Richard Phillips schenkt Venedig 90 Sekunden Lindsay Lohan

28. Mai 2011

Lindsay Lohan

Der US-Künstler Richard Phillips ist bekannt für großformatige Ölgemälde mit popkulturellen Motiven an der Grenze zum Kitsch (oder weit darüber hinaus). Erst Anfang des Jahres hatte seine Ausstellung „Most Wanted“ im White Cube London auch jenseits der Fachwelt für Interesse gesorgt. Hyperrealistische Porträts von Superstars wie Miley Cyrus, Robert Pattinson oder Zac Efron mit sachtem Heiligenschein vor Sponsorenaufstellern im Step-and-Repeat-Modus kreisten um das Verhältnis von Ikonografie und Branding. Mit einem 90-sekündigem Videoclip hat Phillips diese Thematik jetzt in die mediale Form eines produktlosen Werbespots übersetzt. Sein Testimonial: Lindsay Lohan.

Gezeigt wird die Schauspielerin in assoziativen Nachinszenierungen, die sich Godards „Verachtung“ und Bergmans „Persona“ zum erklärten Vorbild nehmen. Für Phillips, so formuliert er es gegenüber der New York Times, verkörpert Lohan „eine Relevanz, die auf gleicher Ebene mit einer Bardot oder einer Ullmann liegt.“ Seinen Clip versteht er als psychologisches Porträt, das vor dem Hintergrund der genannten Filme versucht, unüberwindbare Gegensätze von Lohans Persönlichkeit („eine Kombination aus Fantasterei und Realität“) miteinander zu vereinen. Dass er dabei zugleich mit der Ästhetik von Werbeclips operiert, hat seinen guten Grund.

Lindsay Lohan by Richard Phillips

Seine Arbeit ist eins von insgesamt 80 Videos, die im Rahmen der Gruppenausstellung „Commercial Break“ vom 1. bis 5. Juni parallel zur 54. Kunstbiennale Venedig als Loop auf einem gigantischen Jumbotron-Display direkt und unübersehbar am Canal Grande gezeigt werden. Alle setzen sich mit Spielarten der Werbung auseinander und kommentieren so die Tatsache, dass sich ein riesiger Kunsthandel ausgerechnet in einer Stadt abspielt, die jegliche Form öffentlicher Produktanpreisung verbietet.

Für Philips ist der zusammen mit Taylor Steele inszenierte und schlicht „Lindsay Lohan“ betitelte Clip die erste Auseinandersetzung mit dem Medium Film und zugleich „ein Ansatz, um über eine neue Form der Porträtmalerei nachzudenken.“

Lindsay Lohan

[Abbildungen: Screencaptures / A still from „Lindsay Lohan“, a film by Richard Phillips. Courtesy of Richard Phillips. ]

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