THE BUNNY GAME: Totalverbot in England | BBFC verweigert Freigabe

12. Oktober 2011

The Bunny Game

Gerade einmal eine Woche, nachdem die BBFC ihre umstrittene Entscheidung zum Vertriebsverbot von „The Human Centipede 2 (Full Sequence)“ weitestgehend revidiert hatte, verweigerte sie jetzt einem weiteren Horror-Schocker die Freigabe für den britischen Markt. Im Gegensatz zum vieldiskutierten Sequel von Tom Six hat man den Machern von „The Bunny Game“ allerdings ausdrücklich die Möglichkeit einer erneuten Einreichung des Films eingeräumt, sofern dieser auf nicht näher beschriebene Weise zuvor bearbeitet werde. Angesichts des Sujets scheint eine Klassifizierung auf dieser Grundlage jedoch eher unwahrscheinlich.

Erneut steht die Frage nach filmischer Sexualisierung von Gewalt im Zentrum der Entscheidung. Sie hatte bereits bei der ursprünglichen Ablehnung von „The Human Centipede 2“ eine Rolle gespielt und gerät hier nun noch eine Stufe relevanter – wenn auch nicht weniger absurd. Gemäß den Regularien des British Board of Film Classification verlangen jegliche Inhalte, die „sexuelle Gewalt erotisieren oder befürworten (eroticise or endorse sexual violence)“ nach Schnittmaßnahmen. Doch nicht nur die Haltung, die der betreffende Film transportiert, ist entscheidend, sondern auch das Medium selber. Denn während im Kino ein Gesamtkontext präsentiert werde, bestehe beim Videoformat die Möglichkeit, einzelne Sequenzen aus dem Zusammenhang zu reißen und wiederholt anzuschauen. Dass die Regularien der BBFC dringend einer Anpassung an die gegenwärtigen Marktverhältnisse und Verwertungsformen bedürfen, liegt angesichts einer derartigen Unterscheidung auf der Hand.

Die fraglichen Titel waren nun ausschließlich für die Auswertung auf DVD eingereicht worden, und da man weder Tom Six noch Adam Rehmeier, dem Autor und Regisseur von „The Bunny Game“, ernsthaft die Befürwortung sexueller Gewalt unterstellen wird, beide in ihren jeweiligen Filmen jedoch explizite Akte zeigen, die aus Sicht des ausübenden Protagonisten ebendiese Haltung voraussetzen, verstoßen sie gegen die Vorgaben des Boards. Six musste aus diesem Grund (unter anderem) die Darstellung einer Vergewaltigung, sowie eine auto-aggressive Masturbationssequenz entfernen, um eine Freigabe zu erhalten.

Wie Rehmeier da vorgehen soll, bleibt rätselhaft, denn sexuelle Gewalt ist das durchgängige Thema seines Films: In „The Bunny Game“ gerät eine Prostituierte in die Hände eines sadistischen Truckfahrers, der sie gefangen nimmt und auf exzessive Weise demütigt und missbraucht. Im Kern erinnert das Sujet an „Scrapbook“ (2000), ein vieldiskutiertes Psychodrama des amerikanischen Underground-Filmemachers Eric Stanze, das die BBFC nur unter strengen Schnittauflagen freigab, und das (im Gegensatz zu manch anderen Beispielen, die mittlerweile in der Originalfassung vertrieben werden dürfen) in England bis heute ausschließlich in einer drastisch gekürzten Fassung erhältlich ist.

Die Begründung im Wortlaut lässt sich auf der Homepage des Boards nachlesen. Dass übrigens sowohl Tom Six als auch Rehmeier ihre jeweiligen Filme gegen den Standard in Schwarzweiß gedreht haben, mag zwar nur ein Zufall sein, spricht aber für eine grundsätzliche Entscheidung zur ästhetischen Verfremdung, die der bloßen Selbstzweckhaftigkeit kontroverser Inhalte aktiv entgegenwirkt.

The Bunny Game

[Abbildungen: Adam Rehmeier]



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The Human Centipede  The Loved Ones | DVD und Blu-ray

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