THE LAST STAND | Filmkritik

04. Februar 2013

The Last Stand

Als Arnold Schwarzenegger seine Rückkehr auf die Leinwand („The Expendables 2“ einmal außen vor gelassen) im Rahmen einer Pressekonferenz zur Europapremiere in Köln vorstellte, hatte er die Ruhe weg. Weniger entspannt war vermutlich die Entourage aus hiesigen Verleihern, auch wenn sich das keiner von ihnen anmerken ließ. Denn eine entscheidende Frage hing wie ein Damoklesschwert über der Veranstaltung. „The Last Stand“ war drei Tage zuvor in den USA gestartet und hatte ein katastrophales Wochenende hingelegt. Gerade einmal müde 6,3 Millionen Dollar waren am Ende zusammen gekommen und hatten belegt, dass der Terminator aus Graz praktisch keine Kassenrelevanz mehr hat. Doch die Frage danach stellte niemand. Vielleicht aus Ehrfurcht, vielleicht aus Unkenntnis.

Die Zeiten sind also vorbei, als der Name Schwarzenegger noch ausreichte, um einen Film zu verkaufen. Streng genommen hatte das aber schon Mitte der 90er nicht mehr wirklich funktioniert und es bedurfte schon der Rückkehr zu seiner bekanntesten Franchise-Figur, um wirklich vorzeigbare Einspielergebnisse zu generieren („Collateral Damage“ etwa hatte am Startwochenende nur knapp doppelt so viele Zuschauer angelockt wie „The Last Stand“). Nach 10 Jahren mehr oder weniger vollständiger Leinwand-Abstinenz, einer ernüchternden Regentschaft als Gouverneur und unschönen privaten Affären ist einer der größten Hitgaranten der späten 80er und frühen 90er für eine nachgewachsene Generation irrelevant geworden. Doch das hat auch damit zu tun, dass das Starsystem in Hollywood insgesamt nicht mehr wirklich funktioniert.

Im Grunde weiß man das, und so ist „The Last Stand“ auch eigentlich mehr Ensemble-Film als Schwarzenegger-Vehikel. Zu Beginn stapft seine Figur, der Kleinstadtsheriff Ray Owens (im Original mit dickstem steirischen Akzent), wenig heldenhaft umher und gewinnt damit beim Zuschauer mehr Sympathien, als es eine langatmige Backstory jemals bieten könnte. Der Gesetzeshüter hat seinen freien Tag und muss sich ein bisschen herumschubsen lassen. Das hat eine gewissen Selbstironie, die der Film auch später nicht völlig aufgibt.

The Last Stand

The Last Stand

Owens ist nicht mehr der Fitteste und darf auch schon einmal außer Atem kommen. Abends sitzt er auf der Veranda und trinkt sein Bier, tagsüber muss er sich mit Kindereien herumärgern. In Sommerton Junction, einem Kaff an der mexikanischen Grenze, ist nicht viel los. Kein Wunder also, dass Deputy Jerry (Zach Gilford) eigentlich lieber in die Großstadt will, um Karriere zu machen. Doch der geübte Zuschauer weiß, dass hier nur die Ruhe vor dem Sturm im Gange ist. Parallel gelingt nämlich gerade einem gefährlicher Drogenbaron namens Cortez (Eduardo Noriega) die Flucht aus dem Gewahrsam des FBI, das sich dümmer anstellt, als die Polizei erlaubt. Mit einer zum Turboboliden frisierten Corvette heizt er in Richtung mexikanische Grenze und landet – na wo wohl – in Owens verschlafener Kleinstadt.

Das FBI ist machtlos und nicht in der Lage, vor Cortez in Sommerton Junction aufzuschlagen, um ihn dort in Empfang zu nehmen – doch wer hier nach Handlungslogik fragt, ist ohnehin im falschen Film. Am Ende müssen Owen und sein ungeübtes Team alleine dafür sorgen, dass Recht und Ordnung gewinnen, und das macht man vor allem mit ausgiebigem Schusswaffeneinsatz. Zum Glück betreibt Johnny Knoxville ein eigenes Waffenmuseum vor Ort, so dass der nötigen Aufrüstung nichts im Wege steht.

Das mag einigermaßen reißbrettartig klingen und spricht nicht wirklich für ein spektakuläres Comeback sprechen. Doch das angenehm altmodische Actiongerangel von Kim Jee-woon („I saw the Devil“) bietet immerhin kurzweiliges Entertainment mit starken Nebenrollen (Peter Stormare, der weiterhin zwischen Blockbustern und kleinen Indie-Produktionen wie „Marianne“ pendelt) und einem Schwarzenegger, der sich selber nicht so ganz ernst nimmt, aber seine Figur nichts desto trotz mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angeht. „The Last Stand“ ist in gewissem Sinne nostalgisch, weitestgehend CGI-frei und grundsolide. Aber eben auch nicht mehr. Ohne seinen Hauptdarsteller wäre dieser Film vermutlich als DVD-Premiere geendet (was in Schweden übrigens der Fall ist).

Schwarzeneggers Terminkalender ist für die nächsten Jahre erst einmal voll. Ob er mit einem seiner Projekte, darunter ein neuer „Conan“-Film und aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein weiterer „Terminator“-Teil, aber wieder an alte Erfolge anschließen kann, darf man getrost bezweifeln. Als nächstes wird er als zweiter Hauptdarsteller neben einem anderen Actionrecken der 80er zu sehen sein: Sylvester Stallone. Dessen aktueller Solo-Auftritt „Bullet to the Head (dt. Shootout)“ fiel hauptsächlich dadurch auf, dass er am Startwochenende noch weniger einspielte als „The Last Stand“. Kein gutes Zeichen. [LZ]

OT: The Last Stand (USA 2013) REGIE: Kim Jee-won. BUCH: Andrew Knauer, Jeffrey Nachmanoff, George Nolfi. MUSIK: Mowg. KAMERA: Kim Ji-Yong. DARSTELLER: Arnold Schwarzenegger, Forest Whitaker, Eduardo Noriega, Jaimie Alexander, Luis Guzmán, Peter Stormare, Johnny Knoxville, Zach Gilford. LAUFZEIT: 107 Min.

The Last Stand

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[Abbildungen © 2013 Twentieth Century Fox]

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