PSYCHO: Jack Ketchum über Robert Bloch und den frühen Tod von Marion Crane in Hitchcocks Klassiker

06. Januar 2013

Jack Ketchum über PSYCHO

Gleich zwei Biopics widmen sich derzeit jenem legendären Filmemacher, der als erster sein unverwechselbares Konterfei erfolgreich zu Werbezwecken einsetzte. Dass hier auch das bemühteste Makeup nur unzureichende Illusion verbreiten kann, liegt auf der Hand. Doch es ist bei „Hitchcock“ nicht die Maske (unter der sich Anthony Hopkins mehr schlecht als recht in den titelgebenden Master of Suspense verwandelt), sondern die Rolle von „Psycho“-Drehbuchautor Joseph Stefano, die derzeit für Kontroversen sorgt. Bereits im Oktober 2012 zogen Witwe und Sohn vor Gericht, um gegen eine behauptete Falschdarstellung zu klagen.

Stein des Anstoßes ist unter anderem die berühmte Duschsequenz, in der erstmalig eine prominent besetzte Hauptfigur bereits im ersten Drittel eines Films ums Leben kommt und danach nicht mehr in Erscheinung tritt (etwa in Form von Rückblenden). Das Biopic nach dem bekannten Sachbuch „Alfred Hitchcock and the Making of Psycho“ von Stephen Rebello spielt die Urheberschaft dieser Idee der Ehefrau des Regisseurs zu. Tatsächlich, so der Vorwurf, stamme der innovative Gedanke jedoch von Stefano, ein Umstand, der laut Anwalt der Erben vielfach dokumentiert sei.

Marilyn Stefano, Witwe des Autors, fügt in einem Brief an das Online-Magazin Agoura Hills Patch hinzu: „Ich wage zu behaupten, dass es das Drehbuch meines Mannes war, wodurch ein hässlicher kleiner Schundroman zu einem Film wurde, den jede Filmschule in der Welt gesehen und studiert hat. Aber zu behaupten, dass Alma [Hitchcocks Ehefrau, d. Red.] … die Idee hatte, die Heldin innerhalb der ersten 30 Minuten zu töten, ist eine ungeheuerliche Lüge, die mich zur Weißglut treibt.“

Diese Aussage wiederum brachte jemand anderen zur Weißglut: Autor Jack Ketchum („The Girl next Door“, „The Woman“). Der Mann, den Stephen King einst äußerst werbewirksam zum (möglicherweise) „scariest guy in America“ erklärte, war bis zu dessen Tod 1994 eng mit „Psycho“-Verfasser Robert Bloch befreundet und unter dessen Mentorschaft selber zum Schriftsteller geworden. Eine solche Behauptung konnte er also unmöglich auf seinem Freund sitzen lassen.

Ketchum zögerte nicht lange und nutzte die Kommentarfunktion des Magazins: „Ich nehme Stellung zu [Marilyn] Stefanos Behauptung, dass Joseph Stefano die Idee gehabt hätte, seine ‘Psycho’-'Heldin’ in der ersten Filmrolle umzubringen. Dies ist eine unverfrorene Lüge. In Robert Blochs Roman ‘Psycho’ wird Mary Crane (für den Film wurde ihr Name in Marion geändert) auf Seite 37 des 159-seitigen Buches getötet, was ungefähr ein Viertel des Gesamttextes ist … und in etwa der halben Stunde des Films entspricht. Demnach war es Blochs und nicht Stefanos innovativer Gedanke. Und es ist immens untertrieben formuliert, wenn ich sage, dass mir Marilyn Stefanos Aussage gehörig gegen den Strich geht, es sei das Drehbuch ihres Mannes gewesen, ‘wodurch ein hässlicher kleiner Schundroman zu einem Film wurde, den jede Filmschule in der Welt gesehen und studiert hat’. Dieser ‘hässliche kleiner Schundroman’ hat praktisch jeden Autor beeinflusst, der heute im Feld von Suspense und Horror arbeitet. Er [Bloch, d. Red.] ist ein anerkannter Meister seines Fachs und verdient als solcher Respekt und keine Beleidigung. Abgesehen von der Menge seines Outputs ist Joseph Stefano unbedeutend.“

Bislang hat sich Marilyn Stefano hierzu nicht geäußert.

Hitchcock

Psycho | Robert Bloch

[Abbildungen: Dallas Mays (Foto Jack Ketchum) | Golkonda Verlag (Psycho-Cover) | Screencapture]

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Eine Antwort zu “PSYCHO: Jack Ketchum über Robert Bloch und den frühen Tod von Marion Crane in Hitchcocks Klassiker”

  1. [...] – Auf screenread geht es um die Frage, wer für den berühmten Duschmord in Psycho verantwortlich war: Hitchcock, Drehbuchautor Joseph Stefano oder… Robert Bloch! [...]

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