Rose McGowan: Brave | UK-Ausgabe deutlich kürzer als US-Fassung

27. Februar 2018

Rose McGowan

[Lesedauer: ca. 1:20 Minuten]

Bis am 3. April die deutschsprachige Version von Rose McGowans vieldiskutierter Autobiographie erscheint, bleibt dem interessierten Leser hierzulande nur der Griff zur Originalausgabe. Wer sie im Buchhandel oder bei einem einschlägigen Online-Dienstleister bestellt, wird in aller Regel eine Ausgabe von Harper Collins UK bekommen und sich nicht weiter darüber wundern. Dass er eigentlich jedoch lieber die für den US-Markt bestimmte Fassung lesen würde, davon weiß er nichts. Zwischen beiden Versionen gibt es nämlich erhebliche Unterschiede.

Insgesamt summieren sich die fehlenden Absätze und Episoden der UK-Ausgabe auf über 10 Seiten. Format, Schrifttypus und -größe sind identisch, der Inhalt ist es nicht. Auf Nachfrage versicherte uns Verlagssprecherin Fiona Allen schriftlich, das von ihnen vertriebene Buch sei die autorisierte Fassung für den britischen Markt, also von der Autorin in der vorliegenden Form freigegeben (so muss man jedenfall schließen). Über die US-Version könne sie sich nicht äußern. Nachfragen unsererseits zu den Gründen, warum bestimmte Teile der amerikanischen Ausgabe nicht enthalten seien, ließ sie bis zum jetzigen Zeitpunkt unbeantwortet.

Eine der Episoden, die man in der UK-Version vergeblich sucht, beschreibt, wie McGowan von ihrem damaligen Lebensgefährten Robert Rodriguez zu einem Lügendetektortest gedrängt wurde. Deutlich auskunftsfreudiger als seine Kollegin zeigte sich ein anderer Verlagsmitarbeiter. Seinen Angaben gemäß seien die Gründe, weshalb man die betreffenden Passagen nicht übernommen habe, rechtlicher Natur gewesen (schriftlich: „legal reasons“). Es steht also zu vermuten, dass man entweder juristische Konsequenzen befürchtete oder bereits eine Unterlassungsverfügung auf dem Tisch liegen hatte.

Zufriedenstellen kann einen das nicht. Denn für ein Buch, das mit der Intention antritt, die mysogynen Mechanismen der Entertainment-Industrie aufzudecken, ist jegliche Form von rechtlich bedingter Kürzung ein ziemlich unerfreulicher Tatbestand. Rose McGowan war angetreten, nach 20 Jahren endlich kompromisslos die Wahrheit zu sagen und nicht weiter schweigen zu müssen. In gewissem Sinne sieht es aber nun so aus, als habe sich erneut ein Weg gefunden, ihr einen Maulkorb zu verpassen – wenn auch nur in Teilen. Aus Sicht des Verlags mag das eine Notwendigkeit gewesen sein. Andere würden vielleicht eher von Zensur sprechen.

Es bleibt nun abzuwarten, ob sich die deutsche Ausgabe an den Wortlaut der US-Version hält oder man der Empfehlung des Hausjuristen folgt und ebenfalls den einen oder anderen Absatz lieber streicht. Mit Mut in irgendeiner Form – und damit dem Kern von McGowans Buch – hätte Letzteres jedenfalls nichts zu tun. [LZ]

[Abbildung: Rose McGowan (twitter.com/rosemcgowan)]

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