Schwermetall Chronicles (Staffel 1) | DVD-Review

13. März 2013

Schwermetall Chronicles

Noch so ein Projekt, von dem Robert Rodriguez seit Jahren erzählt, ohne dass irgendein Fortschritt in Sicht wäre: eine Realfilmadaption der legendären Comicreihe „Métal Hurlant“, die den meisten wohl vor allem in Gestalt der animierten Verfilmung von 1981 und unter dem amerikanisierten Titel „Heavy Metal“ bekannt ist. Zwischenzeitlich war gar einmal von einer Bühnenversion die Rede, doch bis heute ist aus keinem der Pläne etwas Greifbares geworden. Guillaume Lubrano und Justine Veillot kann das Stocken nur recht sein. 2009 begannen die beiden mit der Entwicklung einer TV-Serie und legten erst einmal einen selbstfinanzierten Piloten vor. Das Konzept ging auf: Die sechsteilige erste Staffel ist bis heute in rund 30 Länder verkauft worden.

Im Grunde lag die Idee auf der Hand. Die Comicreihe war von ihren Erfindern Dionnet, Druillet and Moebius als SciFi-Anthologie konzipiert worden und stand damit ganz in der Tradition von TV-Serien wie „Twilight Zone“ oder „The Outer Limits“. Jede Geschichte setzt mit neuen Figuren an und wechselt mitunter gar die Universen. Einziges Verbindungsglied ist der einsam durchs All irrende „Métal Hurlant“, verbliebener Restbestand eines von seinen Bewohnern zerstörten Planeten, verdammt zu einer ewig währenden Odyssee ohne Ziel. Er bringt Verderben über alle, deren Weg er kreuzt, und so wartet jede Episode am Ende mit einer für die Protagonisten wenig erfreulichen Überraschung auf.

Metal Hurlant

Schwermetall Chronicles

Die Macher haben sich ganz an das Konzept der Comics gehalten, und das tut den Episoden denkbar gut. Ausschließlich Originalgeschichten haben sie sich ausgesucht und diese zu jeweils 26-minütigen Folgen verarbeitet. Dass hier echte Fans bei der Arbeit waren, lässt sich kaum übersehen. Detailgetreu ist der Look der Vorlagen reproduziert worden, einzelne Panels wurden zum Teil offenbar gar bis ins Framing hinein nachempfunden (Regie bei allen Episoden: Guillaume Lubrano).

Erwartungsgemäß kommt eine Menge Greenscreen zum Einsatz, der die futuristisch-fantastischen Welten der Comics zum Leben erweckt, aber auch zwangsweise eine gewisse Künstlichkeit mit sich bringt. Dass die Serie dabei nur sehr eingeschränkt mit ähnlich gelagerten Produktionen konkurrieren kann, ist keine Frage von Talent, sondern ausschließlich von Budget. Der nächste Verwandte der „Schwermetall Chronicles“ ist in Stil und Tonfall ohnehin weniger „Sin City“ oder „300“ als vielmehr Enki Bilals „Immortal“.

Einsame Krieger, mythische Kreaturen, allwissende Aliens – das sind die Bewohner der Universen, in denen sich die einzelnen Geschichten abspielen: In einer archaischen Zukunft entscheiden gladiatorenartige Zweikämpfe über die Nachfolge des Königs; göttergleiche Kreaturen entsenden einen Killer, um einen Dämon zu töten, der großes Leid über die Menschheit bringen wird; ein vor Jahrhunderten eingefrorener Überlebender aus vergangenen Zeiten wird wieder zum Leben erweckt und kurz darauf hingerichtet; eine außerirdische Rasse schaut dabei zu, wie sich ihre Weissagungen über den Todeszeitpunkt jedes Individuums bewahrheiten. Und so weiter.

Schwermetall Chronicles

Schwermetall Chronicles

So und ähnlich verlaufen die Schicksale in der Welt der „Schwermetall Chronicles“: mystisch, düster und höchst unterhaltsam. Eine echte Ausnahme vom durchgängig futuristischen Setting bietet die Episode „Shelter Me“, die ausschließlich in einem Bunker spielt und vor allem als Charakter-Drama funktioniert. Ein bisschen wirkt sie neben den anderen Folgen wie ein Fremdkörper, doch zeigt sie zugleich auch das breite Spektrum der Comicreihe und macht Lust auf mehr. Ob es eine zweite Staffel geben wird, ist derzeit allerdings noch nicht bekannt.

Durchweg überraschend gut sind übrigens die schauspielerischen Leistungen der (allesamt englischsprachigen) Darsteller. Einige prominente Gesichter wie Rutger Hauer, Dominique Pinon, James Marsters oder Kelly Brook (richtig, „Piranha 3D“) sorgen zwar für interessante Cameo-Effekte, wären aber ebenso gut auch verzichtbar gewesen. Und das ist letztlich ein echtes Qualitätsmerkmal. [LZ]

OT: Métal Hurlant Chronicles (FR/BE 2012) REGIE: Guillaume Lubrano. BUCH: Guillaume Lubrano, Justine Veillot, R.A. Jones. MUSIK: Jesper Kyd. KAMERA: Matthieu Misiraca. DARSTELLER: Scott Adkins, David Belle, Craig Fairbrass, Joe Flanigan, Rutger Hauer, Grégory Basso, Kelly Brook, Michelle Ryan, James Marsters, Dominique Pinon, Michael Jai White, Charlie Dupont. LAUFZEIT: 156 Min. In Deutschland auf DVD und Blu-ray.

Schwermetall Chronicles

[Abbildungen: Universal Pictures Germany (Stills, Cover) | WE Productions (Comics)]

Metal Hurlant

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