonsten bilden die – zudem nicht immer vorhandenen – Einleitungstexte aus dem Off den letzten direkten Bezug zu Serlings Originalserie. Selbst Marius Constants untrennbar mit der „Twilight Zone“ verbundenes Thema darf nur noch als kurzes Zitat in der arg amorph anmutenden neuen Titelmusik von The Grateful Dead aufflackern. Alles in allem ein Stück TV-Geschichte, das man am besten aus historischer Distanz betrachtet. [LZ]

OT: The Twilight Zone (USA 1985). REGIE: Wes Craven, Tommy Lee Wallace, Sigmund Neufeld, Robert Downey, John Hancock, Rick Friedberg, William Friedkin, Peter Medak, Paul Lynch, B.W.L. Norton, Gilbert Cates, Theodore J. Flicker, J.D. Feigelson, Joe Dante, David Steinberg, John Milius, Gerd Oswald, Don Carlos Dunaway, Kenneth Gilbert, Martha Coolidge, Shelley Levinson. BUCH: Alan Brennert, James Crocker, Rockne S. O’Bannon, Joe Gannon, Michael Bryant, Chris Hubbell, Gerrit Graham, Richard Krzemien, Chip Duncan, Lynn Walker, Michael Cassutt, Philip DeGuere, David Bennett Carren, Anne Collins, Steven Barnes, Harlan Ellison, Haskell Barkin, J.D. Feigelson, Donald Todd, Martin Pasko, Rebecca Parr. DARSTELLER: Bruce Willis, Melinda Dillon, Robert Klein, Meg Foster, Terry O’Quinn, Eric Bogosian, Jeffrey DeMunn, Season Hubley, Dee Wallace-Stone, Scott Paulin, Tony Lo Bianco, David Dukes, Adrienne Barbeau, Danny Kaye, Piper Laurie, M. Emmet Walsh, Morgan Freeman, Helen Mirren, Jeff Calhoun, Richard Mulligan, Fritz Weaver. LAUFZEIT: 750 Min. VÖ: 28.04.2016.

The Twilight Zone (1985)

[Abbildungen: Koch Media]

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