Remaking THE GATE: Interview Alex Winter (deutsche Fassung)

08. August 2010

Remakes von beliebten Horrorfilmen aus den 80ern sind in aller Regel kein Grund zur Vorfreude. Ganz anders in diesem Fall. Mit „The Gate“ bekommt ein fast vergessener Klassiker des Creature-Kinos eine zeitgemäße und dreidimensionale Neufassung, die vor allem auf ein junges Publikum abzielt. Produktionsstandort ist überraschender Weise Köln. Filmemacher Alex Winter nahm sich die Zeit für ein ausführliches Gespräch über seine Liebe zum Originalfilm, die Rolle von 3D, ein Spukhaus im mittleren Westen, Paukenspieler und warum sein Storyboard-Artist eine Art Phantom ist.

screen/read: Alex, tolle Sache, Dich mit Deinem Film hier in Deutschland zu haben. Wie kam es dazu? Was treibt Dich nach Europa?

Alex Winter: Ich habe eine Menge Werbespots für den englischen und europäischen Markt gemacht. Wir hatten Deharbeiten in Deutschland, Spanien, in ganz Europa. Eigentlich weltweit. Südafrika, Marokko, einfach überall. Unter anderem habe ich in Frankfurt einige sehr lustige Werbefilme für Pringles gedreht, weil Procter & Gamble da eigene Sound Stages hat. Diese Spots haben viel Spaß gemacht. Es gab eine Menge CG, aber auch Live-Action mit Hunden, die irre Sachen machten, und vieles mehr.

Dass „The Gate“ in Deutschland stattfindet, ist allerdings eine andere Geschichte. Mein Produzent Andras Hamori hatte zuvor „Chéri“ mit Stephen Frears hier gemacht und auch sonst schon eine Reihe von Filmen in Europa produziert, einige davon mit MMC, unserem deutschen Partner. Da war also bereits ein Berührungspunkt. Aber unabhängig davon ist unser Projekt wesentlich in Deutschland basiert.

Natürlich gibt es auch Anteile von außerhalb, zum Beispiel habe ich ein Team von Effekt-Spezialisten, die bei allen meinen Filmen dabei sind, und viele von ihnen kommen mit an Bord. Aber sie alle arbeiten mit den deutschen Firmen zusammen. Die Leute von Pixomondo aus Frankfurt etwa sind unsere hiesigen Hauptpartner für Spezialeffekte und machen die Mehrzahl der Character-Animationen. Sie waren unter anderem an „2012“ und „Ninja Assassin“ beteiligt. Jetzt arbeiten sie gerade an „Sucker Punch“.

Anstatt also bloß Dreharbeiten hier in Köln stattfinden zu lassen, gibt es einen großen deutschen Anteil an unserem Film. Und dann ist da natürlich die Investitionsseite. Unter anderem bekommen wir auch öffentliche Fördergelder.

screen/read: Die Filmstiftung NRW ist ja auch beteiligt.

Alex Winter: Ja, und darüber sind wir wirklich froh. Ich glaube, dass wir als die erste 3D-Produktion angesehen werden, die ihren Ursprung in Deutschland hat. Darüber gibt es eine Menge Enthusiasmus.

Was die Öffentlichkeitsarbeit angeht, ist das hier allerdings tatsächlich das allererste Interview, das ich zu diesem Projekt gebe. Ich wollte einfach erst einmal abwarten, bis wir weiter vorankommen. Wir haben über die letzten beiden Jahre hinweg eine Menge 3D und andere visuelle Effekte vorbereitet, um zu dem Punkt zu gelangen, an dem wir jetzt stehen. Es gab viele Designarbeiten, speziell Konzeptdesign, 3D-Testläufe, diese Dinge eben. Wir starten also im Grunde jetzt gerade erst richtig und gehen mit der Sache an die Öffentlichkeit.

screen/read: Wird dieser Film denn Deine erste Berührung mit 3D sein, oder hast Du schon früher mit der Technik gearbeitet?

Alex Winter: Von den Testläufen abgesehen, wird „The Gate“ die erste wirklich lange Erzählung sein, die ich in 3D umsetze. Mit Spezialeffekten an sich beschäftige ich mich allerdings schon seit vielen Jahren, praktisch seitdem CG auf den Markt gekommen ist. Für meinen Film „Freaked“ von 1993 habe ich zum Beispiel mit digitalen Effekten von PDI gearbeitet. Die haben dann später „Shrek“ und andere Dinge dieser Art gemacht. Damals hatten sie einen Raum in etwa so groß wie dieser (keine 10qm, Anm. d. Red.). Heute allerdings könnten die uns alle kaufen und für sich im Bergwerk schuften lassen.

Es ist also ein langer Weg gewesen bis hierher. Aber insgesamt habe ich seit über 20 Jahren mit Spezialeffekten zu tun und arbeite gern in diesem Medium. 3D betrachte ich schlicht als eine weitere Komponente visueller Effektarbeit. Das ist, was es ist, nicht mehr und nicht weniger.

screen/read: Vielfach wird 3D ja immer wieder angekreidet, ein reiner Kirmeseffekt zu sein, der zu nichts wirklich gut ist, außer den Zuschauern Sachen vor die Nase zu halten. Nervt das nicht ungemein, wenn Leute sich da von außen einmischen und einem sagen wollen, was richtig und falsch ist?

Alex Winter: Warum ist überhaupt irgendetwas falsch? Was visuelle Effekte betrifft, gibt es eine Menge Ignoranz. Und wenn Leute einer Sache gegenüber ignorant sind, drücken sie ihr einen Stempel auf. Seit der neuen Welle von 3D gibt es da zwei Stempel, die dem Gegenstand in keiner Weise gerecht werden. Einer davon behauptet, dass Dinge nicht räumlich hervorstechen dürfen. Genau das müssen sie aber, denn so funktioniert 3D nun einmal. Der andere Stempel ist der Gedanke, dass Post-Conversion von Grund auf etwas Schlechtes sei. Und das macht einfach keinen Sinn. Heute morgen erst hatte ich ein Meeting mit jemandem, der meinte, „Ihr nutzt doch keine Post-Conversion, oder?“ Klar tun wir das. Es ist ein echter Mythos, den ich ständig bekämpfen muss. Jeder nutzt Post-Conversion, selbst James Cameron.

screen/read: Ein ziemliches Klischee also.

Alex Winter: Ich verstehe aber, wo das Problem herkommt. 3D ist ein sehr spezieller and kniffliger Effekt, und es gibt eine Menge schlecht gemachter Beispiele. Wenn man die Conversion nicht sorgfältig hinbekommt, dann schmerzt es in den Augen, verursacht Übelkeit und sieht einfach nicht gut aus. Es gut aussehen zu lassen, kostet eben eine Menge Arbeit. Und darauf läuft es hinaus. Mir ist egal, ob von der Leinwand etwas auf mich zukommt oder nicht, oder ob es per Post-Conversion oder auf welche Weise auch immer gemacht worden ist. Hauptsache, es sieht gut aus.

Es kommt aber noch etwas anderes hinzu. Wenn Zuschauer ein Problem mit 3D haben, weil es nicht funktioniert, dann hat das damit zu tun, dass Zuschauer nicht dumm sind. Wenn eine Geschichte 3D nicht braucht, wenn man sich den Film also ansieht und denkt, das brauch ich nicht, ich brauche die Brille nicht, ich brauche das alles nicht in 3D, dann lehnt man die ganze Sache ab. So einfach sind die Verhältnisse. Wir haben es ja schließlich nicht mit Quantenphysik zu tun.

Unser Film aber ist hinsichtlich Genre, Ton, Stil und dem Publikum, auf das wir abzielen, ideal für 3D, und das spornt uns an. Es muss einfach passen, und in unserem Fall ist das so.

screen/read: Eure frühen Storyboards beinhalten ja bereits dreidimensionale Grundideen, also z.B. Kreaturen, die aus dem Frame hervorbrechen und ähnliches mehr. War das Euer Plan von Anfang an?

Alex Winter: Ja, denn das macht einen Riesenunterschied. Als Andras, der das Original produziert hat, mir damals von seinen Plänen für ein Remake erzählte, war tatsächlich das erste, was ich zu ihm gesagt habe: Wir müssen diesen Film in 3D machen. Denn wenn es irgendeinen Film gibt, der perfekt ist dafür, dann dieser. 3D hat einfach diese Assoziation zum Autokino der 70er, und „The Gate“ ist der perfekte Autokinofilm. Wir sind da ein Pulp-Genre durch und durch. Deshalb haben wir das Drehbuch von Grund auf mit 3D im Hinterkopf geschrieben.

screen/read: Wo siehst Du da die speziellen Ansatzpunkte?

Alex Winter: Zweierlei macht den Film so ideal für dreidimensionale Effekte. Zum einen sind da die offensichtlichen Elemente, wie etwa die Minions, die aus der Leinwand hervorbrechen, so wie in den Storyboards eben, aber auch anderes mehr in dieser Art. Zum anderen gibt es etwas, was ich bisher in keinem 3D-Film gesehen habe, nämlich eine sehr eigene Form, die Szenerie, die Umgebung auf eine spannungsvolle Weise einzubauen.

screen/read: Wie kann man sich das vorstellen?

Alex Winter: Unser Film spielt durchweg in einem Haus, und mein größter Einfluss hierfür ist die Robert Wise Version von „The Haunting (dt. Bis das Blut gefriert)“ – einer meiner absoluten Lieblingsfilme, der großartig in 3D gewesen wäre. Man muss sich nur eine Aufnahme vorstellen, in der die Kamera am unteren Ende der Treppe positioniert ist, so dass die Stufen ganz leicht aus der Leinwand herausragen, während sonst nichts passiert. Das wäre sehr unheimlich. Und dafür ist 3D eben auch gut. Für Szenerien, Umgebungen, Atmosphäre. Unser Film wird davon einiges haben. Aber es wird natürlich auch jede Menge Zeug durch die Gegend fliegen.

screen/read: Mittlerweile ist es ja Standard geworden, bei jeder neuen Produktion direkt an ein Franchisemodell zu denken, besonders wenn auf ein Genre-Publikum abgezielt wird. Habt Ihr da auch Überlegungen in diese Richtung angestellt?

Alex Winter: Ich glaube, dass die Idee eines Franchise im Fall einer Geschichten wie dieser, die sich nicht um einen Superhelden oder einen ikonischen Charakter dreht, eigentlich erst auf den Plan tritt, wenn der Film sich als echter Durchbruch erweist, den Zeitgeist trifft und eine große Publikumreaktion hervorruft. Dann würden wir über ein Franchise nachdenken.

screen/read: Beim Original hat man das ja versucht, wenn auch eher erfolglos.

Alex Winter: „The Gate 2“ habe ich selber nie gesehen. Man kann aber durchaus einen Weg finden, diese Dinge auszuweiten, ohne sie zu ruinieren. So wie etwa im Fall von „Poltergeist 2“, da hat man Anschluss gefunden, und ich finde, dass die erste Fortsetzung eigentlich ein ziemlich cooler Film ist. Wenn das Potential also da ist, klar, dann machen wir das bestimmt. Aber so weit sind wir beim besten Willen noch nicht.

Wir konzentrieren uns im Moment ganz und gar darauf, den bestmöglichen Film zu machen, den wir hinkriegen können. Und das ist in diesem Fall eine sehr komplizierte Angelegenheit, denn wir haben es nicht nur mit CG zu tun. Das ganze Haus ist wie eine Art Mausefalle. Überall passieren Dinge, und die werden physisch umgesetzt. Wir haben also eine Menge Herausforderungen vor uns.

screen/read: Das Haus ist dann ein echter Setbau?

Alex Winter: Ja, und die Arbeit an unserem Set ist so detailliert, dass alles wirklich so aussieht, als würde man in einem echten Haus drehen, und so fühlt es sich auch an. Darüber hinaus gibt es uns aber auch die Möglichkeit, Dinge nach Belieben zu verändern, und wenn es notwendig wird, ganze Wände einfach zu verschieben. Vor allem im Finale, denn das wird eine reine Kampfsequenz mit einer Menge physischer Effekte sein, die alle drinnen stattfinden. Und im Hinblick auf 3D kann ich visuelle Tiefe so einrichten, wie ich sie gerade haben will, und einfach das Haus so gestalten, dass es in einer 3D-Umgebung so effektiv wie möglich funktioniert.

screen/read: Mit CG ist man ja heute den Möglichkeiten des Originals weit voraus. Werdet Ihr da nur zeitgemäße Anpassungen vornehmen, oder ist der Look insgesamt ein ganz anderer?

Alex Winter: Im Original war Randall Cook für die Effekte verantwortlich, eine absolute Legende. Später war er an Filmen wie „Herr der Ringe“ beteiligt und vielen anderen mehr. Was Randy damals mit Vordergrund/Hintergrund-Miniaturen und Stop Motion machte, hatte man im Kino seit den 40ern oder 50ern nicht mehr gesehen. Und er brachte diese Effekte wirklich auf eine zeitgemäße Stufe. Das hat mich als junger Filmstudent enorm beeindruckt.

Jedes Element seines Designs wurde allerdings auch immer auf die Frage hin gestaltet, wie es sich praktisch umsetzen lässt. Die Minions zum Beispiel sind in erster Linie so angelegt, dass sie mithilfe von Kostümen dargestellt werden können, die von Statisten getragen werden. Das muss ich heute natürlich nicht mehr beachten, und das Design muss deshalb auch nicht so anthropomorph sein wie im Original. Also kann ich mich den Minions auf ganz andere Weise annähern. Und das ist sehr befreiend.

In einer Weise treten wir da einen Schritt hinter das ursprünglichen Creature-Design zurück und machen etwas, das unseren heutigen Bedürfnissen entspricht, aber auch etwas, das es zuvor nicht zu sehen gab – was, wie ich finde, sehr wichtig ist. Den Geist des Originals will ich aber in jedem Fall beibehalten.

screen/read: Wie geht Ihr da bei den Minions vor? Werden es reine CG-Animationen? Wie groß wird überhaupt der Anteil digitaler Effekte?

Alex Winter: Die Minions werden eine Kombination aus Miniaturpuppen und CG-Modellen sein. Und es gibt eine Menge physischer Effekte. Das Meiste von dem, was den Kindern im Haus passiert, wird real sein. Mein Ansatz ist da, alle Abteilungen miteinander zu verbinden, damit der Eindruck so real wie möglich wird. Schauspieler vor einer grünen Leinwand wird es nicht geben. Es ist nicht so, dass ich grundsätzlich dagegen wäre – bei „Avatar“ macht es zum Beispiel Sinn, denn eine Welt wie Pandora existiert eben nicht. Es hat nur immer damit zu tun, ob man spürt, dass die Figuren wirklich dort sind, wo sie zu sein vorgeben, oder eben nicht.

screen/read: Das trägt ganz sicher auch zur Wirksamkeit bei. Horrorfilme, die sichtbar mit CG operieren, wie das Remake von „A Nightmare on Elm Street“, sind einfach durchschaubarer.

Alex Winter: Sie machen einem keine Angst, und das hat seinen Grund. Der Verstand sucht in einem angsteinflößenden Film unbewusst immer einen Ausweg. Das ist im realen Leben nicht anders. Und was bei diesen CG-Horrorfilmen passiert, ist, dass sie genau einen solchen Ausweg bieten. Was auf der Leinwand passiert, findet man einfach nicht erschreckend, weil das Unterbewusstsein sagt: „Das ist nur eine Animation“. Es ist nicht real, die Figuren sind nicht wirklich da, das passiert nicht wirklich. Das Hirn schaltet einfach ab, und man hat kein flaues Gefühl im Magen. Es ist wie bei Ratten in einem Labyrinth. Wenn die Ratten einen Ausweg finden, werden sie ihn auch nutzen. Man muss CG also sparsam nutzen, es muss fotorealistisch aussehen, und es muss organisch sein. Wenn das nicht geschieht, verliert der Zuschauer alles Interesse, vor allem Kinder. Wenn sie die Tricks durchschauen, sind sie gedanklich schon bei anderen Dingen.

screen/read: Du hast schon öfter mit Kindern gearbeitet, und bei „The Gate“ wird das ja wieder der Fall sein. Für einen Film dieser Art hat das sicher eine Menge Vorteile.

Alex Winter: Auf jeden Fall. Kinder sind meistens besser im Umgang mit Effekten als Erwachsene, weil sie daran gewöhnt sind, sich Dinge vorzustellen und einfach drauf los zu spielen. Es ist für sie normal, im Garten zu sein und einfach so zu tun, als seien sie ganz woanders. Erwachsene haben es da manchmal schwerer. Wenn sie mit einem grünen Ping-Pong-Ball vor der Nase so tun müssen als stünden sie einem Monster gegenüber, müssen sie erst mal abstrahieren. Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten, und wenn man da gute Talente findet, dann sind sie einfach fantastisch.

Aber ich will mit „The Gate“ auch zum Geist der Filme meiner eigenen Kindheit zurückkehren, als alles noch nicht so blutrünstig war. Unser Film ist zwar definitiv auf ein PG-orientiertes Publikum ausgerichtet, er hat aber trotzdem eine gewisse Ernsthaftigkeit, etwa wie bei „Poltergeist“ oder in den gruseligeren Passagen von „The Goonies“. Der ganze Grundgedanke unseres Films will immer darauf hinaus zu sagen: Das könnte Dein Haus sein, das könnte Deine Familie sein, das könnte gerade jetzt Dir passieren.

screen/read: In gewissem Sinne ein echtes Home-Invasion-Movie.

Alex Winter: Genau. Ich erzähle jedem, unser Film ist wie „Die Vögel“. Diese Kreaturen machen sich über die Figuren her. Das könnten auch Vögel sein oder was auch immer.

screen/read: Und dann ist es zusätzlich ein Horrorfilm, der speziell auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet. Das ist heute ziemlich selten geworden, und man fragt sich, warum eigentlich?

Alex Winter: Ich glaube, der Grund dafür, dass ich das Selbstvertrauen hatte, mich auf dieses Projekt einzulassen, ist die Tatsache, dass ich selber drei Söhne habe. Und die lieben diese Art von Filmen. Die schauen sie sich an und gruseln sich, ohne dass ihnen jemals langweilig würde. Sie lieben „Die Goonies“, sie lieben „Gremlins“, sie lieben „Poltergeist“.

Eine lange Zeit hat die Industrie solchen Material einfach nicht geliefert. Ich denke aber, Hollywood wacht langsam wieder auf für diese Art von Geschichten. Man muss sich nur ansehen, was „Coraline“ in dieser Hinsicht geleistet hat. Da wird von einem Kind in einer sehr dunklen Welt erzählt, mit sehr dunklen Dingen, die ihm zustoßen. Und das ist gut angekommen, Kinder hatten an diesem Film wirklich Spaß.

Das ist aber auch genau die Art von Film, die wir mit „The Gate“ versuchen wollen. Wir werden niemanden abschlachten, es wird kein Blut geben wie im Original, aber es geht um Kinder in großer Angst, aber in einer abenteuerliche Weise. Auf kleinerer Ebene sind die Verhältnisse da ein bisschen wie bei „Harry Potter“, wo man sich fragt: Wird dieser Junge überleben? Werden seine Freunde überleben? Allerdings sind die Einsätze dort höher als in unserem Fall. Bei einem Film wie „The Gate“ weiß man im Hinterkopf einfach, dass die Hauptfiguren nicht plötzlich umgebracht werden. Das ist wie bei den „Goonies“, ändert aber nichts daran, dass wir mit großer Ernsthaftigkeit vorgehen. Es soll ja aufregend sein. Thrilling. Niemand stirbt, aber die Figuren gehen in gewissem Sinn durch die Hölle.

screen/read: So wie in einem Alptraum.

Alex Winter: So in der Art, es ist ein Traum, eine Fantasie. Was ich am Original mag, ist genau dieser Ton, der sehr einzigartig ist. Den will ich beibehalten. Ich hatte immer den Eindruck, dass „The Gate“ wie ein Traum funktioniert. Man folgt der Geschichte eine Weile und denkt sich irgendwann: Da sind ja gar keine Erwachsenen. Am Ende sieht man nicht, wie die Eltern wieder nach Hause kommen. Und bei all den irren Dingen, die im Haus vor sich gehen, ruft niemand aus der Nachbarschaft die Polizei usw. Der Film spielt auf diese Weise damit, ein Traum der Hauptfigur zu sein, ist es aber nicht. Das habe ich übernommen und die Geschichte ein kleines bisschen abgeändert, adaptiert und modernisiert.

Ich will an diesen Gedanken anschließen, aber auf einer emotionalen Ebene, im Sinne von: Was passiert mit Miles (der Hauptfigur), was geht in seinem Leben vor, welche Empfindungen hat er für seine Familie, was denkt er über sich selbst? Dieser Psychologie entstammt dann nahezu alles, was mit ihm und den anderen passiert, ganz so, als wäre es sein Traum.

screen/read: Wie eine angsteinflößende Version von „Where the Wild Things are“.

Alex Winter: Oder wie „E.T.“  Ich will die Geschichte nicht vorwegnehmen, aber wir haben es mit einem Kind zu tun, das schlimme Zeiten durchmacht und wir erfahren, dass Miles mit einem großen Verlust fertig werden muss, den er noch nicht bewältigt hat. Wie das seinen Verstand beeinflusst und eine gewisse Dunkelheit hervorbringt, das ist auf eine eigene Weise der unterbewusste Traum eines Kindes.

screen/read: Das Original ist auf seine Weise ziemlich zeitlos. Es gibt nicht allzu viele typische Elemente der 80er. Es scheint sich alles viel mehr um archetypische Ängste zu drehen, und wie Kinder mit ihnen umgehen.

Alex Winter: Sehe ich genauso. Das ist eine sehr ursprüngliche Angelegenheit. Ich habe einmal ein interessantes Interview mit Michael Nankin gelesen, der das Original geschrieben hat. Er sagte, beim Verfassen des Drehbuchs habe er auf die Ängste seiner eigenen Kindheit zurückgegriffen. Und ich denke, das ist eine Sache, die auch mich an diesem Film so anzieht. Ich will mit „The Gate“ zu bestimmten Elementen meiner eigenen Kindheit zurückzukehren, mich daran erinnern, was ich empfunden habe, als ich alleine zuhause war. Und welche Dinge mir Angst gemacht haben.

Ich bin in einem sehr alten Haus im mittleren Westen aufgewachsen, und ich war überzeugt, dass es darin spukte. Selbst tagsüber war dieses Haus unheimlich. Ich habe eine Menge Erinnerungen daran, mich dort richtig zu fürchten, und daran, wie ich und meine Freunde uns ausgemalt haben, was früher wohl einmal in diesem Haus geschehen sein mochte. Wie stellt sich ein Kind so etwas vor? Wie manifestieren sich seine Ängste in seiner Fantasie? Eine Menge dieser Psychologie lasse ich in den Film einfließen.

screen/read: Dinge wie das Monster unter dem Bett, das es im Original ja auch gibt, sind interessanter Weise Ängste, die jeder nachvollziehen kann, weil er sie aus der eigenen Kindheit kennt.

Alex Winter: Oh ja, da ist ein spezieller Erinnerungseffekt. Es fällt einem wieder ein, dass die Welt ein ziemlicher verängstigender Ort für Dich sein kann, wenn Du ein Kind bist.

screen/read: Denkst Du, dass ein Horrorfilm für Kinder einen universelleren Charakter hat?

Alex Winter: Ja, unbedingt. Die Ängste sind da einfach in hohem Maß zugespitzt. Für Kinder gibt es die reale Welt und zusätzlich noch die eigenen Fantasievorstellungen. Um sich aber rational sagen zu können, dass diese nur fiktiv sind, muss man erst ein gewisses Alter erreichen. Ich weiß, dass ich selber sogar noch mit 12 Jahren daran geglaubt habe, die erschreckendsten Dinge aus meinen Träumen könnten tatsächlich Gestalt annehmen. Ich hatte da noch nicht diese Phase erreicht, wo man sich sagt, es gibt keinen Schwarzen Mann, da kann nichts unter meinem Bett sein, nichts springt plötzlich aus meinem Schrank hervor usw. Solange Kinder noch so empfinden, kann man das auf spielerische Weise auch in einem Film funktionieren lassen. Und dazu  muss es nicht gleich übermäßig verstörend sein. Es soll den Kindern einfach Spaß machen.

screen/read: Aber der Oberdämon wird schon auch in dieser Fassung wieder auftauchen, oder?

Alex Winter: Möglich. (lacht)

screen/read: Und unheimlicher als im Original?

Alex Winter: Denkbar.

screen/read: Ist das heute nicht ärgerlich, wenn man sich an das Design einer solchen Figur macht, und dann nicht verhindern kann, dass Bilder vorzeitig im Netz auftauchen? Oder auch Storyelemente vorweggenommen werden?

Alex Winter: Man kann das schon verhindern. Ich denke aber, das ist offen gesagt eher ein Problem eines erwachsenen Publikums. Für „The Gate“ haben wir zwei Gruppen von Zuschauern im Blick – eigentlich sogar drei. Auf der einen Seite haben wir die Kinder – und die sind nicht so drauf, dass sie sagen, „guck mal, ich habe dieses und jene Design schon auf irgendeiner Webseite gefunden“ – und auf der anderen Seite die Erwachsenen, die das Original kennen und sich mit ihren Kindern zusammen die neue Fassung ansehen. Das beunruhigt mich also nicht.

Und dann haben wir noch die Hardcore-Fraktion aus echten Genre-Fans wie Du und ich es sind. Über die mache ich mir erst recht keine Sorgen, denn diese Gruppe hat sowieso schon so ziemlich alles gesehen. Wie groß kann da die Überraschung werden? Auch wenn unsere Designs schon verdammt cool sind.

Unser Film hat aber insgesamt überhaupt weniger mit Spoilern und Überraschungen zu tun als damit, was man erlebt, wenn man im Kino sitzt und sich ihn anschaut.. „The Gate“ ist nicht die Art von Filmen, die am Schluss einen großen Schock oder eine unerwartete Wende anbieten. Man weiß im Groben, was man erwarten kann. Das Besondere wird vielmehr die emotionale Erfahrung sein, dass alles wie ein lebendiger Alptraum ist, ein Trip, den man mit der Hauptfigur gemeinsam durchmachen muss – das ist also eher wie in einem Hitchcock-Film als wie bei „The Sixth Sense“.

screen/read: Dass Du für einen Film mit so einem hohen Creature-Anteil und vielen Effekten doch den Hauptfokus auf die Figuren und die Geschichte legst, ist ja heute eher der Ausnahmefall.

Alex Winter: Ich denke, das Geschichtenerzählen holt in der Industrie jetzt auf. Die Technologie ist in den letzten zehn Jahren einfach so gut und schnell geworden, dass jeder einem kollektiven Wow-Faktor erlegen ist, bei dem man sich ständig sagt, „Wahnsinn, was wir alles machen können!“ Es gab diese lange Phase, in der einem im Kino einfach ständig alles um die Ohren geflogen ist. Aber irgendwann sagt man sich, ok, ich hab´s verstanden, ihr könnt wirklich alles kaputtmachen, ihr habt die Technologie, aber müsst ihr das auch?

CG ist ein Werkzeuge, das man nutzt, um Geschichten zu erzählen. Es existiert nicht zum Selbstzweck. Man kann sich das vorstellen wie in einem Symphonieorchester. Da gibt es einen, der ist für die Pauken zuständig. 99% der Zeit steht er einfach nur da und hat nichts zu tun. Bekommt er schließlich seinen Einsatz, bringt das den idealen Effekt. Wenn er allerdings zwei Stunden lang ununterbrochen auf das Ding einhämmert, kommt nichts dabei herum außer Kopfschmerzen. Und so ist es auch mit CG.

„The Gate“ ist in erster Linie über Menschen und ihr Umfeld, wo unheimliche Dinge geschehen. Einfach nur von Anfang bis Ende CG-Charaktere zu zeigen, das wäre völlig langweilig.

screen/read: Und hätte der Paukenspieler in Hitchcocks „The Man who knew too much“ nicht diese Disziplin besessen, wäre das ganze Finale baden gegangen.

Alex Winter: (lacht) Ja genau. Ich denke, wir gewöhnen uns an die Technologie und die Dinge beginnen, eine andere Balance zu bekommen. Das ist der Zeitpunkt, wenn Kinder wieder Filme zu sehen bekommen, bei denen nicht andauernd Flugzeuge über die Leinwand brettern müssen. Denn da ist nach einer Weile einfach die Luft raus.

screen/read: Zumal heute jeder in einem gewissen Maß weiß, wie diese Dinge erstellt werden.

Alex Winter: Und das ist eine gute Sache. Es trägt dazu bei, die Dinge zu demystifizieren. Als ich in die Industrie einstieg, war ich noch sehr jung, doch das erste, was ich damals erkannte, war, dass so ziemlich jeder dort arbeiten konnte. Heute lade ich gerne Schulklassen ein, um zu zeigen, wie unsere Effekte erstellt werden. Ich finde es gut zu sagen, lasst uns zeigen, wie wir etwas gebaut haben, wie wir etwas designt haben. Es geht nicht so sehr um Spoiler, sondern um die Prozesse. Und die Menschen. Es ist interessant zu sehen, wer an all diesen unterschiedlichen Dingen arbeitet. Zumindest dann, wenn er vor Ort ist. Räumliche Distanz muss ja heute kein Hindernis mehr sein.

screen/read: Weil sich die Kommunikationsmittel geändert haben.

Alex Winter: Ja, das ist heute Alltagsgeschäft. Mein Storyboard-Artist Robb Bihun, ein sehr etablierter Comicbuch-Künstler, ist so ein Beispiel. Mit ihm arbeite ich seit 10 Jahren zusammen, er ist wie mein rechter Arm – aber ich habe ihn nie persönlich getroffen. Das sind die modernen Zeiten. (lacht)

screen/read: Ihr seid jetzt ja in der Vorproduktion. Gibt es da schon irgendwelche Besetzungs-Entscheidungen?

Alex Winter: Was Kinder angeht, gibt es da keinen echten Star, der 12 Jahre alt ist. Ich werde einfach die besten Schauspieler casten, die ich finden kann. Und vielleicht finden wir einen coolen Darsteller, der die Rolle des Vaters übernimmt. Aber wir beginnen ja gerade erst mit dem Casting.

screen/read: Wann schätzt Du, wird Premiere sein?

Alex Winter: Wir hoffen, dass wir irgendwann im Herbst 2011 fertig sind, etwa über ein Jahr von jetzt an. Es geht viel Zeit in die Post-Produktion. Wir müssen halt eine Menge Effektarbeit leisten.

screen/read: Dafür drücke ich Euch die Daumen. Alex, danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Alex Winter: Sehr gern.

Alex Winter | The Gate 3D | Foto copyright by screenread.de

Alex Winter, 1965 geboren in London und aufgewachsen in Missouri, ist Schauspieler, Filmemacher, Autor und Produzent. Sein Durchbruch gelang ihm 1989 an der Seite von Keanu Reeves in der erfolgreichen Zeitreisekomödie „Bill & Ted’s excellent Adventure“. Als Filmemacher machte er sich vor allem durch die SciFi-Komödie „Freaked“ (1993) und den Thriller „Fever“ (1999) einen Namen. Nebenher ist Winter erfolgreicher Regisseur von Werbefilmen und Musikvideos (z.B. für die Red Hot Chili Peppers). Sein TV-Film „Ben 10: Alien Swarm“ für Cartoon Network erhielt kurz nach unserem Interview eine Emmy-Nominierung für Visuelle Effekte. „The Gate“ ist Winters erste 3D-Produktion.

Weiterführende LINKS zu diesem Beitrag:

Bookmark and Share Follow screenread on Twitter
follow @screenread on twitter

Eine Antwort zu “Remaking THE GATE: Interview Alex Winter (deutsche Fassung)”

  1. Awesome Mr. Winter i must take my 19 year old brother with me yet he says he is not a fan of you ill still make him go but this gate sound scary and ill watch anything with you in it and what you make XD Keep up the bodasohouse work Bill XD

Hinterlasse eine Antwort