Jim Jarmusch in Köln: Kinopremiere von ONLY LOVERS LEFT ALIVE

16. Dezember 2013

Only Lovers Left Alive

Wer dieser Tage durch Köln flaniert, wird Schwierigkeiten haben, zweierlei zu ignorieren: den allgemeinem Weihnachtsoverkill und die flächendeckende Großplakatierung für Jim Jarmuschs melancholisch-lakonische Blutsauger-Elegie „Only lovers left alive.“ Für eine Arthouse-Produktion mit deutlich eingeschränktem Zielpublikum mag das zwar auf den ersten Blick eine eher ungewöhnliche (wenn nicht gar verschwenderische) Maßnahme sein, doch gibt es mindestens zwei entscheidende Gründe für die auffällige Aktion.

Zum einen steht zu vermuten, dass beim schwächelnden Außenwerbungs-Platzhirschen Stroer ausreichend Flächen vakant waren, die im Regelfall gerne zu günstigeren Konditionen an Kulturvermarkter gehen. Zum anderen ist Köln Sitz der Pandora, Jarmuschs langjährigem Verleih- und Produktionspartner, und da gilt es dann auch schon einmal, werbetechnische Reviermarkierung zu betreiben. Ehrensache, dass der Meister am 10. Dezember persönlich an den Rhein kam, um die Premiere seines jüngsten Films zu begleiten.

Jarmusch ist weitestgehend allürenfrei. Vergangenes Jahr hatte man ihn auf der Feier zum 30-jährigen Bestehen des Kölner Unternehmens entspannt in einen kleinen Plausch verwickeln können. Nicht weniger nahbar gibt er sich an diesem Abend. Im vollbesetzten Hauptsaal des Cinenova-Kinos wartet er geduldig im Eingangsbereich, bis er nach vorne gerufen wird. Dann stapft er etwas ungelenk die Treppe in Richtung Leinwand herunter, bemüht, sich zwischen den geladenen Gästen auf den Stufen durchzumanövrieren, denen der reguläre Kinositz vermutlich zu unhip ist.

Viel zu sagen hat er nicht. Jarmusch ist kein Redner und so bedankt er sich etwa ein Dutzend Mal bei allen Beteiligten, von denen einige im Publikum sitzen. Dann macht er sich auch schon wieder davon. Die Vorstellung selber ist über weite Strecken unerträglich, doch der Film selber trägt daran keine Schuld. Es herrschen amerikanische Verhältnisse: Kaum eine Minute vergeht, in der nicht ganze Gruppen von Zuschauern den Saal verlassen und kurz darauf wieder auftauchen. Sich zu ducken, um niemandem den Blick zu versperren, ist den meisten fremd, und wer High Heels trägt, tut dies auch gut hörbar kund. Mit Respekt vor dem Film und seinen Machern hat das wenig zu tun.

Only lovers left alive

Zu Beginn der End Credits gibt es kurzen Beifall und alle stürmen raus, als gäbe es West-Bananen – nur um dann eine geschlagene Viertelstunde wie die Sardinen auf dem Gang herumzustehen, weil nach draußen kein Durchkommen ist. Zu den wenigen, die sitzen bleiben, bis der letzte Ton verklungen und der letzte Name aufgelistet ist, gehört der einzige ernsthaft prominente Gast des Abends: Wolfgang Niedecken, der zuvor beim Photocall wiederholt mit Jarmusch posieren musste/wollte/durfte.

Danach geht es in den benachbarten CLub „Herbrand’s“, wo vermeintlich blutige Drinks serviert und vampireske Sonnenbrillen aufgesetzt werden. Was dann neben dem leidigen Aftershowgehabe folgt, hat durchaus seinen Reiz: Sämtliche Acts, die es im Film zu sehen gibt, sind vor Ort und spielen live, darunter auch Jarmuschs musikalischer Partner Jozef van Wissem und die gemeinsamen Band SQÜRL, mit der zusammen der Meister nach Mitternacht höchstselbst einen Auftritt hinlegt.

Das ist alles bemüht, aber zugleich auch arg familiär. Dass keiner der Darsteller vor Ort ist, macht schmerzhaft deutlich, wie weit Köln immer noch hinter Berlin als Premierenmetropole zurückliegt – könnte man jedenfalls meinen. Doch auch in der Hauptstadt, wo der Film zwei Tage später vorgestellt wurde, war Jarmusch alleine. Das mag terminliche und ganz sicher auch finanzielle Gründe gehabt haben, doch im Endeffekt bleibt ein unbefriedigender Nachgeschmack. [LZ]

Only Lovers Left Alive

[Abbildungen © Pandora Film Verleih, 2013]

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