Rudolph-Dirks-Award im Rahmen der Comic Con Dortmund erstmals vergeben

04. Dezember 2016

Rudolph-Dirks-Award 2016

Die Ziele sind eher unbescheiden: Mit dem frisch aus der Taufe gehobenen und nach dem deutschen Comic-Pionier Rudolph Dirks benannten Preis will man eine Art hiesiges Pendant zum renommierten Eisner-Award etablieren. Das scheint einigen der einschlägigen Verlage aber derzeit noch ziemlich egal zu sein, denn zur feierlichen Vergabe am vergangenen Freitag im Rahmen der Comic Con Dortmund hatten nur wenige nominierte Publisher auch tatsächlich (mindestens) einen Vertreter geschickt.

Umso besser etwa für Carlsen, Panini und Cross Cult, die sogar den einen oder anderen ausgezeichneten Autor mitgebracht hatten, darunter Flix (ging mit je einem Preis für „Schöne Töchter“ und „Münchhausen“ heim), Tobi Dahmen („Fahrradmod“), Sascha Wüstefeld („Das UPgrade“) und Nils Oskamp („Drei Steine“). Mangaspezialist Tokyopop ging trotz Präsenz vor Ort hingegen leer aus – ein wenig verständlicher Umstand, den man angesichts von rund 30, nicht immer ganz einsichtigen Kategorien leicht aus den Augen verlieren konnte.

Basierend auf einer zuvor ermittelten Shortlist wurden die Gewinner von einer (laut Veranstalter) etwa 100-köpfigen Experten-Jury ermittelt – über Beliebtheit und Verkaufszahlen sagt der Award also bestenfalls eher nichts aus. Worüber er hingegen tatsächlich etwas aussagt, bleibt eine offene Frage. Dass etwa Robert Kirkman mit „The Walking Dead“ und gleichzeitig „Outcast“ in der Kategorie „Best Scenario“ (in absurdem Kategorienwahn auch noch einmal extra auf Nordamerika eingeschränkt) gegen Craig Thompson und dessen Graphic Novel „Weltraumkrümel“ gewinnt (zwei Szenarien gegen eins?), letzterer dafür aber den Preis für „SciFi/Alternate History“ bekommt, ist typischer Award-Nonsens.

Die Tatsache dass kaum ein Preisträger zugegen war und selbst vorab aufgezeichnete Dankesvideos nur in wenigen Ausnahmefällen als Ersatz herhalten konnten, nutzte Moderator und Comic-Übersetzer Matthias Wieland clever als Steilvorlage für eine insgesamt souverän-amüsante Moderation, die dem noch etwas improvisiert wirkenden Charakter der Veranstaltung die nötige Selbstironie abgewinnen konnte.

Für manche Stellschraube besteht sicher noch Bedarf zur Nachjustierung (man bedenke nur: Als dieser Beitrag verfasst wird, sind die Gewinner weder auf der Homepage der Awards noch auf dessen Facebook-Seite gelistet), insgesamt sollte sich die Branche aber über den neuen Preis freuen und ihn ausgiebig goutieren – dem Medium selber kann jede öffentlichkeitswirksame Bemühung um Würdigung jedenfalls nur gut tun. [LZ]

Die Kategorien und Gewinner im Einzelnen:

Funny:
„Noch ein Ratgeber für schlechte Väter“ von Guy Delisle

Super Hero:
„Ms. Marvel“ von Alphona / Willow Wilson

SciFi / Alternate History:
„Weltraumkrümel“ von Craig Thompson

Best Scenario North America:
Robert Kirkman für „Outcast“ und „The Walking Dead“

Best Artwork North America:
Babs Tart für „Batgirl – Die neuen Abenteuer“

Fantasy:
„Mouse Guard“ von David Petersen

Supernatural / Mythology:
„Saga“ von Brian K. Vaughan und Fiona Staples

Horror / Gore:
„In the Pines“ von Erik Kriek

Best Scenario South America:
Hector G. Oesterheld für „Eternauta“

Best Artwork South America:
Francisco Solano López für „Eternauta“

Crime / Thriller / Spy:
„Ich der Mörder“ von Antonio Altaribba und Keko

Action / Adventure:
„Last Man“ von Bastien Vives

Youth Drama / Coming of Age:
„Ein Sommer am See“ von Mariko Tamaki & Jilian Tamaki

Best Scenario Asia:
Jiro Taniguchi für „Ihr Name war Tamoji“ und „Die Wächter des Louvre“

Best Artwork Asia:
Naoki Urasawa für „Billy Bat“

Social Drama / Slice of Life:
Flix für „Schöne Töchter“

Historical Drama:
„Arsene Schrauwen“ von Olivier Schrauwen

Biography:
„Drei Steine“ von Nils Oskamp

Best Scenario Africa & Oceania:
Simon Hanselmann

Best Artwork Africa & Oceania:
Simon Hanselmann

Documentary / Scientific:
„Der Realist“ von Asaf Hanuka

Experimental / Alternative:
„Das UPgrade“ von Sascha Wüstefeld und Ulf S. Graupner

Romance / Love Story:
„Ein Ozean der Liebe“ von Wilfred Lupan

Best Scenario Europe:
Lewis Trondheim für „Ralph Azham“ und „Herr Hase“

Best Artwork Europe:
Brecht Evens für „Panther“

Mature / Erotic:
„Love Addict“ von Koren Shadmi

Literary Adaption:
„Münchhausen – Die Wahrheit über das Lügen“ von Flix und Bernd Kissel

Re-edition of classic material:
„Corto Maltese“-Gesamtausgabe von Hugo Pratt

Best Scenario Germany:
Tobi Dahmen für „Fahrradmod“

Best Artwork Germany:
Sascha Wüstefeld für „Das UPgrade“

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