Lloyd Kaufman erhält Independent Spirit Award

07. September 2014

Lloyd Kaufman

Ehrensache für Regisseur James Gunn, dass er seinen ehemaligen Mentor im derzeit erfolgreichsten Blockbuster der diesjährigen Kinosaison „Guardians of the Galaxy“ einen augenzwinkernden Cameo verpasst hat. Wer genau hinsieht, kann Lloyd Kaufman dort nämlich als Sträfling entdecken. Diesen Sonntag hat der Mitbegründer der legendären Troma-Studios auf dem Northeast Film Festivial in New Jersey den Spirit of Independent Filmmaking Award für seine schon über vier Jahrzehnte anhaltende Unterstützung des unabhängigen US-Kinos erhalten. Greetings from Tromaville!

Zu seinen größten Fans in der Branche gehören neben Gunn so illustre Namen wie Quentin Tarantino, Peter Jackson, Álex de la Iglesia, Takashi Miike, Eli Roth, Kevin Smith, Trey Parker und Gaspar Noé – kein Wunder, denn als „Uncle Lloyd“, wie ihn seine Anhänger liebevoll nennen, zusammen mit seinem Studienfreund Michael Hertz 1974 Troma Entertainment gründete, war das eine friedliche Kriegserklärung an das etablierte Hollywood-Kino. Allerdings sollte es noch ganze 10 Jahre und ebenso viele Regiearbeiten (meist unter dem Pseudonym Samuel Weill) dauern, bis Kaufman mit „The Toxic Avenger [dt. Atomic Hero]“ einen echten Independent-Hit landen konnte.

In den kommenden Jahren unterstrichen Titel wie „Class of Nuke ‘Em High“, „Seargant Kabukiman“ und die völlig hysterische Shakespeare-Adaption „Tromeo & Juliet“, dass das System Troma funktionierte. Politisch inkorrekt, gewalt- und sexlastig, stets am Rande des Wahnsinns und nie auch nur im Ansatz ernstzunehmen, boten die Filme des Studios (darunter echte Trash-Perlen wie „Surf Nazis must die“) absurde Spaß-Anarchie und waren wie gemacht für den Videoboom der 80er.

Lloyd Kaufman

Immer der Zeit auch ein Stück voraus, erkannte Kaufman Ende der 90er frühzeitig die Relevanz des neuen Mediums DVD und die Vorteile des Direktmarketings über das Internet. Heute ist ein Großteil des Troma-Archivs (eine umfangreiche Mischung aus Eigenproduktionen und Verleihtiteln) bereits als Stream erhältlich, viele Titel gar umsonst via YouTube. 1999 gründete er mit TromaDance sein eigenes Filmfestival, das als Gegenentwurf zu Sundance angelegt war und bis heute keine Teilnahmegebühr verlangt.

Längst sind die Zeiten vorbei, als Troma nur am Rande und mit angewidertem Naserümpfen wahrgenommen wurde. Kaufman, der am liebsten in Clown-Funktion auftritt, hat auf seinem Kaminsims mittlerweile eine ganze Reihe von Lifetime Achievement Awards stehen, darunter von so renommierten Branchenveranstaltungen wie dem Sitges Film Festival, dem Fantasy Film Festival Amsterdam, dem Brussels Festival of Fantasy und anderen mehr. Ehrungen und Retrospektiven durch Einrichtungen wie das British Film Institute, die Cinematheque Francaise oder die American Cinematheque runden das Bild ab.

Kaufman ist Verfasser zahlreicher Bücher über Guerilla-Filmemachen (darunter die Reihe „Make Your Own Damn Movie!“) und Dozent an Hochschulen innerhalb und außerhalb der USA. Zuletzt drehte er mit „Return to Nuke ‘Em High: Vol. 1“ eine Art Reboot seiner erfolgreichen Filmreihe von 1986, sowie die Dokumentation „Occupy Cannes!“ über die Missachtung echter Independent-Produktionen auf dem bedeutendsten Filmfestival der Welt.

Tromeo and Juliet

[Abbildungen: Lloyd Kaufman | Screencapture]

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