The Expendables 3 | Filmkritik

08. August 2014

The Expendables 3

Den albernen Oberlippenbart hat Barney Ross bereits aus seinem Leben verbannt und nach einem gründlich missglückten Einsatz sieht sich seine nur noch aus vier Mann bestehende Expendables-Truppe mit dem gleichen Schicksal konfrontiert: Barney serviert sie ab, weil er sich um ihre Zukunft sorgt, und castet stattdessen jüngeres Kanonenfutter. Tja, wer hätte das gedacht? Kaum 20 Minuten im Film ist Sylvester Stallone plötzlich wieder zurück in der alten Rolle, die er mit seinem Söldnerfranchise eigentlich abgelegt hatte – der Rolle des einsamen Wolfs auf Rachefeldzug. Kann er das tatsächlich ernst meinen? Natürlich nicht.

Ganz im Gegenteil ist „The Expendables 3“ so etwas wie der serieninterne Beleg, dass die alten Recken ausschließlich gemeinsam funktionieren und die jungen Wilden erst noch lernen müssen, ihnen das Wasser zu reichen. Denn Barneys neues Team (ein Versuchsballon in Richtung Spin-Off?) schlägt sich zwar wacker und befördert den Senior gar ein Stück weit in die digitale Gegenwart des Hackertums, doch mangels Erfahrung und Gewieftheit landet der Nachwuchs rasch in den Händen des Feindes und muss auf Rettung hoffen. Dass die erprobten Kampfesbrüder zu diesem Zweck dann doch wieder zusammenfinden, versteht sich von selbst.

The Expendables 3

Fast auf den Tag genau (US-Start am 13., 17. und 15. August) serviert Stallone seit 2010 alle zwei Jahre eine neue Folge seines betont altmodischen Actionmenüs, in dem sich jede Menge Altstars durch die Handlung ballern und dabei weitestgehend ohne modernen CGI-Einsatz auskommen. Zum Kernteam gesellen sich jedesmal neue Namen hinzu, während andere verschwinden. Bruce Willis etwa ist wegen angeblich überhöhter Gagenforderungen nach zwei Filmen diesmal nicht mehr dabei.

Zu den Neuzugängen zählen ein übermotivierter Wesley Snipes, ein unterforderter Harrison Ford (beides langjährige Wunschkandidaten Stallones), ein unkontrolliert chargierender Mel Gibson und Antonio Banderas, der eine kaum zu ertragende Parodie seiner Mariachi-Performance aus „Desperado“ hinlegt. Von den vier Jungdarstellern (darunter „Twilight“-Alumnus Kellan Lutz und Judoka Ronda Rousey) hinterlässt keiner einen wirklich nachhaltigen Eindruck. Ein paar Kurzauftritte von Arnold Schwarzenegger, die wirken, als hätte er sie im Halbschlaf absolviert, runden die Angelegenheit ab.

Jason Statham, der im ersten Film noch einen eigenen Handlungsstrang bedienen durfte, wird weitestgehend zur Staffage degradiert. Aber auch die anderen noch verbliebenen Sidekicks, die aus den ersten beiden Filmen übrig geblieben sind, haben kaum mehr eine nennenswerte Funktion (Terry Crews versinkt nach 10 Minuten direkt mal im Langzeitkoma). Und doch funktioniert dieser „Expendables“-Beitrag besser als seine beiden Vorgänger zusammen.

Vor allem im direkten Vergleich zu „Expendables 2“ fällt positiv auf, dass sich der selbstreferentielle Comedy-Anteil merklich zurückhält und die Geschichte trotz aller Absurdität mit der notwendigen Dosis Ernsthaftigkeit erzählt wird. Dass erstmals im Franchise eine gewisse Form der Identifikation möglich ist, hat mit der verstärkten Konzentration auf Stallones Figur zu tun. Den gesamten zweiten Akt über steht Barney Ross mehr oder weniger alleine da, ihm gegenüber ein dunkles Spiegelbild in Gestalt seines ehemaligen Partners (Gibson), der zu einem skrupellosen Waffenhändler mutiert ist.

The Expendables 3

Dass zum Schluss alles wie gewohnt in einem endlosen Bleigewitter und aufwendigen Explosionen untergeht – geschenkt. Für die „Rocky“-Fraktion unter den Zuschauern hat Stallone zudem noch einen Showdown mit bloßen Fäusten ins Drehbuch geschrieben. Und weil er spätestens seit „Rambo 2“ ein großes Faible für finale Hubschrauber-Einsätze entwickelt hat, gibt es einen solchen auch hier wieder einmal zu sehen.

All das ist über gute zwei Stunden hinweg ebenso unterhaltsam wie belanglos. Weniger belanglos fällt hingegen eine ziemlich üble Haltung zur Funktion des internationalen Gerichtshofs aus, die Stallone seinem Barney in den Mund legt – als markigen Spruch und zu einem Zeitpunkt, wo so mancher Zuschauer ihm ohnehin am liebsten Applaus spenden will. Für einen oberflächlichen Unterhaltungsfilm ist das arg reaktionär und im Grunde völlig inakzeptabel. [LZ]

The Expendables 3

OT: The Expendables 3 (USA/FR 2014) REGIE: Patrick Hughes. BUCH: Sylvester Stallone, Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt. MUSIK: Brian Tyler. KAMERA: Peter Menzies Jr. DARSTELLER: Sylvester Stallone, Jason Statham, Mel Gibson, Antonio Banderas, Wesley Snipes, Dolph Lundgren, Randy Couture, Harrison Ford, Arnold Schwarzenegger, Kelsey Grammer, Glen Powell, Ronda Rousey, Kellan Lutz, Victor Ortiz, Terry Crews, Jet Li, Robert Davi. LAUFZEIT: 126 Min.

The Expendables 3

[Abbildungen © 2014 Twentieth Century Fox]

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