Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel | Filmkritik

23. Januar 2015

Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel

Es scheint eine Art filmisches Naturgesetz zu geben, dem gemäß folgende Ereignisse unabdingbar miteinander verbunden sind: 1. Eine Gruppe, deren Mitglieder nur sehr eingeschränkt an Übersinnliches glauben, beschließt aus dem einen oder anderen Grund, mithilfe eines Hexenbretts (Ouija) Kontakt zur Geisterwelt aufzunehmen. Dazu legt jeder einen Finger auf den pyramidenförmigen Zeiger (Planchett) und wartet ab, was passiert. 2. Sobald tatsächlich Bewegung ins Spiel kommt und der erste Buchstabe wie von Geisterhand angesteuert wird, ruft einer der Beteiligten mit untrüglicher Sicherheit: „Wer von Euch war das?“ – Daran führt kein Weg vorbei, und Autoren, die sich dieser kausalen Notwendigkeit verweigern, werden umgehend mit einem lebenslangen Arbeitsverbot belegt. So jedenfalls muss man wohl vermuten.

Es ist nicht das einzige Klischee, das diese von Michael Bay und Jason Blum („Paranormal Activity“) produzierte Gruselmär um schlecht gelaunte Untote und naive Teenager zu bieten hat, aber wer nirgendwo anecken will, muss nun einmal auf Nummer Sicher gehen. Für runde 90 Minuten filmisches Fastfood reicht die mit einer Handvoll Schreckmomenten garnierte, insgesamt recht dünne Story so gerade noch aus. Ist damit schon alles zu „Ouija“ gesagt? Im Prinzip ja. Aber dann auch wieder nicht.

Die auf kleiner Flamme gegarte und mit überschaubarem Budget ausgestattete Belanglosigkeit aus dem Hause Universal hat nämlich nicht nur eine katastrophale, ganze sechs Jahre umfassende Historie auf dem Buckel, sondern musste auch noch massive Nachdrehs aushalten, die laut Hauptdarstellerin Olivia Cooke („Bates Motel“) etwa die Hälfte des Films ersetzten. Dabei ist konsequenterweise eine Menge auf der Strecke geblieben. Umso erstaunlicher muss die Tatsache anmuten, dass das fertige Produkt dann doch weitestgehend wie aus einem (wenn auch arg schematischen) Guss daher kommt.

Die Geschichte, die es schließlich auf die Leinwand geschafft hat: Nach dem fragwürdigen Tod ihrer Freundin Debbie beschließt Laine, ein Spiel aus der gemeinsamen Kindheit wiederzubeleben: das Ouija-Brett. Zusammen mit einigen anderen, die der Verstorbenen nahestanden, versucht sie, Debbie im Jenseits zu kontaktieren, um so herauszufinden, was ihr tatsächlich zugestoßen ist. Das okkulte Treiben bleibt jedoch nicht folgenlos. Nach und nach wird die Seance-Gruppe gewaltsam dezimiert. Hat Laine ein Portal geöffnet und einen Dämon freigelassen? Gibt es eine Möglichkeit, die übernatürliche Macht zu stoppen? Und interessiert das irgendjemanden?

Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel

Die letzte Frage ist gar nicht einmal so leicht abzutun, denn immerhin schaffte der Film am Startwochenende einen ersten Platz in den US-Kinocharts. Als „Konsens-Grusel“ ist die Angelegenheit wohl am besten beschrieben und der eignet sich nun einmal ideal für ein Date mit der Angebeteten. Möglicherweise war es genau das, was das Autorenpaar Stiles White und Juliet Snowden aus Sicht des Studios (trotz des konventionellen Exorzismus-Budenzaubers „Possession“) zunächst gerade nicht oder doch zumindest nicht ausreichend abgeliefert hatte.

Die Vorlieben des Duos für dysfunktionale Familienstrukturen, von denen in „Ouija“ nur wenig übrig geblieben ist, und ein gewisses Faible für eher unkonventionelle Auflösungen hatten in dieser Auftragsarbeit (immerhin soll hier ein Brettspiel des Spielzeuggiganten Hasbro beworben werden) schlichtweg nichts verloren. 2009 hatten White/Snowden für das seltsame Weltuntergangsszenario „Knowing“ von Alex Proyas ein (im besten Sinne) echtes Gaga-Finale geschrieben, das zwar erstaunlicherweise den Weg auf die Leinwand schaffte, dabei aber ein gewisses Kassengift versprühte.

Davon ist in „Ouija“ nun rein gar nichts zu finden. Wie sehr Universal die ursprüngliche Version hat glattbügeln lassen (Cooke spricht von fünf Drehbuchfassungen), lässt sich nur vermuten. Aber auch die potentiellen Qualitäten des Originals sind reine Spekulation. Am Ende steht jedenfalls ein leidlich unterhaltsamer, insgesamt solide gemachter Zeitvertreib, der hoffentlich nicht in ein Franchise ausartet. [LZ]

P.S.: Details zur sechsjährigen Vorproduktion haben wir hier zusammengestellt.

OT: Ouija (USA 2014) REGIE: Stiles White. BUCH: Stiles White, Juliet Snowden. MUSIK: Anton Sanko. KAMERA: David Emmerichs. DARSTELLER: Olivia Cooke, Ana Coto, Daren Kagasoff, Bianca A. Santos, Douglas Smith, Sierra Heuermann, Lin Shaye. LAUFZEIT: 89 Min.

Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel

[Abbildungen: Universal Pictures]

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