Robot Overlords | Filmkritik: Vier Kids legen Besatzungsmacht lahm, Kollaborateur Ben Kingsley machtlos

20. August 2015

Robot Overlords

Was da in den letzten Jahren so alles im Fahrwasser der „Hunger Games“-Filme angeschwemmt worden ist, gehört im Wesentlichen zu jener Sorte Treibgut, die niemand wirklich braucht. Die gängige YA-Dystopie verlässt sich auf die immer gleichen Zutaten: ein unterdrückerisches System, ein wehrlose Masse, ein Jugendlicher mit besonderen Fähigkeiten (fungiert als Messias), ein übler Gegenspieler (meist mit namhaftem Darsteller besetzt), eine Liebesgeschichte als Beiwerk – und natürlich die zugrundeliegende Bestseller-Trilogie. „Robot Overlords“ bildet da keine Ausnahme. Und doch finden sich zwei entscheidende Abweichungen von der Regel: 1. Es gibt keine literarische Vorlage und 2. die Independent-Produktion aus UK ist sympathisch, liebenswert und richtig, richtig gut.

Kann das sein? Es kann. Denn hinter der nicht unoriginellen Scifi-Geschichte um außerirdische Roboter, die den Planeten belagern, steckt „Grabbers“-Macher Jon Wright und die gänzliche Abwesenheit eines schwerfälligen Studioapparates. Beides ist dem Film von der ersten bis zur letzten Minute anzusehen. Die vier jugendlichen Hauptrollen wurden mit unbekannten Newcomern besetzt, die so unbelastet an die Arbeit gegangen sind, dass es eine Freude ist, jedem einzelnen von ihnen zuzusehen. Das scheint auch auf die erwachsenen Darsteller abgefärbt zu haben. Die allzeit wunderbare Gilian Anderson (zuletzt: „Hannibal“) war nie entspannter und selbst der arg inflationär besetzte (und leider wenig wählerische) Ben Kingsley hält seine üblichen Manirismen angenehm zurück.

Drei Jahre, nachdem die Erde von entfernten Verwandten der Transformers angegriffen und besetzt wurde, setzt die Handlung ein. Der Übermacht aus dem Weltall hat die Menschheit nichts entgegenzusetzen und so muss sie die Regeln der Invasoren befolgen: Niemandem geschehe etwas, solange er seine Behausung nicht verlässt. Wer sich allerdings widersetzt, wird schlicht und einfach pulverisiert. Kontrolliert durch elektronische Implantate, haben sich die Bewohner einer kleinen englischen Hafenstadt einigermaßen mit ihrer Lage arrangiert. Kollaborateure sorgen dafür, dass alles Aufbegehren schon im Keim erstickt wird. Dann aber entdeckt ein Quartett Jugendlicher per Zufall, wie sich die Implantate vorübergehend abschalten lassen und begibt sich damit in tödliche Gefahr.

Robot Overlords

Das ist in seinen Grundzügen von eher überschaubarer Originalität, doch dass die Geschichte und ihr Ausgang mehr oder weniger vorhersehbar sind, tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Entscheidend ist die Art und Weise, wie hier erzählt wird und dass die Figuren des Films echte Menschen sind. Es dauert keine zehn Minuten, bis man die vier Jugendlichen (bzw. drei und ein etwa 10-jähriger Junge) ins Herz geschlossen hat und sich daran auch nichts mehr ändern wird. Das Drehbuch von Wright und seinem Co-Autor Mark Stay legt ihnen keinen realitätsfremden Nonsens in den Mund und die Jungdarsteller schließen vor und mit der Kamera Freundschaft, als könne es gar nicht anders sein.

Dass „Robot Overlords“ so wenig an kalkulierte Trittbrettfahrer wie „Insurgent“ oder „The Giver“ erinnert, hat nicht zuletzt auch mit der ganz offensichtlichen Liebe der Macher zum YA-Kino (avant la lettre) der 80er zu tun. Wer hier nicht Filme wie „Goonies“, „The Gate“ oder „Explorers“ vor Augen hat, kennt sie schlichtweg nicht. Doch statt in cineastischer Nostalgie zu baden (wie es etwa J.J. Abrams mit „Super 8“ getan hat), konzentrieren sich Wright und Stay darauf, ihre Geschichte zu erzählen und dabei ihre Figuren – selbst Ben Kingsleys durchaus überzeichneten Antagonisten – ernstzunehmen anstatt sie plumper Effekthascherei oder selbstgefälliger Zitationslust zum Opfer fallen zu lassen.

Bedauern, aber wenig Verwunderung geht mit der Tatsache einher, dass diese schöne Independent-Produktion im überladenen Kinobetrieb völlig unterging. Umso erfreulicher gestaltet sich ihr Erfolg in der Zweitverwertung (zumindest in UK). Gerüchtehalber ist ein TV-Spinoff in Arbeit, doch für den Film selber bleibt das letztlich erst einmal irrelevant. Wir können an dieser Stelle nicht mehr tun, als unsere ausdrückliche Empfehlung auszusprechen – und das für ein älteres wie jüngeres Publikum gleichermaßen. [LZ]

Robot Overlords

OT: Robot Overlords (UK 2014). REGIE: Jon Wright. BUCH: Jon Wright, Mark Stay. MUSIK: Christian Henson. KAMERA: Fraser Taggart. DARSTELLER: Callan McAuliffe, Ben Kingsley, Gillian Anderson, Milo Parker, Geraldine James, James Tarpey, Craig Garner, Justin Salinger, Ella Hunt, Tamer Hassan. LAUFZEIT: 90 Min (DVD), 94 Min (Blu-ray). VÖ: 27.08.2015.

Robot Overlords

[Abbildungen: Koch Media]

follow screenread on twitter | like screenread on facebook

David Cronenberg | Verzehrt

Kommentare sind geschlossen.