Silicon Horror: KILLER RACK | Lloyd Kaufman, Brooke Lewis und die Implantate des Grauens

03. Juni 2014

Brooke Lewis

Das Subgenre des sogenannten „Body Horrors“ erfährt seit kurzem ein überraschendes Revival und treibt dabei die erstaunlichsten Blüten. Erst 2012 waren mit „Antiviral“, „American Mary“ und „Thanatamorphose“ fast zeitgleich drei bemerkenswerte Beispiele aufgetaucht, die dem Grauen des eigenen Körpers einiges abgewinnen konnten. Angestoßen wurde die Welle aber bereits 2010, als der Holländer Tom Six und der deutsche Bühnenveteran Dieter Laser mit „The Human Centipede“ ein popkulturelles Phänomen in Gang setzten, das rasch weit über den Verbreitungsgrad des Films hinausreichte. Ähnlichen Kultstatus wünschen sich die Macher von „Killer Rack“ und bieten dafür zumindest eine angenemessen absurde Grundidee.

Wie bei Tom Six nimmt das Grauen auch hier mit einem chirurgischen Eingriff seinen Lauf – wenn auch unter weitaus unspektakuläreren Bedingungen: Statt Menschen gegen ihren Willen aneinander zu nähen, werden der Hauptfigur auf eigenen Wunsch zwei Brustimplantate eingesetzt. Doch die haben es in sich und erweisen sich bald als hungrige Kreaturen aus dem All (möglicherweise entfernte Verwandte von Ralf Königs „Kondom des Grauens“). Bei Nacht übernehmen sie die Kontrolle über ihre Trägerin und suchen sich – sozusagen als Mitternachtssnack – männliche Beute.

Ausdrücklich als Screwball Comedy klassifiziert (in diesem Fall ein Wortwitz?), weisen die Macher angesichts des Themas sicherheitshalber schon einmal vorab den Vorwurf der Sexploitation von sich: Schließlich müsse sich die weibliche Hauptfgur in einer männlich domierten Welt durchsetzen, wo Frauen als Objekte betrachtet werden. „Female Empowerment“ lautet das Schlüsselwort – eine beliebte Deutungsvariante, die gerade im Horrorgenre immer gerne zum Einsatz kommt und dabei mal mehr („The Woman“), mal weniger zutreffend ausfällt („I spit on your Grave“).

Sprechen können die vermeintlichen Silikonkissen übrigens auch. Im Original leiht ihnen Screamqueen Brooke Lewis ihre Stimme. Bemerkenswert dabei: Die in den USA vor allem durch ihre Figur „Ms. Vampy“ bekannt gewordene Schauspielerin engagiert sich seit langem ausgerechnet für die Aktion „Bowling for Boobies“, mithilfe derer Spendengelder für die Opfer von Brustkrebs gesammelt werden. Ihren Einstieg bei „Killer Rack“ nutzte Lewis dementsprechend auch direkt einmal, um ihre Charity-Arbeit ins Gespräch zu bringen.

Nicht nur hör- sondern auch sichtbar beteiligt ist zudem Troma-Gründer Lloyd Kaufman, der eine Nebenrolle übernimmt. Ob er allerdings mit dazu beitragen kann, dass sich die Finanzierung des Projektes abschließend realisieren lässt, bleibt abzuwarten. Eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter scheiterte zunächst. Doch die Macher haben sich nicht entmutigen lassen und sind sofort zum etwas unkomplizierteren Mitbewerber Indiegogo weitergezogen. Dort können nun auch europäische Unterstützer mit einsteigen und zum Beispiel C- oder D-Cup-Förderer werden. [LZ]

Killer Rack

[Abbildungen: Brooke Lewis | Kelly Forbes]

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