LOST PLANET 3: Jack Wall liefert symphonischen Soundtrack und futuristische Country-Musik

29. August 2013

Lost Planet 3

Irgendwann wird es auf Mutter Erde einfach zu ungemütlich. Globale Erwärmung, Umweltverschmutzung und Krieg haben den Planeten auf lange Sicht unbewohnbar gemacht. Zeit also, neue Welten zu entdecken, in denen es sich besser leben lässt. Ein Großkonzern macht sich daran, einen erdähnlichen Eisplaneten zu kolonialisieren, doch der ist (wie könnte es auch anders sein?) bereits von einer Spezies bewohnt, die den Menschen eher nicht wohlgesonnen ist. Was bleibt also übrig außer einen ausführlichen Krieg zu führen, um die zukünftige Heimat zu erobern? – Was da wie der Prolog von „After Earth“ klingt (oder wahlweise etwa einer geschätzten Anzahl von rund 3 Millionen Scifi-Romanen), ist tatsächlich der Plot der Videospielreihe „Lost Planet“, deren dritter Teil gerade erschienen ist.

Schon 2008, zwei Jahre nach Veröffentlichung des ersten Teils, kursierten Pläne für eine Kinofassung, doch seit 2010 herrscht Funkstille. Das letzte Lebenszeichen stammt von „Watchmen“-Autor David Hayter (zugleich ein versierter Game-Sprecher), dessen Adaption bis heute auf Eis liegt. MTV gegenüber merkte er damals an: „Es gab interne Auseinandersetzungen zwischen einigen der beteiligten Unternehmen, was meines Erachtens die Verzögerung verursacht hat.“ Auf neue Entwicklungen warten die Fans des Franchise bis heute vergebens.

Ob der Stoff tatsächlich für die große Leinwand taugt, sei einmal dahingestellt. Ginge es allerdings nach Jack Walls Soundtrack für den aktuellen dritten Teil, so wären alle Zweifel mehr als obsolet. Großsymphonisches lässt sich da hören, mal mit choraler Unterstützung, mal vor synthetischen Ambientflächen, voller spacig anmutender Soundeffekte und großer Dynamik. Dabei unterscheidet sich Walls Ansatz von vielen anderen Gamescores vor allem dadurch, dass er den reinen Actionanteil überschaubar hält und über weite Strecken auf Atmosphäre setzt, dem Hörer (oder eben Gamer) neben einer Menge atemloser Rhythmik auch Raum zum Atmen lässt.

Rund 57 Minuten Score bietet das auf Walls eigenem Label „Lost in Sound Records“ veröffentlichte Album, und doch ist das gerade mal nur der halbe Musikanteil. Sauber vom eigentlichen symphonischen Soundtrack getrennt, gibt es nämlich noch über eine Stunde futuristische Countrymusik zu hören (unter den Solisten: Bear McCreary, seit „The Walking Dead“ oder „Defiance“ selbst vielbeschäftigter Film-, TV- und Gamekomponist). Sie dient als eine Art „Mixtape“ des Gamer-Alter-Egos Jim Peyton, einem Kolonisten, der auf dem neuen Planeten die Aufgabe hat, Mineralstoffe abzubauen. Die Musik, die er dabei hört, soll ihn an seine Familie erinnern, die auf der Erde auf seine Rückkehr wartet.

Das ist nett anzuhören, bleibt für Filmmusikliebhaber aber eher kurioses Beiwerk. Das Kernstück des Albums sind die 19 Tracks abwechslungsreicher Symphonik, die das Spiel mit elektronischen Elementen und sogar E-Gitarre (Hörempfehlung: „The Power Plant“) exzellent beherrscht. Das muss niemanden wundern, denn Jack Wall komponiert seit mittlerweile über 15 Jahren für die Game-Industrie. Bekannt ist er vor allem für seine Musik zu „Myst IV“ (mit Peter Gabriel), „Mass Effect“ (mit Richard Jacques) und zuletzt „Call of Duty: Black Ops II“.

„Lost Planet 3“ ist als digitaler Download mit insgesamt 37 Tracks erhältlich. [LZ]

[Abbildungen: Lost in Sound Records / Capcom]

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The Walking Dead

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