PIRANHA 2 (2012) | Filmkritik

04. Oktober 2012

Piranha 2

Einiges mag im Verlauf der Produktion dieses Sequels gehörig schief gelaufen sein. Der mittelmäßige Kassenerfolg des Vorgängers „Piranha 3D“ hätte zwar kaum die Grundlage für eine ähnlich budgetierte Fortsetzung bieten können, doch dass es am Ende lediglich für einen knapp kalkulierten Schnellschuss mit mechanischen Gummifischen reichte, deren schauspielerische Bandbreite von den eigentlichen Darstellern nur geringfügig überboten wird, muss dann doch überraschen. Inhaltlich liefert die maritime Fleischbeschau mit AllYouCanEat-Finale wenig Neues und hat selbst bei komprimierten 83 Minuten sichtliche Schwierigkeiten, den Zuschauer bei der Stange zu halten.

Über die Handlung gibt es nicht viele Worte zu verlieren. Die Neueröffnung einer Spaßbad-Landschaft mit Adult-Area fällt buchstäblich ins blutgetränkte Wasser, als die urzeitlichen Fische aus dem ersten Teil erneut zum Brunch anrücken. Fertig. Doch im Gegensatz zu Alexandre Ajas 2010er Semi-Original fehlen der von Sequelprofi Joel Soisson („Hellraiser: Revelations“, „Kinder des Zorns: Genesis“) produzierten Fortsetzung neben dem Budget nicht nur namhafte Darsteller und ein einigermaßen durchdachtes Skript, sondern auch die für einen Film wie diesen entscheidenden Begegnungen zwischen Protagonisten und Monsterfischen.

Ein paar Bauernopfer (oberflächliche Twens und Gary Busey) segnen im Vorhinein das Zeitliche, um die Geschichte in Gang zu bringen (und einen bedauernswerten Kurzauftritt von Christopher Lloyd zu rechtfertigen), doch als der für den Zuschauer ausgiebig vorbereitete Angriff auf die knapp bis gar nicht bekleidete Gästeschar des Badeparadieses schließlich einsetzt, stellt sich endgültig Ernüchterung ein, denn das Spektakel ist bereits vorbei, bevor es richtig begonnen hat.

Piranha 2

Selbst der viel beworbene Gastauftritt von David Hasselhoff hilft nicht weiter. Was zunächst als entspannte Selbstparodie noch leidlich amüsant ausfällt, wächst nach und nach zu einem ärgerlichen Running Gag mit hohem Nervfaktor heran. Nicht weniger ärgerlich gerät der erneute Auftritt von Ving Rhames, dessen Figur sich offenbar die Beinprothese von Cherry Darling ausgeliehen, dabei aber die ironische Coolness von Rose McGowan durch alberne Weinerlichkeit ersetzt hat.

Mit Joe Dantes 1978er „Jaws“-Parodie, deren Fortsetzung oder dem von Roger Corman 1995 produzierte Remake hat dieser, im englischen Original mit „Piranha 3DD“ betitelte Film (also 3D und DD und – ach, vergessen wir’s) offiziell genauso wenig zu tun wie sein Vorgänger. Dass er Sujet und Mechanismen des B-Film-Klassikers aus der Feder von John Sayles erfolglos imitiert, macht die Angelegenheit nicht besser. Ob Dimension Films einen dritten Teil folgen lässt, ist aufgrund überschaubarer Einspielergebnisse eher unwahrscheinlich.

Ein Plus: Das Bonusmaterial der deutschen DVD und Blu-ray erweist sich als vergleichsweise umfangreich und ist in Teilen unterhaltsamer als der Film selber. [LZ]

OT: Piranha 3DD (USA 2012). REGIE: John Gulager. BUCH: Patrick Melton, Marcus Dunstan, Joel Soisson. KAMERA: Alexandre Lehmann. MUSIK: Elia Cmiral. DARSTELLER: Danielle Panabaker, David Koechner, Matt Bush, Meagan Tandy, David Hasselhoff, Christopher Lloyd, Ving Rhames, Gary Busey. LAUFZEIT: 83 Minuten.

Piranha 3DD

Piranha 2

[Abbildungen: Tiberius/Sunfilm]

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