THE EXPENDABLES 2 | Filmkritik

29. August 2012

The Expendables 2

Man mag von Sylvester Stallone halten, was man will, aber wem es in Hollywood über drei Jahrzehnte hinweg allen Unkenrufen zum Trotz immer wieder gelingt, aus jedem Karrieretief gestärkt aufzusteigen, der hat sich alle Anerkennung redlich verdient. Im Grunde könnte er seinem Alter Ego aus dem Boxring da kaum ähnlicher sein: Wer unten angekommen ist, muss eben wieder aufstehen, hart trainieren und erneut in den Ring steigen. Missglückte Lagerwechsel ins Komödienfach („Oscar“), Abstürze in die deutsche Medienfondshölle („Driven“) und bescheidene Mittelklasse-Actioner, die nicht einmal bei echten Hardcore-Fans auf dem Radar erschienen („Avenging Angelo“) schienen zeitweise dafür zu sprechen, dass der Mann mit dem Dackelblick so durch war wie die meisten anderen seiner Haudrauf-Kollegen aus den 80ern. Was lag da also näher, als sich mit eben diesen zu einem (immer noch einigermaßen) schlagkräftigen Retro-Ensemble zusammenzuschließen?

In etwas mag das der Gedanke hinter „The Expendables“ gewesen sein. Recht erfolgreich hatte Stallone kurz zuvor noch einmal seine beiden bekanntesten Figuren zum Einsatz und sich damit erneut ins Gespräch gebracht, zugleich aber auch bewiesen, dass die alten Kapitel endgültig abgeschlossen gehörten (was ihn jedoch nicht davon abhielt, noch eine Weile lang laut über einen weiteren „Rambo“-Teil nachzudenken). Neue Modelle mussten her. Alleine würde er ein Franchise vermutlich nicht mehr stemmen können, doch als Kopf eines Teams? Das sollte schon eher funktionieren.

Und das tat es dann auch. Die bewusst altmodisch angelegte Ballerei mit einer cleveren Konstellation aus alten Recken (Dolph Lundgren, Mickey Rourke, Jet Li), ironischen Cameos (Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger) und dem einzigen ernstzunehmenden Action-Helden der 2000er Jahre (Jason Statham) lockte alleine in den USA genügend Zuschauer in die Kinos, um bereits am Startwochenende eine Top-Platzierung zu erzielen – vom Rest der Welt und den späteren Zweit- und Drittauswertungen ganz zu schweigen. Man kann sich vorstellen, wie Stallone mit einer schicken Zigarre zwischen den Zähnen die Einspielergebnisse studiert und sich dabei wie Hannibal vom A-Team gefühlt hat.

The Expendables 2

Fast auf den Tag genau zwei Jahre später lässt das unvermeidliche Sequel keinen Zweifel daran, dass der Plan immer noch funktioniert. Am Grundkonzept hat sich nicht viel geändert. Barney Ross (Stallone) schießt und prügelt sich zusammen mit seinem Söldnerteam aus bereits bekannten Gesichtern und zwei Neuzugängen (Liam Hemsworth, Nan Yu) durch eine mehr oder weniger irrelevante Geschichte um gefährliche Plutonium-Vorräte. Ein bisschen emotionalen Biss soll ein privater Rachefeldzug liefern, doch im Wesentlichen läuft die Angelegenheit vor allem auf einen vielversprechenden Showdown mit einem ungewohnt grimmigen Jean-Claude Van Damme hinaus. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Stallone hat den Regiestuhl diesmal dem im Kino zuletzt etwas glücklosen Simon West („Con Air“ und gerade erst „The Mechanic“ – ebenfalls mit Statham) überlassen, und der lässt es von der ersten Sekunde an ausgiebig krachen. Ein bisschen aufwendiger ist die Angelegenheit, aber in erster Linie gilt auch hier wieder, möglichst auf CGI zu verzichten und allen Herausforderungen vor allem mit Fäusten, Schusswaffen und vollem Körpereinsatz zu begegnen. Ein brachialer Soundtrack von Brian Tyler trägt das Seine dazu bei, und der Zuschauer kann darauf zählen, dass keine Aktion ohne markigen Einzeiler auskommt.

Das ist alles gut und schön, doch diesmal leidet das 80er-Jahre-Revival merklich an seiner selbstreferentiellen Ironie, die allzu oft die vierte Wand durchbricht. Dass Schwarzenegger etwa (im englischen Original) wirklich „terminated“ werden könnte und am Ende allen Ernstes jenen Trademark-Satz aussprechen muss, den niemand, aber auch wirklich überhaupt niemand, der noch bei Verstand ist, mehr lustig finden kann, degradiert den ersten Leinwandauftritt nach Ende seiner politischen Karriere zur müden Karikatur. Auch sonst kommt so mancher Cameo allzu forciert daher und schadet dem Film eher als dass er nützt.

The Expendables 2

The Expendables 2

Speziell im Fall von Chuck Norris lässt sich der Verdacht nur schwer vermeiden, dass der seit einigen Jahren recht öffentlichkeitsscheue ehemalige Karate-Champion mehr oder weniger kurzfristig ins Drehbuch reingeschrieben wurde. Mehr Zirkusattraktion als Handlungselement, gerät sein Auftritt zum albernen Witz, der sich genauso gut im Umfeld der „Scary Movie“-Reihe oder einer ähnlich kindischen Genre-Parodie finden lassen könnte. Auch hier regiert jede Menge Selbstreferentialität: Der Name der Figur stammt aus dem 1978er Actioner „Good Guys wear Black“, die mehrfach wiederholte Charakterisierung als „einsamer Wolf“ spielt wohl auf „Lone Wolf McQuade“ (von 1983) an, und einige der bekannten Norris-Internetscherze finden ebenfalls ihren Niederschlag. Wer noch andere Bezüge wiedererkennt, hat in den 80ern eindeutig zuviel Zeit in der Videothek verbracht.

Das könnte man getrost hinnehmen, würde mit derartigen Brüchen nicht das letzte bisschen Ernsthaftigkeit verloren gehen, das den Film andernfalls leicht über das Niveau einer bloßen Nummernrevue hätte heben können. Wirklich spannend ist das alles nicht, und Stallones gar nicht so schlecht geglückter Versuch, seiner Figur hier und da ein bisschen Tiefe zu verleihen, läuft angesichts der auf Aha-Effekte getrimmten Starparade gänzlich ins Leere.

Für kurzweilige etwa 100 Minuten reicht das aus, doch das meiste ist schon wieder vergessen, bevor die End Credits durch sind. Ein dritter Teil befindet sich selbstredend bereits in Planung. Auf Stallones Wunschliste diesmal: Nicolas Cage, Clint Eastwood, Harrison Ford und Sean Connery. [LZ]

OT: The Expendables 2 (USA 2012). REGIE: Simon West. BUCH: Richard Wenk, Sylvester Stallone, Ken Kaufman, David Agosto. KAMERA: Shelly Johnson. MUSIK: Brian Tyler. DARSTELLER: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jean-Claude Van Damme, Nan Yu, Dolph Lundgren, Terry Crews, Randy Couture, Liam Hemsworth, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Jet Li, Chuck Norris, Charisma Carpenter. LAUFZEIT: 103 Minuten.

The Expendables 2

The Expendables 2 | Poster

[Abbildungen © 2012 Twentieth Century Fox]

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