Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel | Der Film zum Brettspiel ist vor allem verbranntes Geld

20. Januar 2015

Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel

Der deutsche Titelzusatz mag zwar generell einen guten Rat erteilen, hat mit dem Film selber aber herzlich wenig zu tun. Der Leibhaftige bleibt entgegen aller Erwartung jedenfalls außen vor. Möglicherweise hatte er einer Beteiligung ja sogar aktiv widersprochen – und das wäre nur allzu verständlich, denn wer will sein über Jahrhunderte hinweg hart erarbeitetes Image schon A. generell in den Dienst von Michael Bays wenig subtilem Kawumm-Kino stellen und B. in einem 90-minütigen Werbefilm als Testimonial für ein Brettspiel herhalten? „Ouija“ („Wie-Dschah“ für alle, die an der Kinokasse nicht wissen, was sie sagen sollen) ist genau dies und damit ein weiteres Beispiel für die unheilige Allianz zwischen Hollywood und der Spielzeugindustrie.

Andererseits tut man dem Film Unrecht, wenn man ihn auf seine konzernpolitische Funktion reduziert. Schließlich gibt es gute Werbung und schlechte und eine Menge dazwischen. Doch dazu an anderer Stelle. Was sich am Fall „Ouija“ lernen lässt, ist die Art und Weise, wie heute in den großen Studios gearbeitet wird, und das ist weitaus erschreckender (oder wahlweise: ernüchternder) als der Film selber. Um das naheliegende Wortspiel zu bemühen, steckt der Teufel hier im Detail. Bis 2008 reicht die Planungsgeschichte zurück. Universal war damals gerade einen sechsjährigen Deal mit Spielemacher Hasbro („Transformers“) eingegangen, und das erste gemeinsame Projekt sollte möglichst bald auf den Weg gebracht werden. [1]

Warum die Wahl dabei ausgerechnet auf das analoge Geistertelefon in Form einer antiken Alphabettafel fiel, mag ein anderer erklären. Vielleicht war es die Welle erfolgreicher Horror-Remakes (einige davon aus dem Hause Platinum Dunes), die hier den Ausschlag gegeben hatte. Vielleicht stand aber auch gänzlich wahllos einfach alles zur Disposition, womit Hasbro seit Menschengedenken die Kinderzimmer dieses Planeten heimsucht. „Ouija“ produzierte man jedenfalls bereits seit 1966 (damals noch durch Parker Brothers) und konnte sich so auf eine solide Grundlage berufen.

Ouija | Hasbro

Als merklich weniger solide erwies sich dann allerdings die Produktionsgeschichte des frühzeitig mit allerlei Hoffnungen belegten Films. David Berenbaum („Die Geistervilla“), der in der ersten offiziellen Ankündigung Ende Mai 2008 als Drehbuchautor noch bombensicher feststand, war eine knappe Schwangerschaftsperiode später schon wieder aus dem Rennen. Schlimmer noch: Man hatte zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Autor mehr unter Vertrag – was Produzent Brad Fuller allerdings nicht davon abhielt, die Werbetrommel umso lauter zu rühren und gar ein Riesending im Stil von „Fluch der Karibik“ anzukündigen. [2]

Anfang 2011 hatte sich das Projekt gut in der Entwicklungshölle eingelebt. Immerhin hatte man mittlerweile ein Drehbuch von Adam Horowitz and Edward Kitsis vorliegen („Tron Legacy“) und war mit McG als möglichem Regisseur im Gespräch. [3] Bei Hasbro und Universal musste der Glauben an den Film zu diesem Zeitpunkt jedenfalls immer noch groß genug gewesen sein, denn eine alternative Option mit dem damals (markttechnisch) ultraheißen Taylor Lautner legte man zugunsten von „Ouija“ erst einmal auf Eis.

Ein halbes Jahr später sah die Lage hingegen ganz anders aus: Von heute auf morgen war das Projekt für das Studio gestorben. „Zu teuer“ lautete die offizielle Begründung. [4] Doch Hasbro wollte das nicht auf sich sitzen lassen, nahm seine Marke in Schutz und versteigerte die Rechte an den Meistbietenden, und der war einige Monate später – wer hätte das gedacht? – erneut Universal. [5] Die gemeinsamen Karibik-Träume hatte man allerdings verworfen und steuerte jetzt eine eher moderat budgetierte Variante an.

Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel

Mit im Boot war wohl aus diesem Grund nun auch Jason Blum, der dank „Paranormal Activity“ und „Insidious“ nachweisliches Geschick im Umgang mit massentauglichem Grusel ohne allzu aufwendiges Investment aufweisen konnte. Zwei Monate später stand das Autorenpaar Stiles White und Juliet Snowden (zuvor erfolgreich mit „Possession“ und frisch ausgestiegen aus dem allseits ungeliebten „Poltergeist“-Remake) für die nächste Drehbuchversion unter Vertrag. White sollte außerdem auf dem Regiestuhl Platz nehmen. [6]

Doch auch jetzt schienen die Dinge immer noch nicht so richtig rund zu laufen. Zunächst war von einem 2013er Veröffentlichungstermin die Rede, doch erst im Dezember desselben Jahres wurden die Verträge der Schauspieler unterzeichnet. [7] Dann fiel endlich die erste Klappe – und der Horror ging weiter. Als sich im Januar alle in die Arme fielen und das Ende von sechs Jahren Vorproduktion feierten, ahnte noch niemand, dass die Crew vier Monate später für massive Nachdrehs wieder zusammenfinden würde.

Schon zuvor müssen die Unsicherheiten und Eingriffe seitens des Studios (oder welcher Beteiligten auch immer) so immens gewesen sein, dass Hauptdarstellerin Olivia Cook im Interview mit Collider ganze fünf Drehbuchfassungen aufzählen kann, die ihr im Verlauf vorgelegt worden waren. [8] Sagenhafte 50% des gesamten Films, so gibt sie zu Protokoll, seien im Mai 2014 neu gedreht worden: „Es war gut, dass wir das tun konnten, denn es bedeutet, dass Universal wirklich an den Film geglaubt hat.“ So kann man es natürlich auch sehen.

Am Ende fuhr „Ouija“ an einem insgesamt schwachen Startwochenende rund 20 Millionen Dollar und einen ersten Platz in den US-Kinocharts ein, doch das ist angesichts einer sechsjährigen Entwicklungsphase nur Makulatur. Welche Unsummen die Vorproduktion tatsächlich verbrannt haben mag, darüber lässt sich nur spekulieren. Das Geld ist jedenfalls zum Teufel, und der spielt, wie gesagt, nicht einmal mit. [LZ]

Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel

[Abbildungen: Universal Pictures | Hasbro (Ouija Boardgame)]

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