Ken Russell hinterlässt Drehbuch für Softcore-Musical ALICE IN WONDERLAND

11. Dezember 2011

Alice in Wonderland

Offenbar hatte der britische Filmemacher Ken Russell auch mit 84 Jahren noch kein Interesse daran, sich zur Ruhe zu setzen. Kurz vor seinem Tod arbeitete er jedenfalls noch an der Endfassung eines Drehbuchs zum Remake des Softcore-Klassikers „Alice in Wonderland: An X-rated Musical Fantasy“. An einer Umsetzung des Materials ist man nach offiziellen Angaben des Rechteinhabers Renaissance Media Entertainment weiterhin interessiert. Gemeinsam mit Russells Witwe Elize Tribble und Komponist Simon Boswell will man sich um die Finanzierung und die Suche nach einen möglichen Regisseur kümmern.

Dass in letzterer Hinsicht nicht von vornherein eine Alternative im Raum stand, ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich. Im Fall von „A Prairie Home Companion“ musste bekanntlich Paul Thomas Anderson als Notfall-Ersatz für den 81-jährigen Robert Altman herhalten, damit eine Umsetzung aus Investorensicht überhaupt möglich wurde. Ähnliche Gedanken wird man sich hier vermutlich auch gemacht haben.

Das Remake des Musicals von 1976 hätte nach 20 Jahren Russells Rückkehr auf die Kinoleinwand werden können. Und auch wenn die Anlehnung an das Original eher lose ausfallen sollte, ist der Stoff selber doch archetypisches Material für den Mann hinter ausschweifenden Leinwandfresken wie „Tommy“, „Lisztomania“ oder „The Devils“. Wer ihn auf dem Regiestuhl auch nur ansatzweise adäquat ersetzen könnte, ist eine offene und alles andere als einfach zu beantwortende Frage.

Bill Osco hatte den Film auf Grundlage des 1972er Erfolgs von „Flesh Gordon“ initiiert (einer Softcore-Parodie der beliebten Science-Fiction-Comics) und ist auch am jetzigen Remake wieder beteiligt. Im Subgenre des Sex-Spoofs ist „Alice“ ein echtes Glanzlicht, das seinen Hauptreiz im Wesentlichen aus einem Fundus zweideutiger Dialoge bezieht und pornografische Elemente eher außen vor lässt. Erst eine spätere Fassung mit einigen eingefügten Nachdrehs verschob die Gewichtung. Für das ehemalige Playmate Kristine DeBell war die Hauptrolle der gelungene Einstieg in eine immerhin bis in die 80er Jahre anhaltende Schauspielkarriere.

Bereits 1995 hatte sich Ken Russell übrigens einmal auf seine ganz eigene Art an Lewis Carrolls Vorlage versucht. „Alice in Russialand“ entstand im Rahmen einer fünfteiligen TV-Dokumentation und zeigte die Romanfigur im Comic-Stil auf einem Streifzug durch die russische Kunst- und Kulturgeschichte.



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[Abbildungen: Cruiser Productions, General National Enterprises | Originalplakat]

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