Jon Schnepp dreht Doku über Tim Burtons gescheiterten Superman-Film

08. September 2014

The Death of Superman Lives

Dass Nicolas Cage sich selbst zu den größten Fans des Man of Steel zählt, ist kein Geheimnis (wer nennt seinen Sohn schon Kal-El?). Wie sehr also muss es ihn wohl gefuchst haben, dass er den berühmten Latexanzug mit „S“-Logo zwar anprobieren, aber nie vor laufender Filmkamera tragen durfte? Ende der 90er wäre es dazu mit „Superman Lives“ beinahe gekommen – und das unter der Regie von keinem Geringeren als Tim Burton. Doch das Projekt ging mit 30 Millionen Dollar Vorproduktionskosten unter und steuerte später lediglich einige wenige Basisideen zu Bryan Singers „Superman Returns“ bei. Filmemacher Jon Schnepp („Metalocalypse“) rekonstruiert das Geschehen jetzt in Form eines Dokumentarfilms.

Alles hatte so vielversprechend begonnen: 1996 war man bei Warner bereits eine ganz Weile lang ebenso eifrig wie unschlüssig mit der Wiederbelebung des Franchise beschäftigt. Der Misserfolg von „Superman IV“ lag zwar fast ein Jahrzehnt zurück, doch so ganz sicher war man sich vermutlich nicht, ob der Mann mit dem roten Umhang an den Kinokassen inzwischen wieder funktionieren würde. Basierend auf der einige Jahre zuvor erschienenen Comicreihe „The Death of Superman“ lagen mehrere Drehbuchvarianten vor, doch keine davon stieß auf echte Gegenliebe.

Newcomer Kevin Smith (damals gerade mit „Clerks“ und „Mall Rats“ auf dem aufsteigenden Indie-Ast) zeigte dem verantwortliche Produzentenduo Jon Peters und Lorenzo DeBoniventura die entscheidenden Schwächen der bisherigen Versionen auf und schlug einen eigenen Ansatz vor. Als erfahrener DC-Autor bekam er schließlich den Zuschlag und machte sich an die Arbeit. Doch das Verhältnis zu Warner war von Spannungen getragen und Smith begriff zu spät, dass die Interessen des Studios vor allem dahingehend ausgerichtet waren, mit dem fertigen Film möglichst viel Merchandising zu verkaufen (weitere Details berichtet er in einem Interview mit mania.com aus dem Jahr 2000).

Als Tim Burton schließlich für die Regie unterzeichnete, war Smith endgültig aus dem Rennen, denn der Mann, der gegen alle Erwartungen einige Jahre zuvor bereits „Batman“ in eine kinobasierte Gelddruckmaschine verwandelt hatte, bestand auf seine eigene Version und verlangte eine Überarbeitung des Drehbuchs durch Wesley Strick („Cape Fear“). Dessen Fassung wiederum war Warner deutlich zu kostenintensiv und man heuerte mit Dan Gilroy („Real Steel“) und später William Wisher jr. („Terminator 2“) weiteres Personal an, das günstigere Skriptvorschläge liefern sollte. Burton stieg schließlich aus und kümmerte sich stattdessen um „Sleepy Hollow“.

Jon Schnepps Dokumentation „The Death of Superman Lives: What happened“ hat versucht, möglichst viele Originalstimmen vor der Kamera zu versammeln, darunter Smith und Burton, Strick, Schnepp, Bonaventura sowie andere Beteiligte und Experten. Zudem sind Nachinszenierungen einiger Sequenzen aus den unterschiedlichen Drehbuchvarianten angekündigt. Sein Budget hat Schnepp Anfang 2013 über Kickstarter zusammengetragen. Eine zweite Kampagne zur Abschlussfinanzierung geht gerade via FanBacked zuende. Wann es den fertigen Film zu sehen gibt, ist noch offen.

[Abbildungen: Jon Schnepp]

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