SMILEY | Filmkritik

02. März 2014

Jetzt ist es also soweit. Nach der Erfindung von Teaser, Trailerteaser und Teaserteaser wird jetzt auch noch die Anzahl der Trailerklicks als Verkaufsargument in den Ring geworfen. Stolze 29.577.084 Aufrufe konnte „Smiley“ offenbar bis zum Druckschlusstermin des DVD-Covers erzielen. Während diese Zeilen niedergeschrieben werden, sind es rund 200.000 mehr. Zum Vergleich: Ein inoffizieller Ausschnitt aus „Snakes on a Plane“ mit dem Titel „The famous line“ (22 Sekunden) kann aktuell 3.090.920 Klicks vorweisen. Warum wir das erwähnen? Keine Ahnung. Ähnlich aus der Luft gegriffen erscheinen jedenfalls auch die meisten Plotwendungen dieses Films, bei dem man gut beraten ist, vor dem finalen Twist noch rechtzeitig abzuschalten.

Nur dann nämlich erspart man sich die Versuchung zu überprüfen, ob es wirklich sein kann, dass Anfang und Ende einfach nicht miteinander vereinbar sind. Wir nehmen es mal vorweg: Sie sind es nicht. Ob das gewollt ist und als augenzwinkernder Kommentar auf eingefahrene Genre-Muster verstanden werden will oder wahlweise von Desinteresse, Unvermögen, Kurzsichtigkeit, Drogeneinfluss oder geistiger Umnachtung zeugt, sei einmal dahingestellt. Am Ergebnis ändert das jedenfalls nichts.

Dabei hat die Grundidee durchaus ihren Reiz: Eine Art Cyber-Slasher treibt sich geisterhaft in sozialen Netzwerken herum und schlägt immer dann zu, wenn eine bestimmte Formulierung (irgendwie originell: „I did it for the lulz“) dreimal hintereinander auf dem Bildschirm erscheint. Der Killer, ein gesichtsloser Spaßvogel, der sich ein Grinsen in die Maske geschlitzt hat, könnte aber auch nur ein Hoax sein. Das jedenfalls wollen sich einige der Figuren gegenseitig glauben machen. Wie sie an dieser Idee festhalten können, während die Morde doch ausschließlich in einer Variante von Chatroulette auftreten (also ganz dem Zufall geschuldet sind), ist mehr als schleierhaft.

Schleierhaft ist aber auch so manches andere in dieser rund 90-minütigen Indie-Produktion von und mit einer Handvoll Internet-Stars, die vermutlich großen Spaß daran hatten, ihre biologische Nische (das Netz) zum Spielfeld eines Spielfilms zu machen. Dabei hat sich Regisseur und Autor Michael J. Gallagher (verantwortet den recht erfolgreichen Youtube-Kanal „TotallySketch“) augenscheinlich ein bisschen arg am „Scream“-Franchise orientiert. Von der Dramaturgie über einzelne Charaktere bis zur Plakatgestaltung erinnert alles ziemlich bemüht an Wes Cravens verspielten Meta-Slasher, ohne dabei ein eigenes Profil zu finden.

Trotz allem ist die ganze Angelegenheit leidlich unterhaltsam, wenn auch vorhersehbar wie eine Schlechtwetterfront im Spätherbst. Dass sich der Film dabei ziemlich clever vorkommt, darf man getrost ignorieren. [LZ]

Smiley

OT: Smiley (USA 2012) REGIE: Michael J. Gallagher. BUCH: Michael J. Gallagher, Ezra Cooperstein, Glasgow Phillips. KAMERA: Nicola Marsh. MUSIK: Dave Porter. DARSTELLER: Caitlin Gerard, Melanie Papalia, Shane Dawson, Andrew James Allen, Liza Weil, Roger Bart, Keith David, Toby Turner, Jana Winternitz, Nikki Limo. LAUFZEIT: 91 Min (DVD), 95 Min (Blu-ray). VÖ: 25.02.2014

[Abbildungen Ascot Elite Home Entertainment]

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