Star Trek: Beyond | Filmkritik: Public Enemy in Outer Space

31. Juli 2016

Star Trek: Beyond

Bei James T. Kirk ist die Luft raus. Unendliche Weiten zu erforschen ist Sisyphusarbeit, ein Ende nicht abzusehen (wegen unendlich). Kurz vor seinem Geburtstag brütet der Captain der USS Enterprise eine handfeste Midlife-Crisis aus. Sogar über einen Wechsel in den Innendienst denkt er nach! Dramaturgisch hilft da nur noch eine übelgelaunte Wende des Schicksals, hier in Form eines havarierten Raumschiffs, das geborgen werden muss, weil es noch Überlebende gibt. Flugs erweist sich die vermeintliche Routinemission jedoch als gemeiner Trick eines bis dato unbekannten Schurken, der Kirk & Crew unter heftigen Beschuss nimmt und auf einem fremden Planeten in alle Winde zerstreut. Ruhestand ausgesetzt.

Dabei fliegt dem Zuschauer mehr Weltraumaction um die Ohren als in allen früheren „Star Trek“-Filmen zusammen. Nach einem gewitzten und selbstironischen Auftakt ist leider eines schnell klar: Das dritte Abenteuer der neuen (alten) Besatzung hat offenbar alle Tugenden seiner beiden Vorgänger weitestgehend in den Orbit gejagt. J.J. Abrams, bekanntlich gut ausgelastet mit der Arbeit an der anderen traditionsreichen Sternenkriegerei, hat diesmal Justin Lin („Fast & Furious“, Teil 3 bis 6) auf den Regiestuhl gesetzt und damit eine klare Vorgabe in Richtung Krach-Bumm-Buff gesetzt – gut geeignet für ein jugendliches Blockbusterpublikum mit geringer Aufmerksamkeitsspanne.

Für Abrams, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass sein Herz eher für die Jedi schlägt als für die Föderation, ist das Trekkie-Franchise vermutlich zum Millionen schweren Klotz am Bein geworden, der sich nicht so einfach wieder loswerden lässt. Hatte er in die Wiederbelebung der Ur-Crew um Kirk und Spock 2009 noch eine Menge Mühe und Energie gesteckt, so wirkt all der Einsatz aus heutiger Perspektive wie eine Art Bewerbungsschreiben für die Heuschrecken von Disney und deren „Star Wars“-Reboot. „Beyond“ (ein Titelzusatz wie aus der Lostrommel) ist nicht mehr als eine Pflichtübung, die es allen irgendwie ein bisschen recht machen will und dabei jegliche Identität verliert.

Neben jeder Menge Geballer im All und Klopperei auf fremden Planeten mit schnellen (oftmals unübersichtlichen) Schnitten, einer aufwändig zerstörten Enterprise, einem Gegenspieler, der genausogut auch einem beliebigen Superhelden-Comic entnommen sein könnte (desillusionierter Gutmensch mutiert zum echsenartigen Alleshasser mit vampirähnlichem Überlebensmuster), „Fight the Power“ von Public Enemy als Angriffsmusik und einem Bond-tauglichen Showdown wirken die einzelnen Versatzstücke aus dem Roddenberry-Universum fast wie Fremdkörper. Eine Hommage an den verstorbenen Leonard Nimoy musste auch noch irgendwie untergebracht werden und am Schluss gibt es sogar ein Foto der Originalcrew zu sehen. Ist das schon meta?

Star Trek: Beyond

Idris Elba als wahnverblendeter Antagonist kann hinter seiner Maske wenig bewirken (und erinnert auf unangenehme Weise an den ebenfalls farbigen Louis Gossett Jr. in „Enemy Mine“) und an Benedict Cumberbatchs genialischen Khan aus „Into Darkness“ reicht er schon einmal gar nicht heran (wo letzterer ohne Maske auf mimischen Minimalismus setzt, entscheidet sich Elba trotz Maske für ausgeprägtes Chargieren). Als Ausgleich lässt man ihn Mitglieder der Enterprise auf nicht näher erläuterte Weise energetisch leersaugen, bis sie aussehen wie die Opfer von Space-Vampirella Mathilda May in Tobe Hoopers „Lifeforce“. Cartoonartige Gewalt statt subtiler Bedrohung, Explosionen statt Dialoge, viel Krach, wenig Stille – so in etwa lässt sich das Prinzip von „Beyond“ zusammenfassen.

Dass ein Film, der so wenig Spaß macht, ausgerechnet aus der Feder von Simon Pegg stammt, mag man als besonders enttäuschend empfinden. Wie viel von dessen Originaldrehbuch allerdings übrig geblieben ist (die imdb listet alleine drei offiziell ungenannte Mitautoren, darunter Abrams-Freund und „Transformers“-Schreiber Roberto Orci) und welche engen Vorgaben ihm bereits im Vorhinein gemacht wurden, darüber lässt sich nur spekulieren. Ab und an blitzt der Peggsche Witz zwar durch, macht die durchgängige Vorhersehbarkeit aber auch nicht erträglicher. Ausgerechnet zum 50. Geburtstag von „Star Trek“ wäre ein bisschen mehr Orientierung an den Grundwerten der Serie schon erfreulich gewesen. Doch wo Alibaba Pictures aus Hongkong mitproduzieren, steht der chinesische Markt zwangsläufig doppelt und dreifach im Fokus. [LZ]

OT: Star Trek Beyond (USA 2016). REGIE: Justin Lin. BUCH: Simon Pegg, Doug Jung. MUSIK: Michael Giachhino. KAMERA: Stephen F. Windon. DARSTELLER: Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Zoe Saldana, Simon Pegg, Sofia Boutella, Anton Yelchin, John Cho, Idris Elba, Joe Taslim. LAUFZEIT: 122 Min.

Star Trek: Beyond | Filmplakat

[Abbildungen: Paramount]

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