Spike Lee ist kein Freund von DJANGO UNCHAINED

26. Dezember 2012

Django Unchained

Negative Publicity kann durchaus nützlich sein. Wem etwa Spike Lee mit seiner arg verkrampften bis beizeiten fragwürdig-radikalen Haltung zur Rolle von Afroamerikanern im Filmgeschäft schon immer gehörig auf den Draht gegangen ist, der dürfte jetzt erst recht bereit sein, den Überlängenaufschlag für Quentin Tarantinos aktuellen Blaxploitation-Western in Kauf zu nehmen – und sei es nur, um Lees Spielverderberei ein beherztes „Du kannst mich mal“ entgegen zu setzen. Nein, er werde sich „Django Unchained“ nicht ansehen, gab Lee gegenüber Vibe TV im Anschluss an einen Tweet bekannt, der so weit übers Ziel hinausschießt, wie man es von diesem Filmemacher aus anderen Zusammenhängen bereits kennt.

Im O-Ton: „Amerikas Sklaverei war kein Sergio-Leone-Spaghetti-Western. Sie war ein Holocaust. Meine Vorfahren sind Sklaven. Aus Afrika entführt. Ich werde sie ehren.“ Doch auch wenn sich diese Lesart unmittelbar verbreitet hat (und von den deutschen Medien fleißig ohne jegliche Recherche stumpf abgeschrieben wurde), ist es keineswegs Tarantinos Film selber, dem er explizit Respektlosigkeit vorwirft. Im Grunde wäre das immer noch besser, als die Haltung, die Lee tatsächlich an den Tag legt. Für ihn sei es nämlich bereits respektlos, sich „Django Unchained“ überhaupt anzusehen: „All I’m gonna say is that it would be discrespectul to my ancestors to see that film.“

Dass er schnell noch einschränkend hinzufügt, damit nur für sich selber zu sprechen und nicht für andere, ist wohl nicht mehr als ein taktischer Schachzug. Natürlich fordert er nicht zum Boykott auf, denn das will er sich kaum vorwerfen lassen. Indem er aber das bloße Anschauen des Films bereits zur Respektlosigkeit gegenüber ganzen Generationen von Afroamerikanern erklärt, setzt er auf unterschwellig wirksame Schuldgefühle. So mancher mag da von Demagogie sprechen.

Schon früher hatte Lee sich Tarantinos spezifischer Form von Blaxploitation gegenüber kritisch gezeigt. Im Fall von „Jackie Brown“ war es der inflationäre Einsatz des „N-Wortes“, der den Regisseur von „Malcolm X“ auf die Palme brachte. Dass derartige Hitzköpfigkeit wenig gesund ist, belegte ein Fall im März 2012, als Lee die Adresse eines älteren Ehepaares über Twitter weiter verbreitete, in dem irrigen Glauben, hinter der Anschrift verberge sich der Mann, der für den Tod des ermordeten Afroamerikaners Trayvon Martin verantwortlich war.

Jon Stewart hatte die Angelegenheit damals in seiner „Daily Show“ ungeachtet einer späteren Entschuldigung Lees mit einiger Treffsicherheit kommentiert: „Einen Lynchmob zur falschen Adresse zu schicken, ist ein übler Fehler (…) Aber selbst im Fall der richtigen Adresse ist das immer noch ein übler Fehler (…) Spike, Du bist ein 55-jähriger Mann. Überlass das Cyber-Mobbing den Teenagern.“

Derzeit arbeitet Spike Lee an einem Remake von Park Chan-Wooks „Oldboy“.

Django Unchained

Django Unchained

[Abbildungen © Sony Pictures Releasing GmbH]

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