Zerstört Lionsgate das Konzept von BURIED durch Reshoots?

27. April 2010

Hitchcock hat bekanntlich gerne mit dem Gedanken gespielt, einen ganzen Film ausschließlich in einer Telefonzelle spielen zu lassen. Inzwischen sind Filmemacher offenbar tatsächlich so weit, einer extremen räumlichen Einschränkung wie dieser wirkungsvoll genug beizukommen (und zwar keineswegs so halbgar wie in Joel Schumachers / Larry Cohens „Phone Booth“): Der Spanier Rodrigo Cortés jedenfalls überzeugte beim diesjährigen Sundance Festival mit einem Beitrag, der alle Formen filmischer Klaustrophobie auf die Spitze treibt: „Buried“ spielt ausschließlich in einem Sarg. Dem Distributor Lionsgate schien das nun doch zuviel des Guten zu sein.

„Buried“ könnte kaum einfacher gestrickt sein: Ein amerikanischer Truckdriver im Irak erwacht lebendig begraben tief unter der Erde in einem Sarg, lediglich versorgt mit einem Zippo-Feuerzeug, einer Taschenlampe, zwei Leuchtstäben und einem Handy. Seine Entführer verlangen zwei Millionen Dollar, ansonsten droht ihm der sichere Erstickungstod.

Die Story ist weder neu noch originell, doch wer sich bereits bei Uma Thurmans lebendigem Begräbnis in „Kill Bill Vol. 2“ unwohl fühlte (oder bei Tarantinos ähnlich gelagerter „CSI“-Episode), ist hier gänzlich fehl am Platz. Cortés nämlich lässt seinen Film ausschließlich in den wenigen Quadratmetern unter der Erde spielen, die auch der Hauptfigur (publikumswirksam besetzt mit Ryan Reynolds) zur Verfügung stehen. Kann nicht funktionieren? Offenbar doch, denn nicht nur Publikum und Kritik waren gleichermaßen begeistert, sondern es entbrannte auch ein heftiger Bietwettbewerb um die Vertriebsrechte.

Am Ende nahm Lionsgate den Film mit nach Hause. Doch augenscheinlich hat die Verantwortlichen ganz schnell der Mut wieder verlassen, und man entschied sich zu einer Handvoll Nachdrehs. An sich sollte einem das schon zu denken geben, doch die zusätzlichen Aufnahmen könnten sogar die einzigartige Grundstruktur des Films angreifen. Laut Online-Portal Bloody-Disgusting will man die Kameras nämlich vor allem überirdisch laufen lassen.

Wie genau diese Pläne einzuschätzen sind, und ob es in der finalen Kinofassung (ein offizieller US-Starttermin ist für den 24. September bzw. 8. Oktober angekündigt) tatsächlich zu einer Aufbrechung des ursprünglichen Konzepts kommen wird oder man lediglich verschiedene Versionen vor Publikum austesten will, wird sich erst noch zu zeigen haben. Ein deutscher Veröffentlichungstermin ist bisher übrigens noch nicht bekannt.

[Abbildung: Screenshot aus dem Sundance-Trailer zu "Buried"]

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