Submerged – Gefangen in der Tiefe | Filmkritik: Limo auf Eis

11. Oktober 2016

Submerged - Gefangen in der Tiefe

Eine unwillommene Ausgangslage für Klaustrophobiker: Luxuslimousine mit Spezialpanzerung stürzt in einen Fluss, geht unter und treibt aufs offene Meer zu. Entkommen nicht möglich. Während vorne der eingeklemmte Fahrer als einziger die Ruhe bewahrt, drehen die Passagiere hinten schon bald durch. Für den Zuschauer ergeben sich zwei entscheidende Fragen: Wird die disparate Gruppe rechtzeitig gerettet? Und wie konnte es zu dieser unglückseligen Konstellation kommen? Eine komatöse Beifahrerin macht die Angelegenheit zusätzlich rätselhaft.

Dass der Film sich in der Hauptsache an den beiden Fragen entlang bewegt – einmal in der Zeit vor- und einmal rückwärts – ist keine Überraschung. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile der Vorgeschichte(n) zusammen, während Panik und Konflikte am Flussgrund zunehmen. Ein beliebtes und vielfach bewährtes Erzählprinzip also: Den Zuschauer ins kalte Wasser werfen (Wortspiel unvermeidlich) und dann langsam am Nasenring durch die Manege ziehen. So funktionieren einschlägige Beispiele wie „Reservoir Dogs“, „Saw“ oder die ersten zwei bis drei Staffeln von „Lost“.

Von der Virtuosität dieser Beispiele ist eine kleine LowBudget-Produktion wie „Submerged“ zwar meilenweit entfernt, sie nutzt Erzählprinzip und Grundkonstellation aber angenehm effektiv. Das hat weniger mit den nicht allzu subtil ausgearbeiteten Figuren zu tun als mit der cleveren und einfallsreichen Regie von Steven C. Miller, der dem überschaubaren Unterwasser-Setting eine Menge Bildvarianten abgewinnen kann (ein eigens nachgebauter Passagierbereich ermöglicht sogar 360°-Schwenks). Herausgekommen ist zwar nicht gleich die maritime Version von „Cosmopolis“, doch der vergleichsweise große Anteil von Sequenzen im Inneren der Limousine bleibt immer angenehm dynamisch.

Eine Reihe von Logiklöchern muss man schlucken und besonders im Finale einige Zugeständnisse machen, aber für einen einfallsreich gemachten B-Film mit klarer Ausrichtung auf den VOD-Markt darf das kein Problem sein. Unter den Produzenten findet sich der allzeit umtriebige Cassian Elwes, der den Independent-Sektor seit Jahren in all seinen Spielarten bedient (mit breiter Range von „Knock Knock“ bis „Dallas Buyers Club“) und dabei immer eine gute Hand beweist.

Miller, der sich bis dato mit so unterschiedliche Genre-Beiträgen wie „Aggression Scale“, „Under the Bed“ und „Silent Night“ als ebenso verlässlich wie vielfältig gezeigt hat, verfilmte das ursprünglich für Joel Schumacher gedachte Drehbuch von Scott Milam („Mother’s Day“) in gerade einmal 15 Tagen und bewies damit erneut seine ungemeine Anpassungsfähigkeit angesichts geringer Mittel und stark eingeschränkter Möglichkeiten. Seit „Submerged“ hat er bereits ganze drei weitere Filme abgedreht, zwei davon mit Bruce Willis, einen mit Nicolas Cage. Ob und wann sie in Deutschland erscheinen, ist bislang nicht bekannt (gleiches gilt für den Vorgänger „Extraction“). [LZ]

OT: Submerged (USA 2016). REGIE: Steven C. Miller. BUCH: Scott Milam. MUSIK: Ryan Dodson. KAMERA: Joseph White. DARSTELLER: Jonathan Bennett, Talulah Riley, Rosa Salazar, Caleb Hunt, Cody Christian, Willa Ford, Mario Van Peebles. LAUFZEIT: 99 Min (DVD), 101 Min (Blu-ray). VÖ: 07.10.2016

Submerged - Gefangen in der Tiefe | DVD-Cover

[Abbildungen: Pierrot le Fou]

follow screenread on twitter | like screenread on facebook

Tags:

Kommentare sind geschlossen.