Reißzähne und Gartenschere: Genre-Remakes to come (Piranha 3D, I Spit on Your Grave)

07. Mai 2010

Wer ernsthaft glaubt, die breite Palette von Klassikern des Horror- und Slasherfilms aus den 70ern und 80ern müsste mittlerweile vollständig zu Remakes verarbeitet worden sein,  könnte kaum falscher liegen. Während Jackie Earle Haley in den USA gerade äußerst erfolgreich die Scherenhände von Robert Englund aufträgt, lösen die ersten Teaser und Trailer zweier fast vergessener B-Filme von 1978 ungläubiges Staunen aus – und das nicht etwa origineller Ideen wegen.

Eher noch auf der Feelgood-Seite findet sich „Piranha“. Für Joe Dantes Fischhorror ist die 3D-Fassung von Alexandre Aja (neben Marcus Nispel derzeit Hollywoods sicherste Bank für Slasher-Remakes) bereits die zweite Reinkarnation, und wenn man das offizielle Sequel von 1981 hinzurechnet (immerhin James Camerons Regiedebüt), eigentlich schon die dritte. Der Trailer der Weinstein-Produktion hat durchaus seinen Reiz und scheut sich nicht, mit unübersehbaren Ausrufungszeichen und Richard Dreyfuss in einer Nebenrolle auf die eigenen Wurzeln zu verweisen: Immerhin war das Original aus der Corman-Schmiede nichts anderes als eine Exploitation-Version von „Jaws“, und so gibt es ganz ungeniert direkt mal ein paar schicke Unterwasser-Shots in Richtung badende Meute (und Beute) zu sehen.

Ein wesentlich mulmigeres Gefühl in der Magengegend verursacht hingegen der Remake-Teaser eines wenig augenzwinkernden Beitrags zur Indexgeschichte des Slasher-Kinos. Im selben Jahr entstanden wie „Piranha“, ist „I Spit on Your Grave“ bis heute einer der umstrittensten Genre-Filme überhaupt. Handwerklich ein echtes Laienprodukt, gehört die ursprünglich „Day of the Woman“ betitelte Produktion zu den sogenannten „Rape and Revenge“-Movies, in denen sich missbrauchte Frauen auf meist explizit gewalttätige Weise an ihren Peinigern rächen.

„ISOYG“ wäre vermutlich schneller wieder aus so manchen Köpfen verschwunden, hätte der Film nicht ausgesprochen lautstarke Ablehnung unter Kritikern hervorgerufen. Bekanntestes Beispiel: das durch und durch angewiderte Review von Roger Ebert („There is no reason to see this movie except to be entertained by the sight of sadism and suffering“). Sein bis heute aus jeder Zeile deutlich herauslesbares Entsetzen rührte dabei nicht unwesentlich von den sehr bedenklichen Publikumsreaktionen während der von ihm besuchten Vorstellung her.

1992 verpasste Carol J. Clover in ihrem Buch „Men, Women and Chainsaws“ dem Film einen quasi-feministischen Subtext und verschaffte ihm damit erneute Popularität. Von solchen Hintergründen weiß das Publikum, auf das man jetzt mit einem Remake abzielt, im Wesentlichen nichts, und auch das Original dürfte der überwiegenden Mehrzahl eher unbekannt sein. Dass die Macher stattdessen auf der immer noch nicht versiegenden Welle der Folterpornos aufsatteln, liegt auf der Hand.

Zu den Initiatoren gehört auch Meir Zarchi, der Urheber des Originals, dessen schmale Filmografie nicht unbedingt dafür spricht, dass „ISOYG“ ein talentfreier Ausrutscher war. Für ihn ist ein Remake sicherlich ökonomisch nicht uninteressant, zumal auch im Fall geringer Zuschauerakzeptanz im Kino mit einer lohnenden Auswertung auf dem DVD-Markt zu rechnen ist.

Ob die (berechtigten) Kontroversen für die Neufassung ausbleiben oder gerade aus Gründen der Vermarktung bewusst provoziert werden, bleibt abzuwarten. Wer jedoch lieber nicht so genau wissen will, welche Funktion die rostige Gartenschere auf dem Teaser-Plakat hat, hält sich besser von Original wie Remake fern.

[Abbildung: Logo „Piranha 3D“ | Quelle: Offizielles Facebook-Profil ]

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