Pettersson und der computeranimierte Findus singen wieder – wenn auch keinen großen Hit

23. März 2014

Pettersson und Findus

In „Kids“ beschwert sich der Rapper Marteria: „Keiner macht mehr Malle, alle fahren nach Schweden“. Und ja – das kann man nachvollziehen. Vor allem wenn es das Schweden ist, wo der alte Pettersson mit seinem Kater Findus wohnt: Ein ewiger und träger Sommer, Apfelbäume, die großzügig Schatten spenden, riesige Sonnenblumen, die den Weg links und rechts säumen, ein kräftig grüner und stiller Wald – kurz und knapp ein Leben, das schön daher fließt.

Wer in diese goldige Welt entführt werden will, muss seinen Bürojob nicht kündigen und mit einem Wohnwagen nach Schweden ziehen. Er kann auch einfach seinen Nachwuchs oder andere Alibi-Minderjährige mit ins Kino nehmen. Dort läuft nämlich derzeit der erste Realfilm über die Kinderbuchhelden Pettersson und Findus mit dem Untertitel „Kleiner Quälgeist, große Freundschaft“ vom Regisseuren Ali Samadi Ahadi („Lost Children“).

Sven Nordqvists Bücher über den alten Pettersson und seinem frechen, sprechenden Kater Findus haben weltweit sowohl Kinder- als auch Erwachsenenherzen zum Schmelzen gebracht. Deswegen wagten die beiden Freunde den Sprung auf die große Leinwand schon öfter, zuletzt 2009.

Doch dieser Film hier ist anders, denn: Pettersson lebt! Die deutsche Produktion hat hier im Gegensatz zu allen Vorgängern nämlich auf Zeichentrick verzichtet. Aus der beliebten Vorlage wurde ein Realfilm mit CGI-Kater. Da stellt sich die Frage: Kann das gut gehen? Unsere Antwort: Ja!

Pettersson und Findus

Bereits beim Setting hat man sich viel Mühe gegeben, um das Lebensgefühl in den Büchern, das so ans Herz geht, möglichst originalgetreu wiederzugeben. Mit viel Liebe zum Detail wurde da ausgestattet – hier ein kleines Sofa, da ein misslungener Entwurf Petterssons, dort ein kleines Bettchen für den Kater. Über allem scheint sanft und geduldig die Sonne auf das Feld, auf das rote Haus und die zufriedenen Tiere. Wer den Film guckt, wird in eine Kindheit zurückversetzt, in der man die Sommerferien noch auf dem Land verbracht hat.

Auch beim Cast merkt man, wie genau die Verantwortlichen Nordqvists Bücher gelesen haben müssen. Ulrich Noethen als Pettersson sowie Marianne Sägebrecht als Beda Andersson (beide kinderfilmerfahren) machen in ihren Rollen eine gute Figur. Noethen, der schon als Bruno Taschenbier in „Das Sams“ Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistern konnte, sieht seiner Figur mit riesigen gelben Hut, runder Brille und Vollbart nicht nur verblüffend ähnlich, sondern überzeugt auch mit einer offenen, aber dennoch schüchternen Ausstrahlung. So hat man sich Pettersson immer vorgestellt.

Auch Sägebrecht könnte für die Rolle der Beda Andersson kaum passender sein. Mit Flechtfrisur, einer etwas matronenhaften Figur und einer derben, aber doch zärtlichen Stimme ist sie die liebe Tante, die ihre kleinen Neffen und Nichten hinter dem Rücken der Mutti mit Süßigkeiten verwöhnt hat. Nicht nur optisch passen beide zu ihren Rollen, auch von ihrem Spiel überzeugen die Protagonisten auf ganzer Ebene. Das gilt aber vor allem für Max Herbrechter, der den alten, mürrischen Gustavsson spielt und ein Meister des Timings ist.

Pettersson und Findus

Doch was ist mit dem Kater? Dass Findus aus dem Computer kommt, ist ein Novum. Die Befürchtung, die sich vorab einstellen kann: Wird es auch so ein Reinfall wie bei den computeranimierten Schlümpfen? Doch keine Sorge. Tatsächlich ist der Kater sehr gut gelungen – zeitweise sogar erstaunlich gut! Die bewährten CGI-Meister von Pixomondo haben für Findus die perfekte Balance zwischen Comic und Realität gefunden.

Er hat die fließenden Bewegungen und die ausdrucksstarken Augen einer Katze, will aber gar nicht wie ein echtes Tier aussehen. Richtige Entscheidung! Und auch bei der Stimme hat man sich dem Charakter von Findus angepasst. Jung, frech und niedlich, so klingt Roxana Samadi, die erst 13-jährige Tochter des Regisseurs. Ungewöhnlich professionell und auch passend. Anders sollte Findus nicht klingen.

Das Setting passt, die Schauspieler passen und auch der kleine Kater ist gut gelungen. Klingt wie ein wunderbarer Film? Leider nur teilweise, denn es gibt große Mängel in der Story. Denn eigentlich ist „Kleiner Quälgeist – Große Freundschaft“ ein Zusammenschnitt von vier Nordqvist-Büchern. Es wird chronologisch erzählt, wie Findus zu Pettersson kam, sprechen lernt, wie die Freunde gemeinsam zweimal Geburtstag feiern und einen Fuchs verjagen. Doch das Glück steht auf der Kippe, als der Kater Konkurrenz von einem stolzen Hahn erhält und Angst um die Freundschaft zum alten Pettersson bekommt.

Pettersson und Findus

Die langwierige Arbeit des Drehbuchautorn Thomas Springer in Zusammenarbeit mit Ahadi, die Geschichten der vier Bücher zu einer Geschichte zu verweben, ist dem Film anzusehen und im Ergebnis leider nicht immer gelungen. Teilweise wirkt alles wie eine Abfolge von Episoden, die einzeln für sich stehen. Der rote Faden ist nur auf dem dritten Blick zu entdecken und auch da merkt man, dass hier nicht konsequent gearbeitet wurde.

Die einzelnen Episoden sind sehr niedlich anzusehen und eine Parade von lustigen Slapsticks. Doch durch die fehlende Einheit besteht die Gefahr, dass der Zuschauer schnell das Interesse am Film verliert. So kommt es, dass es nach einer Weile sehr träge wird. Anderthalb Stunden fühlen sich da gleich zweimal so lang an. Also ein misslungener Versuch, Pettersson und Findus zu Leben zu erwecken? Keineswegs!

Der Film ist durch das detaillierte Szenenbild und die Schauspieler durchweg schön anzuschauen und macht auch Spaß. Vor allem für ein jüngeres Publikum empfehlenswert. [Laila Oudray]

P.S.: Am Rande noch eine ernsthafte Frage an alle Kinderfilmproduzenten: Muss wirklich immer gesungen werden? Wir finden: Nein.

OT: Pettersson und Findus – Kleiner Quälgeist, große Freundschaft (DE 2014) REGIE: Ali Samadi Ahadi. BUCH: Thomas Springer. KAMERA: Mathias Neumann. MUSIK: Ali N. Askin. DARSTELLER: Ulrich Noethen, Marianne Sägebrecht, Max Herbrechter, Roxana Samadi. LAUFZEIT: 86 Min.

Pettersson und Findus

[Abbildungen: Senator]

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