[REC]4: Apokalypse | Filmkritik

17. Dezember 2014

REC 4 - Apokalypse

Wer den zweiten Teil der REC-Serie nicht mehr so genau in Erinnerung hat, könnte angesichts dieses neuesten (letzten?) Beitrags das Gefühl bekommen, irgendwas verpasst zu haben. Irgendwas war da noch. Nur was? Inhaltlich schließt die Geschichte jedenfalls ohne Bruch an den Vor(vor)gänger an, also scheint alles zu stimmen. Ángela Vidal, die junge Reporterin der ersten beiden Filme, wird aus dem von Zombies befallenen Mietshaus befreit und findet sich kurz darauf mit akuter Amnesie auf einem Quarantäneschiff wieder, wo sie einem Trupp von Medizinern offenbar als Versuchsobjekt dient.

Eine Apokalypse wird es zwar nicht zu sehen geben, doch immerhin ist die schwimmende Seuchenstation (übrigens „Zaratustra“) wenig später erwartungsgemäß von fleischfressenden Untoten bevölkert. Das Virus sucht sich selbstverständlich seinen Weg und sorgt für rasche Verbreitung. Dass Ángela erneut im Zentrum steht und einiges dafür tun muss, auch diesmal (hoffentlich) wieder als Final Girl übrig zu bleiben, bedarf keiner gesonderten Erwähnung. Nur, wie gesagt, war da nicht noch irgendwas?

Ganze sieben Jahre ist es mittlerweile her, dass Jaume Balagueró und Paco Plaza das Horrorgenre dank „[REC]“ (Schreibweise ist tatsächlich korrekt) mit einem der originellsten, beklemmendsten und insgesamt nachhaltigsten FoundFootage-Grusler bereicherten. Zwei Jahre später folgte eine nicht mehr ganz so unverbrauchte, aber immer noch beachtliche Fortsetzung, die dem Stil nicht nur treu blieb, sondern ihn sogar um mehrere Kameras potenzierte und dadurch die Möglichkeiten des Erzählens merklich erweiterte.

Eigentlich war damit alles gesagt, und so zogen die Filmemacher die einzig sinnvolle Konsequenz, die beiden (vertraglich bereits zugesicherten) Folgesequels lieber mit konventioneller Technik anzugehen. Auch die gemeinsame Regiearbeit gab man auf (Plaza übernahm den dritten, Balagueró den vierten Teil). Insgesamt vermutlich gute Entscheidungen. Dass damit aber auch eine Menge Originalität auf der Strecke blieb, ist letztlich weniger erfreulich.

REC 4 - Apokalypse

„[REC]3: Genesis“ gab den ernsten Ton der beiden Vorgänger weitestgehend auf und geriet stattdessen zum Splatterspektakel am Rand der Parodie. Inhaltlich eher eine Art Parenthese, bietet der Film eine Parallelegschichte mit minimalen Prequel-Anteilen und ist für die Reihe an sich mehr oder weniger verzichtbar. Auch greift „Apokalypse“ nur wenige Elemente des Vorgängers wieder auf, nähert sich hier und da aber zumindest seinem komödiantischen Ton an – was der Vorhersehbarkeit der Handlung zumindest ansatzweise ein Stück entgegenwirkt.

Balagueró und Plaza wollten dem eng gesteckten Rahmen der beiden ersten Teile offenbar entkommen und haben sich dabei gegenseitig alle erdenklichen Freiheiten gelassen (auch hinsichtlich ausbleibender Beteiligung am Drehbuch des jeweils vom anderen betreuten Films). Herausgekommen sind zwei – für Genrefans – durchaus sehenswerte Beiträge, die dem Original jedoch nichts wirklich Neues hinzufügen und leider auch hinter dessen Potential zurückbleiben.

Bei „[REC]4“ – und daher rührt das anfangs erwähnte vage Gefühl – fällt unter anderem der völlige Verzicht auf eine Weiterführung des Motivs dämonischer Besessenheit negativ auf, das den zweiten Teil beherrscht hat. Hatte letzterer noch zwei Subgenres auf verwirrend-clevere Weise miteinander kommunizieren lassen, so konzentrieren sich die beiden weiteren Sequels gänzlich auf den Zombieanteil. Bei „Genesis“ ist das aufgrund der Loslösung von der Kerngeschichte verzeihlich, bei „Apokalypse“ nicht – zumal die Hauptfigur auf diese Weise nur noch eine sehr eingeschränkte Kontinuität aufweist.

Ob die aktuelle Popularität der Untoten hier eine Rolle gespielt hat oder es dem Autorenduo Balagueró und Manu Díez (bemerkenswerterweise auch Co-Verfasser des zweiten Teils) schlichtweg nicht gelungen ist, beide Motive schlüssig nebeneinander weiterzuführen, darüber lässt sich nur spekulieren. [LZ]

REC 4

OT: [REC] 4: Apocalipsis (ES 2014) REGIE: Jaume Balagueró. BUCH: Jaume Balagueró, Manu Díez. MUSIK: Arnau Bataller. KAMERA: Pablo Rosso. DARSTELLER: Manuela Velasco, Ismael Fritschi, Héctor Colomé, Javier Botet, Paco Manzanedo, María Alfonsa Rosso, Críspulo Cabezas, Mariano Venancio, Emilio Buale, Javier Laorden. LAUFZEIT: 91 Min (DVD), 95 (Blu-ray) . VÖ: 19.12.2014.

REC 4 - Apokalypse

[Abbildungen: Universum Film | Screencapture]

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