Scream Awards 2009 versinken in Mainstream und Belanglosigkeit

20. November 2009

Eine heiße Sache waren die Scream Awards, als sie 2006 zum ersten Mal vergeben wurden. Die vom MTV-Tochterkanal SPIKE ins Leben gerufene Auszeichnung für Filme und Genres, die bei den meisten sonstigen Preisverleihungen eher außen vor bleiben (Horror, Fantasy, Science Fiction), fiel in erster Linie durch eine ziemlich wilde Show auf und bot allen Teilnehmern ausführlich Gelegenheit zu demonstrieren, dass man im Vergleich zum etablierten Hollywood vor allem eines war: Anders.

Scream 2009 (Quelle / Source: www.spike.com)

2009 ist davon nicht mehr sonderlich viel zu spüren. Das Publikum präsentiert sich zwar immer noch durchweg in möglichst abseitiger Kostümierung, und die Kategorien, in denen die Awards vergeben werden, sind weiterhin schräg bis gaga, aber im Großen und Ganzen ist vom anarchischen Pioniergeist kaum mehr übrig geblieben als ein leidlich kurioser Award-Cocktail mit Halloween-Flavor.

Unter den Gewinnern gab es keine sonderlichen Überraschungen: „Star Trek“, „Twilight“, „Transformers: Die Rache“, sowie „Harry Potter und der Halbblutprinz“ waren die Abräumer in den Kinokategorien, im TV-Sektor ließ die HBO-Vampirserie „True Blood“ alle Konkurrenten hinter sich.

Die zunehmende Mainstreamlastigkeit fällt dabei nicht unbedingt positiv auf, und sie beginnt schon bei den Nominierungen. Produktionen wie „Dead Snow“ oder „Splinter“ bildeten eher die Ausnahme, doch selbst ein Film wie „Outlander“, der trotz einer nie zustande gekommenen Kinoauswertung eine vergleichsweise breite Fanbase mobilisieren konnte, ging neben den Blockbustern der jeweiligen Kategorie schlicht unter.

Gewinner Scream 2009: Transformers - Die Rache (Transformers - Revenge of The Fallen). Photo: Courtesy of Paramount Pictures. All rights reserved.

Erklärbar ist das durchaus, denn der Scream Award wird vom Publikum vergeben. Es liegt also im Interesse von SPIKE, sein Angebot an Nominierungen möglichst breitflächig anzulegen, um die Quote hochzutreiben. Denn (und das darf man bei aller kritischen Bewertung nie vergessen) diese Preisverleihung ist nicht mehr und nicht weniger als eine Werbemaßnahme in eigener Sache.

Man kann zudem davon ausgehen, dass für die exklusiven Ausschnitte aus kommenden Kinospektakeln, die unter dem Label „World Premiere“ im Rahmen der Show ausgestrahlt wurden, der eine oder andere Dollar mehr über die blutgetränkte Ladentheke ging. Zahlen können das selbstverständlich nur die großen Studios, und so gab es zwangsweise lediglich Appetithappen aus künftigen Blockbustern zu sehen (etwa „Shutter Island“, „Twilight: New Moon“ oder „Alice in Wonderland“). Zudem warb eine zuvor nie gezeigte Sequenz aus „Star Trek“ stillschweigend für die zugehörige DVD-Veröffentlichung des Films.

Gewinner Scream 2009: Star Trek (Chris Pine, Zachary Quinto). Foto: Paramount Pictures Germany GmbH

Im Grundsatz gehörten derartige Strategien zwar von Anfang an zum Konzept, doch lässt die offensichtlich zunehmende Konzentration auf kassemachende Großproduktionen die Scream Awards mittlerweile zu einer austauschbaren Werbeplattform verkommen. 2006 hatte die absurde Vorabvermarktung des damals noch nicht einmal fertiggestellten „Grindhouse“-Projekts von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez immerhin noch den Charme dreisten Schwachsinns. Hatte man den beiden doch einfach mal vorab einen Preis verliehen und zudem die gesamte Show von drei Darstellerinnen des Double Features moderieren lassen. Genutzt hat es übrigens wenig, denn der Film floppte gnadenlos.

Die einzige echte Ausnahme im Mainstream-Einerlei der Nominierungen bildete der schwedische Vampirfilm “Let the right one in”, der mit gleich neun Nominierungen ins Rennen ging, am Ende jedoch lediglich als bester ausländischer Film ausgezeichnet wurde.

Den Award für „Most Memorable Mutilation“ hätte die Veranstaltung sich dieses Jahr übrigens gleich selber verleihen können. Denn besonders im Vergleich zu 2008, als man den Auftritt von Geroge Lucas noch mit einem ganzen Heer von aufmarschierenden Stormtroopern vorbereitet hatte, blieben aufwendige Inszenierungen diesmal praktisch völlig aus. Musik-Acts sparte man sich zum ersten Mal ebenso, und so verkam die Show weitestgehend zu einer wenig überzeugenden Vergabeparade, deren Unterhaltungswert zunehmend gegen Null tendierte.

Lieblos zusammengeschnitten und in der deutschen Fassung zudem erneut mir trashiger Overlay-Synchronisation versehen, boten die Scream Awards 2009 vor allem Anlass, frühzeitig wegzuzappen.

Keine Chance bei den Scream Awards: Outlander. Foto: Wild Bunch

Alle Kategorien, Nominierungen und Gewinner im Überblick:

The Ultimate Scream

Drag me to Hell
Let the right one in
Star Trek [Gewinner]
Transformers: Revenge of the Fallen
Twilight
Up

Best Horror Movie

Dead Snow
Drag me to Hell [Gewinner]
Friday the 13th
Let the right one in
My bloody Valentine 3D
Splinter

Best Sciene Fiction Movie

Knowing
Moon
Outlander
Star Trek [Gewinner]
Terminator Salvation
Transformers: Revenge of the Fallen

Best Fantasy Movie

Coraline
Harry Potter and the Half-Blood Prince
Twilight [Gewinner]
Up
Watchmen
X-Men Origins: Wolverine

Best TV-Show

Battlestar Galactica
Dexter
Fringe
Lost
Terminator: The Sarah Connor Chronicles
True Blood [Gewinner]

Best Horror Actress

Jennifer Carpenter („Quarantine“)
Jamie King („My Bloody Valentine 3D“)
Lina Leandersson („Let the right one in“)
Alison Lohman („Drag me to Hell“)
Anna Paquin („True Blood“) [Gewinner]
Monica Potter („The last House on the left“)

Best Horror Actor

Bruce Campbell („My name is Bruce“)
Michael C. Hall („Dexter“)
Kare Hedebrant („Let the right one in“)
Justin Long („Drag me to Hell“)
Ryan Kwanten („True Blood“)
Stephen Moyer („True Blood“) [Gewinner]

Best Fantasy Actress

Anna Friel („Pushing Daisies“)
Scarlett Johansson („The Spirit“)
Jaime King („The Spirit“)
Rhona Mitra („Underworld: Rise of the Lycans“)
Kristen Stewart („Twilight“) [Gewinner]
Emma Watson („Harry Potter and the Half-Blood Prince“)

Best Fantasy Actor

Ed Asner („Up“)
Hugh Jackman („X-Men Origins: Wolverine“)
Robert Pattinson („Twilight“) [Gewinner]
Brad Pitt („The curious case of Benjamin Button“)
Daniel Radcliffe („Harry Potter and the Half-Blood Prince“)
Michael Sheen („Underworld: Rise of the Lycans“)

Best Science Fiction Actress

Moon Bloodgood („Terminator Salvation“)
Eliza Dushku („Dollhouse“)
Megan Fox („Transformers: Revenge of the Fallen“) [Gewinner]
Lena Heady („Terminator: The Sarah Connor Chronicles“)
Katee Sackhoff („Battlestar Galactica“)
Zoe Saldana („Star Trek“)

Best Science Fiction Actor

Nicolas Cage („Knowing“)
Josh Holloway („Lost“)
Shia LaBeouf („Transformers: Revenge of the Fallen“)
Chris Pine („Star Trek“) [Gewinner]
Zachary Quinto („Star Trek“)
Sam Rockwell („Moon“)

Best Supporting Actress

Jennifer Carpenter („Dexter“) [Gewinner]
Ashley Greene („Twilight“)
Carla Gugino („Watchmen“)
Evanna Lynch („Harry Potter and the Half-Blood Prince“)
Shirley Manson („Terminator: The Sarah Connor Chronicles“)
Rutina Wesley („True Blood“)

Best Supporting Actor

Ryan Reynolds („X-Men Origins: Wolverine“) [Gewinner]
Simon Pegg („Star Trek“)
Leonard Nimoy („Star Trek“)
Taylor Kitsch („X-Men Origins: Wolverine“)
Rupert Grant („Harry Potter and the Half-Blood Prince“)
Nelsan Ellis („True Blood“)

Breakout-Performance Female

Anna Torv („Fringe“)
Zoe Saldana („Star Trek“)
Lorna Raver („Drag me to Hell“)
Isabel Lucas („Transformers: Revenge of the Fallen“) [Gewinner]
Lina Leandersson („Let the right one in“)
Malin Akerman („Watchmen“)

Breakout-Performance Male

Sam Trammell („True Blood“)
Taylor Kitsch („X-Men Origins: Wolverine“)
Taylor Lautner („Twilight“) [Gewinner]
Robert Pattinson („Twilight“)
Chris Pine („Star Trek“)
Will I. Am („X-Men Origins: Wolverine“)
Sam Worthington („Terminator Salvation“)

Best Cameo

Kate Beckinsale („Underworld: Rise of the Lycans“)
Helena Bonham Carter („Terminator Salvation“)
Winona Ryder („Star Trek“) [Gewinner]
Arnold Schwarzenegger´s Face („Terminator Salvation“)
Patrick Stewart („X-Men Origins: Wolverine“)
Rainn Wilson („Transformers: Revenge of the Fallen“)

Best Ensemble

Battlestar Galactica
Lost
Star Trek
True Blood
Twilight
Watchmen
Harry Potter and the Half-Blood Prince [Gewinner]

Best Director

J.J. Abrams („Star Trek“)
Tomas Alfredson („Let the right one in“)
Michael Bay („Transformers: Revenge of the Fallen“)
Pete Docter, Bob Peterson („Up“)
Duncan Jones („Moon“)
Sam Raimi („Drag me to Hell“)

Best Foreign Movie

Dead Snow / Norwegen
Eden Lake / England
Let the right one in / Schweden [Gewinner]
Martyrs / Frankreich
Pontypool / Kanada
Timecrimes / Spanien

Best Sequel

Harry Potter and the Half-Blood Prince
Punisher: War Zone
Terminator Salvation
Transformers: Revenge of the Fallen [Gewinner]
Underworld: Rise of the Lycans
X-Men Origins: Wolverine

Best F/X

Drag me to Hell
Harry Potter and the Half-Blood Prince
Star Trek
Terminator Salvation
Transformers: Revenge of the Fallen [Gewinner]
Watchmen

Scream Song of the Year

Rob Zombie: War Zone („Punisher: War Zone“)
Linkin Park: New Divide („Transformers: Revenge of the Fallen“) [Gewinner]
They might be Giants: Other Fathe Song („Coraline“)
My Chemical Romance: Desolation Row („Watchmen“)
Paramore: Decode („Twilight“)
Jace Everett: Bad Things („True Blood“)

Best Comic Book Artist

Tony Harris, Jim Clark („Ex Machina“)
Steve McNiven („Wolverine: Old Man Logan“) [Gewinner]
Eric Powell („The Goon“)
Frank Quitely („All Star Superman”, „Batman and Robin“)
Ivan Reis („Green Lantern“)
John Romita, Jr. („Amazing Spider-Man”, „Kick-Ass“)

Best Villain

Eric Bana: Nero („Star Trek“)
Helena Bonham Carter: Bellatrix Lestrange („Harry Potter and the Half Blood Prince“)
Cam Gigandet: James („Twilight“)
Lorna Raver: Mrs. Ganush („Drag Me To Hell“)
Liev Schreiber: Victor Creed/Sabretooth („X-Men Origins: Wolverine“)
Alexander Skarsgard: Eric Northman („True Blood“) [Gewinner]

Best Superhero

Ray Stevenson: The Punisher („Punisher: War Zone“)
Taylor Kitsch: Remy LeBeau/Gambit („X-Men Origins: Wolverine“)
Hugh Jackman: Logan/Wolverine („X-Men Origins: Wolverine“) [Gewinner]
Jackie Earle Haley: Rorschach („Watchmen“)
Billy Crudup: Doctor Manhattan („Watchmen“)
Malin Akerman: Silk Spectre II („Watchmen“)

Best Scream-Play

Henry Selick („Coraline“)
Sam Raimi, Ivan Raimi („Drag me to Hell“) [Gewinner]
John Ajvide Lindqvist („Let the Right One In“)
Duncan Jones, Nathan Parker („Moon“)
Roberto Orci, Alex Kurtzman („Star Trek“)
Bob Peterson, Pete Docter, Thomas McCarthy („Up“)

Most Memorable Mutilation

The Arm Removal Surgery („Splinter“)
Arms Cut Off by Rotary Saw („Watchmen“)
The Eyeball Cake („Drag Me To Hell“)
Head Ripped Apart by Nazi Zombies („Dead Snow“)
The Pendulum Trap („Saw V“) [Gewinner]
The Swimming Pool Scene („Let the Right One In“)

Fight Scene of the Year

The Car Fight („Drag Me To Hell“)
Logan and Victor vs. Weapon XI („X-Men Origins: Wolverine“)
Martin and Roy vs. The Nazi Zombies („Dead Snow“)
Optimus Prime vs. The Fallen („Transformers: Revenge of the Fallen“)
Kirk vs. Spock („Star Trek“) [Gewinner]
Ozymandias vs. The Comedian („Watchmen“)

Holy S***!Scene of the Year

The Swimming Pool Scene („Let the Right One In“)
The Subway Crash („Knowing“)
The Séance („Drag Me To Hell“)
Space Dive Onto Orbital Drill („Star Trek“)
The Destruction of Manhattan („Watchmen“)
The Death Eaters Attack London („Harry Potter and the Half-Blood Prince“) [Gewinner]

Best Comic Book

Green Lantern [Gewinner]
Hack/Slash
Kick-Ass
Thor
The Walking Dead
Wolverine: Old Man Logan

Best Comic Book Writer

Brian Michael Bendis
Joe Hill
Grant Morrison
Geoff Johns [Gewinner]
Mark Millar
Brian K. Vaughan

Best Comic Book Movie

Dragonball Evolution
Punisher: War Zone
The Spirit
Watchmen
X-Men Origins: Wolverine

Spezialpreise

Most Anticipated Fantasy Film: Alice in Wonderland
Most Anticipated Science Fiction Film: Iron Man 2
Breakout Movie of the Year: Zombieland
The Comic-Con Icon Award: Stan Lee
The Scream Rock Immortal Award: Keith Richards
The Scream Mastermind Award: George A. Romero
Farewell Tribute: Battlestar Galactica

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