Filmkritik: TRANSFORMERS 3

05. Juli 2011

Transformers 3

In Hongkong konnte Michael Bay bereits am Startwochenende alle erdenklichen Rekorde brechen, und auch sonst hat die wiederholte Rückkehr der „Transformers“ eingeschlagen wie die Faust eines Autobots. Wundern muss das niemanden. Am Rezept hat sich nichts Wesentliches geändert, die Laufzeit ist länger, der Actionanteil noch größer und die Optik um eine Dimension erweitert. Mit den Protagonisten lässt sich zwar genauso wenig identifizieren wie mit den titelgebenden und weitestgehend mimiklosen Riesenspielzeugen, doch Derartiges geht in einem gnadenlosen Effektgewitter wie diesem ohnehin unter. Also 3D-Brille auf und durch.

Filmkritik: TRANSFORMERS 3

Gegen Ende dieser längsten und lautesten aller Schlachtplatten aus Schrauben, Metall und Fensterglas lässt Autobot-Chef Optimus Prime mit einer Weisheit aufmerken, die zum Nachdenken anregen könnte: In jedem Krieg nämlich gebe es Momente der Stille. Sieh an, denkt man sich, sofern man angesichts des nicht enden wollenden Zerstörungsmarathons, dem man gerade beigewohnt hat, überhaupt noch in der Lage ist, so etwas wie einen klaren Gedanken zu fassen. Und zugleich mag der Einwand im Hinterkopf aufleuchten, dass die Verantwortlichen hinter „Transformers 3“ von dieser These offenbar nicht sonderlich viel halten. Denn wenn es eines in dieser dreidimensionalen Folge der Robotersaga rund um gute und böse Blechspielzeuge aus dem All ganz sicher nicht gibt, dann Ruhe, Innehalten oder auch einfach mal nur das vorübergehende Ausbleiben von ohrenbetäubendem Lärm.

Zugegeben, derart formuliert ist die Angelegenheit arg zugespitzt, denn immerhin bietet das Drehbuch von Ehren Kruger zumindest in der ersten Hälfte noch die eine oder ander action- und roboterfreie Dialogsequenz. Doch wie gerne würde man auf jede einzelne davon verzichten! Banaleres geben jedenfalls nur noch die Figuren beliebiger Daily Soaps von sich – von den infantilen Pointen ganz zu schweigen. Andererseits steckt da vielleicht auch eine Taktik hinter, denn wenn einer der peinlichsten Auftritte in der über 30-jährigen Karriere von John Malkovich endlich überstanden ist, die völlig talentfreie Rosie Huntington-Whiteley (wer hätte gedacht, dass man sich einmal Megan Fox zurückwünschen würde) ihre Fehlbesetzung ausgiebig bewiesen, Frances McDormand ihren guten Ruf ruiniert und Patrick Dempsey ohne Aufwendung einer nennenswerten schauspielerischen Leistung an seinem Imagewandel gebastelt hat, erscheint einem im direkten Vergleich jede einzelne Minute, in der sich Autobots (für Neueinsteiger: die Guten) und Decepticons (die Bösen) gegenseitig das Blech weghauen und dabei eine ganze US-Metropole in Schutt und Asche legen, wie Shakespeare und Kubrick in einem.

Kann es wirklich so schlimm sein? Natürlich, denn bei „Transformers 3“ geht es ausschließlich um möglichst spektakuläres Kaputtmaching, und davon bietet der Film reichlich. Das ist in gewissem Sinne bedauerlich, denn zu Beginn warten Bay und Kruger mit einer durchaus originellen Geschichtsstunde auf, in der alle Verschwörungstheorien über die erste Mondlandung zum Schweigen gebracht werden. Und als gar offenbar wird, dass eine Verbindung zwischen Decepticons und Tschernobyl besteht, stellt sich kurzfristig die Hoffnung auf eine alternative „Watchmen“-Historie ein. Nicht auszudenken, was hier möglich gewesen wäre! Doch darüber lässt sich angesichts des tatsächlichen Resultats nur ernüchtert spekulieren. Später gibt es zwar noch einen Kurzauftritt des echten Buzz Aldrin im Gespräch mit Optimus Prime zu sehen, doch da hat das Drehbuch längst allen anfänglichen Esprit verloren und verschenkt das Potential, das in dieser skurrilen Begegnung steckt, mit entschlossener Gründlichkeit.

Transformers 3

Rosie Huntington-Whiteley

Über die Story braucht man kaum ein Wort zu verlieren, denn die ist ebenso belanglos wie absurd. Kopfschütteln löst alleine bereits die Tatsache aus, dass der Hauptvertraute der außerirdischen Kampfroboter und zudem zweimalige Weltenretter Sam Witwicky (chargiert nach Lust und Laune: Shia LaBeouf) Klinken putzen muss, um einen Job zu bekommen. Ob das für eine völlige Indifferenz des derzeitigen US-Präsidenten spricht? Das Bild, was hier gezeichnet wird, ist jedenfalls alles andere als schmeichelhaft. So sieht man Sam zwar beim Shakehands mit Obama, doch den interessiert offenbar herzlich wenig, was aus nationalen Helden wird. Dem Jungen eine vernünftige Position zu verschaffen, hätte vermutlich nur ein kurzes Telefonat gekostet, aber selbst ein lächerliches Empfehlungsschreiben bleibt aus. Mit bösen Decepticons verhandelt der Präsident übrigens auch nicht, und die guten Autobots schmeißt er wenig diplomatisch einfach aus dem Land (bzw. direkt mal vom Planeten).

Kein Wunder also, dass die außerirdischen Aggressoren sich nicht sonderlich anstrengen müssen, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Längst haben sie wichtige und mächtige (i.e. finanzstarke) Player auf ihre Seite gebracht, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Ihr Ziel: den eigenen Heimatplaneten an die Erde anzudocken. Physikalisch betrachtet ist das natürlich Schwachsinn. Viel schwerer als das aber wiegt die Tatsache, dass der Gedanke auch filmimmanent keinen rechten Sinn ergibt. In visueller Hinsicht hingegen hat er seinen unleugbaren Reiz, und das ist auch die Vorgabe, unter der man so ziemlich alles bewerten muss, was auf dem Papier ausschließlich Fragezeichen provoziert.

Transformers 3

Die Macher wollen eben möglichst spektakuläre Bilder liefern, und dafür ist jedes Mittel recht. Eines davon heißt 3D und sah selten zuvor so gut aus wie hier. Einige neue Techniken sollen in der Postproduktion erstmals zum Einsatz gekommen sein, und tatsächlich weisen die Bilder eine größere Brillanz und einen merklich geringeren Anteil jenes Lichtverlustes auf, der ansonsten immer wieder für enervierende Dunkelheit sorgt (ganz schlimm etwa in „Piranha 3D“). Um in jedem Theater für bestmögliche Bedingungen zu sorgen, verfasste Michael Bay gar einen Standardbrief mit Anweisungen für die Filmvorführer. Er hätte allerdings gut daran getan, auch ein paar Worte über den Ton zu verlieren, denn einfach nur den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufzudrehen, macht gerade in diesem Fall keinen erweiterten Sinn.

Man darf es nicht falsch verstehen: „Transformers 3“ ist kein schlechter Film. Nimmt man ihn als das, was er ist, bekommt man für sein Geld einiges geboten. Im letzten Drittel allerdings hat man es streng genommen nicht mehr wirklich mit Narration im engeren Sinne zu tun, sondern eher mit einer optisch-akustischen Nummernrevue, die alles daransetzt, dem Zuschauer für randvolle 157 Minuten das Hirn wegzublasen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wer jedoch im Anschluss dringend zweieinhalb Stunden Chillout braucht, sollte am besten direkt ein Doppelfeature mit Terrence Malicks „The Tree of Life“ im Gepäck buchen. Oder auch anders herum. [LZ]

OT: Transformers: Dark of the Moon (USA 2011). REGIE: Michael Bay. BUCH: Ehren Kruger. KAMERA: Amir Mokri. MUSIK: Steve Jablonsky. DARSTELLER: Shia LaBeouf, Rosie Huntington-Whiteley, Patrick Dempsey, Frances McDormand, Josh Duhamel, John Turturro, John Malkovich, Hugo Weaving, Leonard Nimoy. LAUFZEIT: 157 Minuten.

Transformers 3

[Abbildungen: Paramount Pictures]

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