Outpost 37 | Filmkritik

26. Februar 2015

Outpost 37

Und noch eine Alien-Invasion. Gerade einmal sechs Jahre von heute müssen sich die Erdlinge mit eroberungswilligen Besuchern aus dem All herumschlagen (die sie ihrer starken Bepanzerung wegen „Heavies“ taufen). Zwar ziehen die Außerirdischen schon ein Jahr später wieder von dannen, lassen aber eine ganze Reihe ihrer Soldaten auf dem blauen Planeten zurück. Umgehend werden weltweit militärische Außenposten installiert, um der Plage Herr zu werden. Ein Jahrzehnt Säuberungsarbeit vergeht, dann haben Regierungen und Weltöffentlichkeit kein Interesse mehr an den Sondereinsatzkommandos. Mittelkürzungen und chronische Unterbesetzung machen den in ehemaligen Kriesenherden stationierten Trupps schwer zu schaffen: Anlass für eine Filmdokumentation, um an die vergessenen Männer im Dienste der Menschheit zu erinnern.

Die Grundidee dieses mit überschaubaren Mitteln produzierten Erstlings des Vfx-Spezialisten Jabbar Raisani („Game of Thrones“, „Machete“) ist also gar nicht einmal so unoriginell und auch die Ausführung kann sich durchaus sehen lassen. Mehr Mockumentary als FoundFootage setzt „Outpost 37“ (vormals „Alien Outpost“) weitestgehend auf den Look eines Dokufeatures mit den gängigen Standards und verzichtet auf den andernfalls enervierenden Dauerbeschuss mit verwackelter Handkamera.

Inserts und Talking Heads erzeugen allerdings nur vermeintlich den Eindruck einer abgeschlossenen Produktion, denn die vor neutralem Hintergrund aufgezeichneten Soldaten werden nicht alle auch das Ende des Films erleben – reden zum Teil aber trotzdem so, als sei alles schon hinter ihnen. Auch ist Material dabei, das im Verlauf der Geschichte eigentlich vernichtet wird und somit überhaupt nicht mehr zur Verfügung steht. Die Dokumentation, die es fertig geschnitten und montiert zu sehen gibt, ist also eine bloße Illusion. Aber vielleicht sollte man da auch nicht allzu viel hineininterpretieren.

Outpost 37

Wichtiger ist der überraschend sorgfältige Umgang mit dem Figurenpersonal. Statt das Ensemble aus desillusionierten Soldaten zum bloßen Kanonenfutter zu degradieren, geben sich Buch, Regie und die weitestgehend unbekannten Darsteller ansehnliche Mühe, die einzelnen Charaktere zumindest ansatzweise zu definieren und ihnen ein Gesicht zu verleihen. Das ist umso entscheidender, als der überwiegende Teil des Films sich tatsächlich als reine Militärdoku verkauft und über lange Strecken ganz ohne Aliens auskommt.

Angesiedelt irgendwo im Niemandsland an der afghanischen Grenze müssen sich die verbliebenen Einsatzkräfte des 37. Außenpostens vor allem mit Einheimischen herumschlagen, bevor der Zuschauer überhaupt einen der Heavies zu sehen bekommt. Solange geht es um den Umgang der Soldaten miteinander und den pseudodokumentarischen Blick auf das Treiben im Camp und den Frust, als Helden losgeschickt und dann vergessen worden zu sein.

Im der DVD und Blu-ray beigefügten Featurette bemerkt Raisani, dass die Entscheidung zur spezifischen Machart des Films nicht wirklich aus Liebe zum FoundFootage-Stil entstanden sei, sondern in erster Linie budgetäre Gründe ausschlaggebend waren. Dass auf dieser Grundlage ein durchaus sehenswerter kleiner B-Film entstanden ist, der mehr über seine Figuren als über die erst gegen Ende überhand nehmenden Außerirdischen zu sagen hat, darf man den Beteiligten durchaus hoch anrechnen. [LZ]

Outpost 37

OT: Outpost 37 (UK/ZA 2014) REGIE: Jabbar Raisani. BUCH: Blake Clifton, Jabbar Raisani. MUSIK: Theo Green. KAMERA: Blake Clifton. DARSTELLER: Adrian Paul, Matthew Holmes, Sven Ruygrok, Rick Ravanello, Reiley McClendon, Joe Reegan, Brandon Auret, Nic Rasenti, Douglas Tait, Justin Munitz, Scott E. Miller, Khalil Kathrada, Darron Meyer, Kenneth Fok, Stevel Marc, Michael Dube, Lemogang Tsipa, Tyrel Meyer, Craig Macrae, Tapiwa Musvosvi. LAUFZEIT: 88 Min (DVD), 92 Min (Blu-ray). VÖ: 27.02.2015.

Outpost 37

[Abbildungen: WVG Medien]

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