Maria und Jesus: Frohe Ostern mit Christian Bale

04. April 2015

Maria und Jesus | Christian Bale

Rückblickend markiert die Jahrtausendwende für Christian Bale nicht nur einen globalen, sondern – karrieretechnisch betrachtet – auch einen ganz persönlichen Wechsel in ein neues Zeitalter. Zu verdanken hat er das indirekt Leonardo DiCaprio, der es nach langem Hin und Her ablehnte, die Hauptrolle in der arg verspäteten Adaption von „American Psycho“ zu übernehmen und so den Weg für den ehemaligen Kinderstar aus Wales freimachte. Das Erstaunlichste dabei: Bales Darstellung verschaffte ihm zwar eine bis dato ungekannte Aufmerksamkeit, blieb für ihn inhaltlich aber mehr oder weniger die einzige ihrer Art. Als viel bezeichnender für zukünftige Rollen erwies sich indessen eine Figur, die er im Jahr zuvor noch weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit porträtiert hatte: Jesus von Nazareth.

Dass sich der 1999 unter dem Titel „Mary, Mother of Jesus“ entstandene TV-Film in erster Linie auf die Figur der (gleich von zwei – zudem noch schwedischen – Schauspielerinnen verkörperten) Maria konzentriert und Bale erst nach etwa 40 Minuten auftaucht, ist dabei eher nebensächlich, denn aus heutiger Perspektive rückt seine Darstellung für den Zuschauer unvermeidlich in den Fokus. Das hat weniger damit zu tun, dass der Rest des Cast qualitativ eher schwächelt (was nicht der Fall ist), sondern vielmehr mit der verblüffenden Feststellung, dass Bales Jesus-Interpretation bereits zentrale Eigenheiten späterer Rollen vorwegnimmt.

Gerade vor dem Hintergrund seiner hysterisch-chargierenden (und deshalb so vergleichsfreien) Bateman-Performance im Folgejahr erscheint die bemerkenswert grimmig-psychotische Deutung der neutestamentlichen Erlöserfigur umso mehr wie eine Blaupause für Bales spätere darstellerische Leistungen. Nirgendwo wird das so deutlich wie im Vergleich zum jugendlichen Jesus des Films, der willig die andere Wange hinhält und den Schriftgelehrten im Tempel geduldig (oder vielleicht auch eher altklug) die biblische Botschaft erklärt. 18 Jahre und 40 Tage Wüste später ist der vermeintliche Zimmermannssohn ein besessener Fanatiker geworden, der seine Ziele nicht weniger unbeirrt und autoaggressiv verfolgt als John Connor oder Bruce Wayne.

Maria und Jesus | Christian Bale

Doch das sind nur zwei Namen aus Bales an ikonischen Figuren nicht armen Filmografie und man könnte die Liste beliebig fortsetzen: etwa mit dem aufständischen John Preston aus „Equilibrium“, dem unbeugsamen Dieter Dengler aus „Rescue Dawn“, dem aufopferungswilligen Dan Evans aus „Todeszug nach Yuma“, dem rachsüchtigen Russell Baze aus „Out of the Furnace“ und einem störrischen Moses aus „Exodus: Götter und Könige“. Bales Charaktere sind in aller Regel Getriebene, nicht selten Widerständler, in jedem Fall aber Männer mit geradezu obsessiver Zielvorgabe oder einer tiefverwurzelten Leidensgeschichte – und gelegentlich alles auf einmal.

Es ist also nicht nur die Art und Weise der Darstellung, die seinen Jesus als Archetypus im Bale-Universum qualifizieren – es sind auch und vor allem die Rollen selbst, die mit einer mal mehr, mal weniger offensichtlich ausgeprägten messianischen Ausrichtung daherkommen und in „Terminator Salvation“ und der „Dark Knight“-Trilogie ihre deutlichsten Ausprägungen finden. Dass hier ausgerechnet ein vergleichsweise belangloser TV-Film die Weichen gestellt hat, darf durchaus verwundern.

Kürzlich unter dem etwas arg programmatischen Titel „Maria und Jesus“ für den deutschen HomeEntertainment-Markt erneut aufgelegt (2004 erstmals als „Maria – Die heilige Mutter Gottes“ erschienen), lohnt ein Blick auf die vergleichsweise ansprechend in Szene gesetzte Produktion vor allem aus filmhistorischer Sicht. Wer sich allerdings bekehren lassen will, ist bei Mel Gibson immer noch besser aufgehoben. [LZ]

Mary, Mother of Jesus

OT: Mary, Mother of Jesus (USA 1999) REGIE: Kevin Connor. BUCH: Alber Ross. MUSIK: Ken Thorne. KAMERA: Elemér Ragályi. DARSTELLER: Pernilla August, Christian Bale, Melinda Kinnaman, David Threlfall, Christopher Routh, Michael Mears, Geraldine Chaplin, Toby Bailiff, John Shrapnel, Edward Hardwicke, Mark Jax, Robert Addie, Hywel Bennett, Simone Bendix. LAUFZEIT: 88 Min (DVD). VÖ: 19.03.2015.

Maria und Jesus | DVD

[Abbildungen: Koch Media GmbH]

follow screenread on twitter | like screenread on facebook

David Cronenberg | Verzehrt

Kommentare sind geschlossen.