Let Us Prey: BpjM setzt Horrorfilm mit Pollyanna McIntosh auf den Index

06. Mai 2016

Let us prey

Herzlichen Glückwunsch, BpjM. Wieder einmal ist es der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gelungen, sich mit einer Indizierung (Liste A) hinreichend lächerlich zu machen. Aktueller Stein des Anstoßes: der irisch-britische Horrorfilm „Let us prey“ mit Pollyanna McIntosh und Liam Cunningham in den Hauptrollen. Ein absurder Vorgang, der eine über 15-monatige Geschichte hat: Die ungeschnittene Fassung war bereits im Januar 2015 an der FSK gescheitert, kam aber zwei Wochen später bei der SPIO/JK mit dem Titel „keine schwere Jugendgefährdung“ durch. Der Verleih Pierrot le Fou veröffentlichte im Anschluss sowohl eine Uncut-Version als auch eine gekürzte Fassung mit FSK18-Freigabe.

Jetzt hat sich die BpjM (aus welchem Grund auch immer) mit der inhaltsgleichen UK-Fassung des Films beschäftigt und diese prompt auf den Index gesetzt. Heute teilte dann der Vertrieb Alive mit, zum Schutz seiner Kunden sämtliche Uncut-Versionen des Films „trotz einer aktuell unsicheren Rechtslage“ ebenfalls als „indiziert“ zu markieren. Damit werden alle Händler aufgefordert, den aktuellen Bestand aus den Verkaufsregalen zu entfernen. Das ist ebenso konsequent wie ärgerlich.

Wieder einmal hat der mündige Bürger also Anlasss sich zu fragen, was seine Mündigkeit eigentlich wert ist und wo genau die Grenze zwischen Jugendschutz und Bevormundung liegt. Dass in Deutschland ausdrücklich keine Zensur stattfindet, lässt sich bekanntlich in Artikel 5 des Grundgesetzes nachlesen. Maßnahmen, die man nichtsdestotrotz durchaus als eben solche verstehen könnte, begründete das ZDF kürzlich mit „Qualitätsrichtlinien“ und erntetet im Anschluss dafür telefonisches und öffentliches Lob durch die Bundeskanzlerin (unser ausführlicher Beitrag dazu hier). Womit die BpjM argumentiert, ist hinreichend bekannt und speziell in diesem aus unserer Sicht mehr als harmlosen Fall alles andere als unstrittig.

[Abbildung: AV Pictures]

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