Das Residenz: Kölner Kino mit MAD-MEN-Charme

05. Oktober 2013

Residenz-Kino Köln

Mitten in Köln ist eine Zeitreise möglich. In der Nähe des Mediaparks verbirgt sich hinter den unscheinbare Mauern, über dessen Eingang der Schriftzug „Residenz“ zu lesen ist, eine Art Zeitkapsel. Blickt der vorbei flanierende Passant nämlich hinter die gläsernen Tore, so findet er sich plötzlich in einer Bar mit einer in auffälligem Orange ausgeleuchteten Rückwand wieder. Hier ist leibhaftig vorstellbar, wie sich gestriegelte Firmenchefs aus den 50ern nach Feierabend einen Drink mit ihrer Sekretärin genehmigen, während im Hintergrund sachter Blues zu hören ist.

Die Bar befindet sich in einer mit schweren Samtvorhängen ausgestatteten Lobby. Das eigentliche Herzstück des Residenz aber sind drei hochmoderne Kinosäle für insgesamt mehr als 450 Cineasten. Hier wird Kino tatsächlich zum Erlebnis. Nicht zu vergleichen ist der stylische Filmtempel mit jenen grauen Bauwerken aus den 70ern, wie sie sich in fast jeder größeren Kleinstadt finden lassen, um der lokalen Jugend mit zwei Leinwänden das passende Ambiente für ihre ersten Dates zu bieten. Das Residenz ist anders und als „Astor Film Lounge“ macht es seinem Namen alle Ehre.

Der Weg zum Film hat bereits Eventcharakter: Sein Ticket kauft man in der Lobby und gibt danach seine Jacke oder seine Tasche kostenfrei an der Garderobe ab. Die Zeit bis zum Beginn der Vorführung lässt sich mit einem Begrüßungsgetränk überbrücken. Den kann der Gast entweder in der Lobby oder im Saal zu sich nehmen. Wenn man dann in einem der drei Säle auf den Ledersitzen mit den verstellbaren Rückenlehnen (ein hoher Gemütlichkeitsfaktor) und Fußhockern Platz genommen hat, kommen die „Orderleute“vorbei.

Residenz-Kino Köln

An den Plätzen befinden sich nämlich Menükarten für den kleinen Hunger. Hier sucht man die typisch-nervigen Kinosnacks vergebens (krümelnde Nachos, klebriges Popcorn oder Zwei-Liter-Cola im Pappbecher). Stattdessen wird schickes Fingerfood serviert. Der Gast bezahlt bei der Bestellung und die sogenannten „Läufer“ bringen das Gewünschte direkt an den Platz. Das schaffen sie während der Viertelstunde Werbung problemlos. Mit Vorstellungsbeginn ist die Tür zu. Wer dann noch was möchte, muss draußen in der Bar bestellen.

Meistens funktioniert der Service einwandfrei, doch bei größeren Gruppen kann es trotz aller Routine schon mal zu Verzögerungen kommen. Wenn der Film beginnt und der Gast zufrieden an seinem Getränk nippt, fällt sofort auf, dass nicht nur der Service im Residenz etwas Besonderes ist, sondern auch Bild und Ton nichts zu wünschen übrig lassen. Nach wenigen Sekunden zeigt sich bereits: Hier wird mit modernster Technik gearbeitet. Das Bild ist glasklar und der Sound perlt nuancenreich aus den Boxen.

Residenz-Kino Köln

Kino I ist mit 275 Plätze der größte Saal. Er dient nicht nur für die reine Filmvorführung, sondern bietet auch Raum für andere audiovisuelle Events. Unter anderem wird hier live per Satellit aus der Metropolitan Opera in New York übertragen und ab und an so mancher Analog-Filme im klassischen 35mm-Format gezeigt. Kino II ist um einiges kleiner und bietet insgesamt 149 Zuschauern Platz. Doch im Residenz gilt: Größe ist relativ, denn ausgerechnet der kleinste Saal, das Clubkino, ist bei den Gästen tatsächlich mit Abstand auch der beliebteste. Es sei keine Seltenheit, dass Zuschauer explizit nach dem Clubkino fragen, verrät Theaterleiter Andreas Lünstroth. Für sie ist der Film eher zweitrangig und der Vorführungsraum selber steht im Vordergrund.

Betritt man ihn, versteht man auf der Stelle, warum das so ist. Erstaunt findet man sich inmitten einer Bibliothek wieder, in der 35 rote Samtsessel auf die Besucher warten. Die Wände sind bis oben hin mit Bücherregalen ausgestattet. 60 laufende Meter Literatur befinden sich derzeit hier und es werden immer mehr. Gelesen wird tatsächlich auch, denn zum Bestand gehören immerhin echte Kuriositäten (etwa Jugendbücher aus den 60er Jahren und anderes mehr). Lesungen im Rahmen von Literaturverfilmungen stehen dabei durchaus auch schon einmal auf dem Programm.

Residenz-Kino Köln

Im vorderen Bereich des kleinen Raums dominiert die Leinwand. Die Atmosphäre – intim und voller Charme – kommt einem Literatursalon gleich, in dem sich Menschen zusammenfinden, um trefflich über die großen und kleinen Dinge des Lebens zu diskutieren. Aber das Clubkino kann auch zum erweiterten Wohnzimmer werden und lässt sich extern anmieten – etwa für private Feierlichkeiten, Produktpräsentationen oder schlicht, um seine Lieblings-DVDs mit seinen Lieblings-Menschen einmal auf der großen Leinwand zu bestaunen. Alles ist möglich. Trotz der angenehm altmodischen Gemütlichkeit, die der Raum ausstrahlt, kommt auch hier modernste Filmtechnik zum Einsatz.

Insgesamt sieht sich das Residenz ausdrücklich als ein Film-Theater mit Betonung auf der zweiten Worthälfte und dieses Image strahlt das Kino auch auf allen Ebenen aus. Vom Servicekonzept bis zu den kleinen Details steht die Gesamterfahrung im Vordergrund. Die Eintrittspreise liegen zwischen 11 und 16 Euro pro Ticket. Das mag zwar etwas teurer sein als gewohnt, lohnt aber durchweg. Vielleicht nicht unbedingt etwas für jedes Wochenende, aber als Kinoerfahrung außerhalb der Norm sehr empfehlenswert. [Laila Oudray]

Residenz-Kino Köln

[Abbildungen: Premium Entertainment Köln GmbH]

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David Cronenberg | Verzehrt

Eine Antwort zu “Das Residenz: Kölner Kino mit MAD-MEN-Charme”

  1. [...] Einen schönen Artikel über das imposante Kölner Kino „Residenz“ findet man auf [...]

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