Setbesuch bei PETTERSSON UND FINDUS

18. Dezember 2012

Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft

In den Kölner MMC-Studios stehen derzeit die Kulissen für einen Kinderfilm nach den beliebten Büchern des schwedischen Autors Sven Nordqvist. Die erste Klappe war bereits im Oktober in Erfurt gefallen, danach ging es an den Rhein. Ausgiebig gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, sowie einer ganzen Reihe anderer Förderungseinrichtungen, entsteht der Film als Co-Produktion von Senator, ZDF, Network Movie Köln und Tradewind Pictures. Den nicht unerheblichen CGI-Anteil liefert Pixomondo. Laila Oudray nutzte die Gelegenheit, einen Blick auf die Sets zu werfen und zeigte sich mehr als angetan.

Sich ein Stück Kinderseele bewahren:
Setbesuch bei PETTERSSON UND FINDUS

Wer kennt ihn nicht, den alten Pettersson, jenen bärtigen Herrn mit seinen verrückten Erfindungen, der zusammen mit dem sprechenden Kater Findus die lustigsten Abenteuer erlebt? Die beiden dürften sicher nur den Allerwenigsten fremd sein, denn die „Pettersson und Findus“-Bücher von Sven Nordqvist sind schließlich aus kaum einem Kinderzimmer mehr wegzudenken. Egal ob man sie vorgelesen bekommen oder selber vorgelesen hat, ein bisschen wird sich wohl jeder in die Welt des Erfinders und seines gewitzten Katers verliebt haben.

Jetzt kommen Pettersson und Findus bald auf die große Leinwand. Dort sind sie Wiederholungstäter, denn im Kino gab es die beiden schon öfters zu sehen (zuletzt 2009). Doch diesmal soll alles anders werden. Die Produktion ist eine deutsche und auf Zeichentrick haben die Macher im Gegensatz zu allen Vorgängern gänzlich verzichtet. Richtig gelesen! Aus der beliebten Vorlage wird ein Realfilm mit CGI-Kater.

Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft

Pettersson und Findus: Kleiner Quälgeist, große Freundschaft“ basiert auf gleich vier von Nordqvists Büchern. Im Film wird chronologisch erzählt, wie die beiden sich begegnen, wie sie gemeinsam zweimal Geburtstag feiern und wie der Kater einen Konkurrenten in Form eines Hahns bekommt. Natürlich sind auch der neugierige Nachbar Gustavsson, die nette Beda Andersson und die kleinen und frechen Mucklas mit von der Partie. Regie führt Ali Samadi Ahadi („Lost Children“).

Doch kann das Konzept einer Realversion wirklich gut gehen? Kann ein Schauspieler den alten Pettersson glaubwürdig zum Leben erwecken, lässt sich das heimelige schwedische Dorf angemessen darstellen und vor allem: Kann ein computeranimierter Findus überzeugen? Die Macher des Films haben sich jedenfalls gut vorbereitet. So vermittelt der erste Besuch am Set nur Gutes. In den Kölner MMC-Studios betritt man eine heile Welt und meint fast, durch eine Illustrationen der Bücher zu spazieren.

Viel Mühe hat man sich gegeben und ist möglichst ins Detail gegangen, um der Vorlage gerecht zu werden und die Idylle des kleinen Dorfes mit anliegender Landschaft überzeugend wiederzugeben. Ein Hügelpanorama auf einer 360-Grad-Leinwand schafft dem ewigen Sommer Raum und man fühlt sich zurückversetzt in eine Zeit, als es in den Ferien noch zur Oma aufs Dorf ging.

Das Ausstattung tut ihr Übriges. Am Set verstreut stehen alte Obstbäume, die eine heimelige Familienszenerie hervorzurufen. Überall sind kleine Büsche, große Sonnenblumen und kurze Feldwege zu sehen, und wenn man ganz genau hinschaut, findet man hier ein winziges Sofa und dort einen putzigen Tisch. Das sind die Möbel der Mucklas, die immer wieder Kleinigkeiten von Pettersson und Findus stibitzen und auf diese Weise auch im Film ihr Unwesen treiben.

Derartige Detailverliebtheit setzt sich in den Bauten und ihren Inneneinrichtung fort. So gibt es in Petterssons Haus überall unfertige Baupläne und Erfindungen zu entdecken, die einen neugierig machen herauszufinden, welche lustigen Abenteuer der alte Mann damit wohl erleben wird.

Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft

Auch was die Schauspieler angeht, hat man sich um Originaltreue bemüht. Ulrich Noethen als Pettersson sowie Marianne Sägebrecht als Beda Andersson (beide kinderfilmerfahren) machen in ihren Rollen eine gute Figur. Noethen, der schon als Bruno Taschenbier in „Das Sams“ Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistern konnte, sieht seiner Figur mit riesigen gelben Hut, runder Brille und Vollbart nicht nur verblüffend ähnlich, sondern überzeugt auch mit einer freundlichen, aber dennoch schüchternen Ausstrahlung. Auch Sägebrecht kommt der Rolle der Beda Anderson optisch sehr nahe. Mit Flechtfrisur und einer etwas matronenhaften Figur ausgestattet, will man sie am liebsten umarmen, weil man weiß, dass man dann die besten Kekse der Welt geschenkt bekommt – denn die hat sie immer in ihrer Schürze versteckt.

Der erste Eindruck ist also durchweg positiv, aber noch bleiben einige Fragen offen. Die wichtigste: Was ist mit Findus? Die animierte Version des Katers mit der grünen Hose wird erst im Laufe des nächsten Jahres entstehen und dann in den Film eingebunden. Während des Drehs arbeiten die Schauspieler also einzig mit ihrer Vorstellungskraft, und beide geben zu, dass genau dies eine besondere Herausforderung für sie war. Man darf also gespannt sein, ob den Machern der Versuch einer Realfilm-Version der beliebten Kinderbücher glücken wird.

Bis dahin muss man sich allerdings noch etwas gedulden. „Pettersson und Findus: Kleiner Quälgeist, große Freundschaft“ kommt voraussichtlich erst 2014 in die Kinos. Für alle, die ihrem Nachwuchs die lange Wartezeit verkürzen wollen, gibt es jedoch eine gute Nachricht: Anfang 2013 erscheint nach 10 Jahren Pause endlich ein neues „Pettersson und Findus“-Buch. [Laila Oudray]

Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft

Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft

Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft

[Fotos: Laila Oudray | Tradewind Pictures]

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