MILLENNIUM-Trilogie: Entscheidende Abweichungen in der Verfilmung von David Fincher und Steven Zaillian?

15. Januar 2011

The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung)

Dass man in Hollywood neuerdings auf europäische Bestseller vor allem durch deren ebenso europäische Filmfassungen aufmerksam wird, gehört zu den vielen Unsicherheiten einer Produktionspolitik, die möglichst nach allen erdenklichen Seiten abgesichert sein will, bevor sie auch nur einen einzigen Dollar investiert. „Let me in“, die englischsprachige Version von John Lindqvists Vampirroman und zugleich ein Remake der schwedischen Verfilmung von Tomas Alfredson („Let the right one in“), ist so ein Beispiel, „Verblendung“, der erste Teil von Stieg Larssons „Millennium“-Trilogie, ein anderes. Doch während sich Matt Reeves in seiner Lindqvist-Adaption möglichst genau an der Vorlage orientiert, sieht es so aus, als gingen Regisseur David Fincher und Drehbuchautor Steven Zaillian in mancherlei Hinsicht eigene Wege.

Eigentlich ist es nur eine Randnotiz in einem umfangreichen Artikel, den das amerikanische W-Magazine in seiner aktuellen Ausgabe quasi als begleitende Garnitur zu einer Fotostrecke mit Bildern der Schauspielerin Rooney Mara (bereits Finchers erste Wahl für „The Social Network“) liefert. Doch was es da neben ausgiebiger Heldenverehrung für den Filmemacher zu lesen gibt, könnte Fans der Romanreihe ins Grübeln stürzen.

Millennium-Trilogie-Box Director's Cut

Drehbuchautor Steven Zaillian (Oscar für „Schindlers Liste“) entfernt sich offenbar in nicht unerheblichem Maß von der Vorlage. Aus der Sicht von Lynn Hirschberg jedenfalls, der Verfasserin des Beitrags, sind die Abweichungen nichts weniger als „dramatisch“. Sofern es die Hauptfiguren betrifft, gerät Mikael Blomkvist (in Finchers Version dargestellt von Daniel Craig) „weniger promiskuitiv“ und Lisbeth Salander (eben Rooney Mara) dafür „viel aggressiver“. Bemerkenswerter aber ist, was Hirschberg über das Ende zu sagen hat, denn „die Auflösung des Dramas – wurde komplett geändert. Für manche mag das ein Sakrileg sein, aber Zaillian hat Larsson verbessert – das Ende des Drehbuchs ist viel interessanter.“

Mehr erfährt man nicht, doch für Leser des Buches dürfte das unangenehm klingen. Wie die Fans auf Zaillians Änderungen und Finchers Annäherung an den Stoff reagieren, wird abzuwarten sein. In welchem Umfang sich die schwedische Verfilmung mit Noomi Rapace und Michael Nyqvist in der vollständigen 526-minütigen Fassung an die Vorlage hält, lässt sich in Deutschland übrigens ab Februar nachvollziehen.

Noomi Rapace

[Abbildungen © 2010 Music Box Films]

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