ROSA: Ein-Mann-Animationsfilm von Jesús Orellana

12. November 2011

Die Zeiten, in denen sich ohne horrende Budgets und eine umfangreiche Crew kein Film machen ließ, gehören ein für allemal der Vergangenheit an. Viel erstaunlicher jedoch als die unüberschaubare Flut digitaler Laienproduktionen mit hohem Dilettantismusfaktor ist mittlerweile die zunehmende Zahl an No-Budget-Arbeiten, die zumindest hinsichtlich ihres Looks den Vergleich mit ultrateuerem Eye Candy großer Studios nicht zu scheuen brauchen. Im Regelfall entstehen sie fast zu einhundert Prozent am Rechner und lassen manchmal sogar echte Virtuosität erkennen. Ein aktuelles und besonders überzeugendes Beispiel für diese Entwicklung ist der knapp 10-minütige Animationsfilm „Rosa“ des Spaniers Jesús Orellana.

Die Ein-Mann-Produktion entstand über einen Zeitraum von etwa einem Jahr und brauchte tatsächlich weder ein Budget noch eine Crew. Orellana erarbeitete sich seinen Film gänzlich ohne fremde Hilfe und konnte so problemlos auf zeitraubende End Credits verzichten. Genau da liegt aber auch die eigentliche Sensation von „Rosa“. Denn die eher dünne Geschichte eines Cyborgs, der in einem dystopischen Szenario aufwacht und schon bald um sein Leben kämpfen muss, ist nicht wesentlich mehr als eine Abfolge von Action-Sequenzen ohne größere dramaturgische Tiefe oder erkennbare Charakterzeichnung. Die Optik ist unbestreitbar fantasiereich und bis ins Detail durchdesignt, doch ein grundsätzlicher Unterschied zum Look einschlägiger Computergames besteht kaum.

Doch darum geht es auch nicht. Wüsste man nicht um die Produktionsbedingungen, so wäre Orellanas Film nicht einmal halb so interessant. Die Tatsache aber, dass man es hier mit einem Autorenprojekt im engsten Wortsinn zu tun hat, lässt so manchen aufmerken und zeigt, dass sich alle anderen Künste, die eine singuläre Urheberschaft zulassen, langsam aber sicher darauf einstellen müssen, das Kino bald in ihren exklusiven Club mit aufnehmen zu müssen.

Für Orellana hat sich die Mühe bereits gelohnt, denn nach erfolgreichen Screenings auf renommierten Festivals wie dem Seattle International, dem Toronto After Dark, Sitges und Screamfest sind längst namhafte Agenturen und Hollywood-Produzenten auf den jungen Spanier aufmerksam geworden. Ob dieser allerdings auch in der Lage ist, eine Geschichte zu erzählen, oder doch mehr dem Typus des Regiedesigner vom Schlage eines Zack Snyder zugehört, wird sich erst noch herausstellen. Eine Spielfilmvariante von „Rosa“ soll jedenfalls bereits in Arbeit sein.

[Abbildungen: Jesús Orellana | Rosamovie.com]

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Eine Antwort zu “ROSA: Ein-Mann-Animationsfilm von Jesús Orellana”

  1. Erik sagt:

    Respekt, dafür braucht man viel Liebe und Hingabe um so ein Projekt umzusetzen.

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