Soulmate: Axelle Carolyn zeigt zensiertes Opening ihres Geisterfilms

19. August 2014

Soulmate

Als ob Zensur von Kunst und Kultur in den aufgeklärten westlichen Industrienationen nicht ohnehin schon den unangenehmen Beigeschmack antidemokratischer Maßnahmen mit sich bringen würde, leuchtet ihr selbstbewusst vor sich hergetragener Sinn und Zweck in Fällen, wo es schlicht nichts zu zensieren gibt, noch weniger ein als ohnehin schon. Die BBFC, das britische Gegenstück zur hiesigen BPjM, hat hierfür gerade erst wieder ein Vorzeigebeispiel abgeliefert (fast hätten wir gesagt: „den Vogel abgeschossen“, doch das wäre vermutlich selber schon wieder zensierenswert gewesen) und die filmische Darstellung einer gängigen Selbstmordpraxis verbieten lassen.

Zensuropfer ist die über allen Verdacht von exzessiver Gewaltdarstellung erhabene ehemalige Filmjournalistin Axelle Carolyn. Ihr von Neil Marshall („The Descent“) produziertes Spielfilmdebüt „Soulmate“ erzählt die melancholisch-unheimliche Geschichte einer jungen Frau, die nach dem Tod ihres Mannes einen einsamen Landsitz bezieht und sich dort mit einem Geist anfreundet. Nach eventuellen Splatter- oder Torture-Sequenzen wird man vergebens suchen, denn Carolyn interessiert sich – wie in ihrem Kurzfilmdebüt „The Last Post“ – mehr für die Begegnung mit dem Leben nach dem Tod als für blutige Ausschweifungen.

Stein des Anstoßes war eine einleitende Selbstmordsequenz. An sich hätte die BBFC daran nichts auszusetzen gehabt, doch dass (in einer vergleichsweise zurückhaltenden Darstellung) gezeigt wurde, wie sich die betreffende Figur die Pulsadern nicht irrtümlich quer sondern längs aufschneidet, also vom Handgelenk in Richtung Armbeuge, war den Zensoren offenbar zuviel. „Cuts were required to remove a detailed focus on a particular suicide technique”, heißt es in der Begründung und man kann nur vermuten, dass man hier ernsthaft Sorge um einen möglichen Nachahmeffekt hatte. Anders ist die Entscheidung kaum zu erklären.

Doch die belgische Filmemacherin versprach, die Sequenz trotz allem öffentlich zugänglich zu machen, und hat Wort gehalten. Seit gestern ist das originale Opening, das aus der gerade erschienenen UK-Version entfernt wurde, in voller Länge auf dem YouTube-Kanal von Carolyns Produktionsfirma Witching Hour Films zu sehen.

Soulmate – Censored Opening

[Soulmate - Zensiertes Opening]

Soulmate

[Soulmate - Trailer]

Soulmate

[Abbildungen: Witching Hour Films]

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