SoundTrack_Cologne 2017: Bruce Broughton erhält Lifetime Achievement Award

11. Juli 2017

Bruce Broughton | SoundTrack Cologne 14

[Lesedauer: ca. 1:30 Minuten]

Im mittlerweile 14. Jahr hat sich der Kölner Filmmusik-Kongress mit der seltsamen Schreibweise für die Vergabe des Ehrenpreises erstmals einen lupenreinen Mainstream-Komponisten aus Hollywood ausgesucht. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil: Nach einer langen Phase fast ausnahmsloser Konzentration auf hiesige Größen wie Irmin Schmidt, Peter Thomas, Christian Bruhn oder Eberhard Schoener kann man die Öffnung in Richtung Übersee nur begrüßen. Eine Umorientierung deutete bereits die vorjährige Auszeichnung von Cliff Martinez an. Jetzt also Bruce Broughton.

Mitte der 80er sah es für viele Beobachter so aus, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis der 1945 geborene Kalifornier zur Gruppe der meistgefragten Filmkomponisten seiner Generation hinzustoßen und sich neben aufstrebenden Kollegen wie James Horner oder Danny Elfman einreihen würde. Titel wie „Silverado“, „Young Sherlock Holmes“ oder „Presidio“ versprachen, nach über einem Jahrzehnt produktiver Fernseharbeit (unter anderem für Erfolgsserien wie „Dallas“ oder „Hawaii Five-O“) als Sprungbrett in Richtung Blockbusterkino zu fungieren. Doch der entscheidende Schritt blieb aus. Seit Beginn der 2000er ist Broughton wieder hauptsächlich im TV-Umfeld tätig und dabei für eine jüngere Generation von Cineasten weitestgehend unter dem Radar geblieben.

Zehnmal wurde er mit dem Emmy ausgezeichnet und noch einmal so oft nominiert. 2014 geriet er unter Beschuss der Oscar-Akademie, weil er als ehemaliger Teil des Vorstands mehrere AMPAS-Mitglieder per Email auf die Nominierung seines Songs „Alone yet not alone“ hingewiesen hatte. Es folgte eine Disqualifizierung mit der Begründung, der Komponist hätte seine Stellung innerhalb der Academy für unerlaubte Werbung missbraucht – eine Entscheidung, mit der sich viele nicht einverstanden zeigten. Die goldenene Statue ging schließlich an „Let it go“ aus „Frozen“.

Neben seiner Arbeit für die bewegten Bilder schreibt Broughton gelegentlich auch immer wieder für den Konzertsaal. Zudem war er der erste Komponist, der ein Videospiel ausschließlich mit orchestraler Musik vertonte („Heart of Darkness“). Zuletzt steuerte er den Soundtrack zu dem mit Bill Paxton, Jeffrey Dean Morgan und Ray Liotta prominent besetzten Mehrteiler „Texas Rising“ bei. Sein aktueller Film „Shot“ mit Noah Wyle („Falling Skies“) hat bislang noch keinen deutschen Starttermin.

Am 25. August berichtet Broughton im Rahmen eines Werkstattgesprächs über seine Arbeit und stellt sich anschließend den Fragen des Publikums. Der Ehrenpreis wird ihm am Folgetag verliehen. Voraussetzung für die Teilnahme an beiden Veranstaltungen ist eine (kostenpflichtige) Akkreditierung über die Homepage von SoundTrack_Cologne [1]. [LZ]

[Abbildungen: SoundTrack_Cologne]

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