OFDb Filmworks: Neuer Player auf dem deutschen Verleihmarkt

24. August 2013

Cold Blooded

Die Zeiten, in denen das Fantasy Filmfest eine Art El Dorado für Abseitiges und Entdeckenswertes war, das es hierzulande nicht einmal in der hintersten Ecke der eigenen Stammvideothek zu finden gab, sind lange vorbei. Heute ist das alteingesessene Festival eher eine Art Werbeplattform für zeitnahe Home-Entertainment-Premieren, die vorab kurz einmal über die große Leinwand flimmern dürfen. Etwa 95 Prozent der gezeigten Filme haben bereits einen deutschen Verleih, und deren Namen wiederholen sich konstant. Mindestens eine Ausnahme findet sich dieses Jahr jedoch, denn gleich hinter zwei Titeln verbirgt sich ein neues Label.

Obwohl – neu? Nicht so ganz, denn die Marke „OFDb“ dürfte dem hiesigen Online-Cineasten bekannt sein. Das deutsche Gegenstück zu Amazons imdb gehört mit rund 14-jähriger Online-Präsenz (und leidigem Banner-Overkill) immerhin zu den langlebigsten seiner Art. Unter dem Titel „OFDb Filmworks“ wagt das Unternehmen jetzt den Schritt in den Verleihmarkt und verfolgt damit durchaus ehrgeizige Pläne. Auf der Agenda stehen unter anderem die Deutschlandpremiere von Stuart Gordons berüchtigtem Lovecraft-Klassiker „From Beyond“ im Director’s Cut.

Das muss einem umso ambitionierter erscheinen, wenn man weiß, dass der Titel derzeit (wir müssen kaum ausdrücklich hinzufügen: unsinnigerweise) immer noch auf dem Index steht. Ziel ist eine Listenstreichung und FSK-Prüfung, doch wie da die Erfolgschancen stehen, weiß selbstredend niemand. Mutig sind sie also, die Herren aus Bremen, und man kann nur hoffen, dass sie mit diesem und anderen angedachten Titeln nicht auf Granit beißen.

Coonskin

Mehrere Produktlinien sind geplant. Klassiker sollen zum einen als Sammlereditionen mit umfangreicher Ausstattung in der „Platinum Collection“ erscheinen, zum anderen regulär unter dem Label „Silver Line“ vertrieben werden. Als erster Titel ist dort Ralph Bakshis wütendes Harlem-Porträt „Coonskin“ auf Grundlage eines neuen HD-Masters angekündigt. Zuvor in der 18er-Fassung bei Splendid erhältlich, hofft man seitens OFDb (wohl in erster Linie aus werbetechnischen Gründen) vor Vertriebsstart auf eine revidierte FSK-Freigabe ab 16. Man kann auch da durchaus skeptisch sein.

Auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest präsentiert man allerdings gänzlich neue Titel, und auch hier setzt sich der junge Verleih bewusst vom Mainstream ab. „Cold Blooded“ und „I Declare War“ sind zwei aktuelle und mehrfach ausgezeichnete Independent-Produktionen des kanadischen Filmemachers Jason Lapeyre. Für November ist zudem der ebenfalls preisgekrönte philippinische Thriller „Graceland“ angekündigt. [LZ]

Cold Blooded

[Abbildung: OFDb Filmworks]

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Eine Antwort zu “OFDb Filmworks: Neuer Player auf dem deutschen Verleihmarkt”

  1. [...] Vorgeschmack auf meinen eigenen OFDb-Artikel, den ich wohl morgen Abend online stelle, hier noch ein kleines Portrait, welches auf screen/read erschienen [...]

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